Seminar: Physik und Metaphysik. Weltanschauliche Debatten in den Naturwissenschaften des 20. Jahrhunderts 

Verantwortlich: Prof. Barbara Hallensleben (in Zusammenarbeit mit Dario Colombo, Dipl.ass.)

Mittwoch, 13h30-15h00, Raum 2118, (BA und) MA - 4 CP

Beschreibung: Bei Aristoteles gilt die Metaphysik als „erste Philosophie“ und Grundlegung alles philosophischen Wissens. Inzwischen ist Metaphysik in Misskredit geraten. Ihr Name gibt zunächst einfach die Referenz zu etwas an, was „meta“, „jenseits“ der Physik liegt. Die Position des naturwissenschaftlichen Zeitalters war klar und schien unerschütterlich: Nichts liegt jenseits der (mechanistisch verstandenen) Physik. Als diese Überzeugung durch die Forschungen der Physik selbst im 20. Jahrhundert ins Wanken gerieten, wurde die Physik unerwartet zum Schauplatz philosophischer Debatten, oft mit theologischen Implikationen, etwa in Einsteins Ausspruch: „Gott würfelt nicht!“ 

Das Seminar stellt sich eine dreifache Aufgabe: 1) Wir gewinnen einen Einblick in Metaphysik und Metaphysikkritik. 2) Wir vollziehen die meta-physischen Fragen der Physiker des 20. Jahrhunderts exemplarisch mit. 3) Wir lernen einen Entwurf zur Erneuerung der Metaphysik in theologischer Perspektive kennen: John Betz, Christ, the Logos of Creation. An Essay in Analogical Metaphysics (2023).

Das Seminar kann unter Voraussetzung der Mitbegutachtung der Seminararbeit durch eine-n Dozierende-n der Philosophie auch für den Bereich der Philosophie angerechnet werden.edingt durch seine familiäre Situation ist George Steiner (1929-2020) so perfekt mehrsprachig aufgewachsen, dass selbst Fachleute nicht in der Lage waren, seine „Muttersprache“ zu ermitteln. Vielleicht machten ihn diese Umstände so sensibel für die großen Fragen nach Sprache und Verstehen, Übersetzen und Interpretieren. Im Alltag der zweisprachigen Universität und Theologischen Fakultät Fribourg wird die Zweisprachigkeit als Chance proklamiert, oft aber als Last empfunden. Selten wird ausdrücklich und gar theologisch darüber reflektiert, was das Phänomen der Mehrsprachigkeit der Menschheit – zwischen Babel und Pfingsten – eigentlich bedeutet. Als philosophisch denkender Literaturwissenschaftler mit großer Sensibilität für theologische Fragen kann George Steiner dazu beitragen, für die Theologie ein bewussteres Verhältnis zum Sprechen, zum Verstehen als Übersetzungsvorgang und zum unabschließbaren, aber nicht beliebigen Akt des Interpretierens zu entwickeln.

Literatur: John Betz, Christ, the Logos of Creation. An Essay in Analogical Metaphysics, Steubenville 2023; Martin Heidegger, Was ist Metaphysik?, Frankfurt a.M. 81960; Giorgio Agamben, Filosofia prima filosofia ultima. Il sapere dell’Occidente fra metafisica e scienze, Turin 2023; Carl Friedrich von Weizsäcker, Die Einheit der Natur, München 1971. Weitere Literatur wird im Seminar angegeben.