Seminar: Lou Andreas-Salomé - Vom Finden des verlorenen Gottes
Verantwortlich: Prof. Dr. Barbara Hallensleben (in Zusammenarbeit mit Silvan Beer, Dipl.ass.)
Mittwoch, 16h15-17h45 * Raum MIS 4120 * 4 CP
Beschreibung: Lou Andreas-Salomé (1861-1936), geboren in St. Petersburg, war 1880 eine der ersten Frauen, die das Studium der Theologie und der Kunstgeschichte in Zürich begannen. Bald machte sie sich als Schriftstellerin einen Namen. Ihre Lebensgeschichte ist mit drei großen Repräsentanten der Geistesgeschichte verbunden: Friedrich Nietzsche (der sich in sie verliebt), Rainer Maria Rilke (der durch sie zum Dichter reift) und Sigmund Freud (für den sie zur Schülerin und zugleich zur Interpretin wird). Bei Freud lernt Lou die Grunderfahrung ihres Lebens als «Erlebnis Gottes» tiefer zu verstehen: «Unser erstes Erlebnis ist, bemerkenswerter Weise, ein Entschwund» – der Entzug der selbstverständlichen Zugehörigkeit zu einem Ganzen, das der Raum Gottes ist. Dieser Entschwund wird als Verlust Gottes erfahren. Das weitere Leben wird zur Suche nach dem verlorenen Gott. Lou verfällt nicht dem Geschick der nihilistischen Moderne. Deshalb löst sie sich von Nietzsche und kann ihn auf einzigartige Weise verstehen – und überwinden.
Literatur: Lou Andreas-Salomé, Lebensrückblick, Frankfurt a.M. 1968; Linde Salber, Lou Andreas-Salomé (Rowohlt Bild-Monographie), Reinbek 41998; Mario Leis, Frauen um Nietzsche (Rowohlt Bild-Monographie), Reinbek 2000; Lou Andreas-Salomé, Nietzsche in seinen Werken, Frankfurt a.M. 1983; dies., Im Kampf um Gott. Roman, München 2007; dies., «Russland mit Rainer». Tagebuch der Reise mit Rainer Maria Rilke im Jahr 1900, Marbach 2000.
