Vorlesung: Ignatianische Exerzitien - Einübung in eine sakramentale Lebensform
Verantwortlich: Prof. Dr. Barbara Hallensleben
Donnerstag, 13-14h, Raum 4122, (BA und) MA, 1 CP (oder je nach Studienleistung und Studienprogramm)
Beschreibung: Das Exerzitienbuch des Ignatius von Loyola ist nicht für die Lektüre bestimmt, sondern für eine Praxis des Gebets. Es will dazu verhelfen, den unverwechselbar und unersetzlich eigenen Platz in der Nachfolge Christi zu finden und eine entsprechende «Wahl» zu vollziehen. Mit der Exerzitienpraxis hat Ignatius wesentlich dazu beigetragen, den modernen Menschen in eine (kirchlich vermittelte) Gottunmittelbarkeit zu führen. Die «Gesellschaft Jesu» wurde zum Ausdruck der «Katholischen Reform», die auf die Reformation antwortete. In jüngerer Zeit tritt auch die Frage der «geistlichen Entscheidungsfindung in Gemeinschaft» hinzu, die heute im «synodalen Weg» eine Weiterführung findet. Gibt es eigentlich eine spezifisch ignatianische «Theologie»? Oder handelt es sich einfach um eine «spirituelle Praxis»? Ignatius von Loyola hat etwa zehn Jahre lang Theologie studiert, darunter von 1528-1535 an der berühmten Sorbonne in Paris. Viele Einsichten, die in der Regel als systematische Lehrsätze vermittelt werden, gewinnen bei ihm ihre handlungsleitende Kraft. Große Theologen wie Karl Rahner und Erich Przywara haben sich an einer «Theologie der Exerzitien» versucht. Einer der ersten Gefährten des Ignatius, Jerónimo Nadal, hat bereits sehr früh über die ignatianische Berufung theologisch nachgedacht. Die Vorlesung führt in diese reichhaltigen Impulse ein.
Literatur: Ignatius von Loyola, Gründungstexte der Gesellschaft Jesu, übers. von Peter Knauer, Würzburg 1998; Barbara Hallensleben, Theologie der Sendung. Die Ursprünge bei Ignatius von Loyola und Mary Ward, Frankfurt a.M. 1994; Erich Przywara, Deus semper maior. Theologie der Exerzitien, 3 Bände Freiburg i.Br. 1938/1939/1940; Karl Rahner, Die Logik der existentiellen Erkenntnis bei Ignatius von Loyola, in: ders., Das Dynamische in der Kirche, Freiburg i.Br. 1958, 74-148; ders., Betrachtungen zum ignatianischen Exerzitienbuch, München 1965.
Die Vorlesung kann bei entsprechender Studienleistung auch für den Bereich der „Theologie der Spiritualität“ angerechnet werden.
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22. Oktober 2026: Geistliche Entscheidungsfindung in Gemeinschaft - Vorläufer der Synodalität?
"Die Beratung der ersten Gefährten" (1539)
Hintergrund: Als die Jesuiten sich dem Papst für bestimmte "Sendungen" zur Verfügung gestellt hatten, drohte die Gemeinschaft sich aufzulösen, weil die Mitglieder auf verschiedene Städte und Aufgaben verteilt wurden. So trafen sie sich zur Beratung, um zu entscheiden, ob sie dies geschehen lassen sollten oder dafür sorgen sollten, dass sie als Gemeinschaft in "einem Leib" zusammenbleiben.
Diese Beratung, die sich im Jahr 1539 über etwa drei Monate erstreckte, stellt eine Art von "Exerzitien in Gemeinschaft und im Hinblick auf eine gemeinsame Entscheidungsfindung" dar. Die Vorgehensweise ähnelt in vielen Aspekten dem, was heute als "Synodalität" neu entdeckt wird.
Ihre Aufgabe:
* Lesen Sie den Text.
* Überlegen und notieren Sie, wie die Beratung durchgeführt wird, damit sich darin der Wille Gottes zeigen kann.
* Wenn Zeit bleibt, können Sie überlegen, welche Elemente aus diesem Bericht für heutige kirchliche Entscheidungsprozesse hilfreich sein könnten.
Für diejenigen, die sich im Vorlesungsraum treffen:
Bestimmen Sie jemanden, der die Gesprächsführung hat und auch auf die Zeit achtet.
Lesen Sie den Text einfach laut, vielleicht im Wechsel Absatz für Absatz oder Seite für Seite. Wenn dabei unmittelbar Fragen aufkommen oder wenn Sie Elemente finden, die zur Beantwortung der gestellten Frage beitragen, können Sie kurz unterbrechen.
Wenn Sie mit der Lektüre fertig werden, können Sie die entdeckten Elemente resümieren und ihre Anwendbarkeit für heute besprechen.
Was hier als gemeinschaftliche Beratung und Entscheidungsfindung vor sich geht, wird uns im nächsten Schritt helfen, die "Wahl", auf die die zweite Exerzitienwoche zielt, leichter zu verstehen.
- 15. Oktober 2026: Erste Woche (2)
- 8. Oktober 2026: Erste Woche (1)
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1. Oktober 2026: Incipit - Prinzip und Fundament
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24. September 2026: Glaube wird Methode - Heiligung durch Mission
Quellenangabe zu den "Annotationes":
Ignatius von Loyola, Gründungstexte der Gesellschaft Jesu, übersetzt von Peter Knauer, Echter Verlag: Würzburg 1998, S. 92-106 (jeweils die geraden Seiten; auf den Parallelseiten steht die Übersetzung des lateinischen "Vulgata-Textes" der Exerzitien.
Textkritische Ausgabe der Exerzitien:
Sancti Ignatii de Loyola Exerzcitia spiritualia (= Monumenta Historica Societatis Iesu, Band 100), Rom 1969.
Theologischer Kommentar:
Erich Przywara SJ, Deus semper maior. Theologie der Exerzitien, 3 Bände, Freiburg i.Br. 1938/1939/1940.
Kommentar zum Exerzitienprozess:
Alex Lefrank, Umwandlung in Christus. Die Dynamik des Exerzitien-Prozesses, Echter Verlag: Würzburg 2009.
Frageb zur Bearbeitung:
Was ist wesentlich für die Person, die Exerzitien begleitet?
Auf welche anderen Lebens- und Handlungsbereiche lassen sich diese Anweisungen eventuell übertragen?
- 17. September 2026: Einführung: Leben im Zwiespalt
