| Description |
«Auf die Nerven gehen», «Rückgrat zeigen» und «Schmetterlinge im Bauch»: Der Körper ist Bestandteil verschiedener Redewendungen. Abgebildet wird dadurch ein bestimmtes Empfinden und dem Körper wird eine bestimmte Bedeutung zugeschrieben. Dem Körper wird nicht nur Bedeutung zugeschrieben, er ist auch sinnstiftend. Er kann Verwandtschaft ermöglichen, gesellschaftliche Werte inszenieren, aber ebenso Widerstand zum Ausdruck bringen. Der Körper ist allgegenwärtig, aber immer in verschiedenen Erscheinungen. Er wird umsorgt, verbessert, verschönert, geschunden und reproduziert. Er steht zwischen dem Individuum und der Gesellschaft. Die Historikerin Barbara Duden stellte eine Verschiebung der Deutungshoheit über den Körper weg vom Empfinden hin zum Sehen. Was gemessen und so sichtbar gemacht werden kann, hat mehr Bedeutung als das, was eine Person empfindet. Die Science and Technology Studies (STS) warfen Fragen nach der Grenze des Körpers und der Verkörperung von Technik auf. Gehört das Smartphone zum Körper? Die Insulinpumpe? Die Spirale? Nehme ich in einem Training die Smartwatch wahr oder tatsächlich meinen Körper und wie ich mich fühle? Autoethnographische Arbeiten verbinden die eigene Körperwahrnehmung mit gesellschaftlichen Themen – darunter Spitzensport. Dieser bringt hochspezialisierte Körper hervor, viele davon darauf ausgerichtet, Dinge in kürzester Zeit zu vollbringen. Dabei unterliegt der Körper selbst Zeiten – dem Altern oder der Menstruation. Wie die Soziologin Barbara Adam anmerkte, gibt es eine vom Körper bestimmte Zeit. Die Zeit des Körpers kann reguliert werden, etwa im Rahmen reproduktiver Technologien. Im Regulieren und Normieren von Körpern drücken sich auch Machtverhältnisse und wirtschaftliche Interessen aus. Die Themenvielfalt lässt die Frage zu, ob es sinnvoll ist, von einem Körper zu sprechen. Aber auch die Fragen «was ist ein Körper?» oder «was kann ein Körper sein?» gewinnen an Wichtigkeit. Das Ziel dieses BA-Seminars ist eine kritische Auseinandersetzung mit dem Thema «Körperlichkeit». Es wird ein Überblick über vielfältige Themen, darunter Reproduktion, Sport und Zeit, gegeben. Dazu werden theoretische und methodische Ansätze der Sozialanthropologie, aber auch der Geschichte und der Soziologie genutzt. |