Rezeptionsforschung, Medienwirkung, Medienpsychologie

Im Forschungsbereich "Rezeptionsforschung, Medienwirkung, Medienpsychologie" untersucht das Team von Prof. Dr. Andreas Fahr, wie und warum Menschen Medien auswählen, verarbeiten und welche Wirkungen sie haben. Thematische Schwerpunkte sind Unterhaltung und Entertainment-Erleben, Gesundheits- und politische Kommunikation, die mediale Darstellung sozialer Gruppen und Neurodiversität, die Beziehungen von Mediennutzer:innen zu Medienpersonen (Parasozialität) sowie das Zusammenspiel von Mediennutzung und Wohlbefinden im Sinne digitaler Resilienz. Methodisch kommen quantitative und qualitative Verfahren zur Untersuchung von Medienselektion, -rezeption und -wirkung zum Einsatz, ergänzt um psychophysiologische Messungen und Beobachtungsverfahren. Prof. Fahr und sein Team betreuen zudem das DCM Research Lab, in dem Rezeptions- und Wirkungsprozesse experimentell und in Echtzeit erfasst werden. Prof. Dr. Thilo von Pape und sein Team befassen sich mit Nutzungen und Wirkungen von Medien im Kontext wandelnder Kommunikationstechnologien und -praktiken und untersuchen aktuelle Phänomene in den Bereichen der Mobilkommunikation, der sozialen Medien, des Internet of Things, der Virtuellen Realität, der Mensch-Maschine-Kommunikation und des World Wide Web.

Aktuelle Projekte

  • Pathways to Intergroup Interaction Agency: Autismusdarstellungen in Unterhaltungsmedien
    • Projektleitung: Andreas Fahr, Anastasia Schnitzer
    • Laufzeit: 2022-2026

     

    Das Forschungsprojekt untersucht, wie Menschen im Autismus-Spektrum in Unterhaltungsmedien – etwa in Serien, Filmen und Reality-TV-Formaten wie "Atypical" oder "Love on the Spectrum" – dargestellt werden und wie solche Darstellungen gesellschaftliche Wahrnehmungen, Erwartungen und soziale Umgangsweisen mitprägen können. Im Zentrum steht die Frage, unter welchen Bedingungen mediale Darstellungen von Neurodiversität verstanden, als realistisch und hilfreich wahrgenommen werden und welche Bilder sie befördern. Mittels Rezeptions- und Wirkungsstudien wird erhoben, wie Zuschauer:innen autistische Charaktere, ihre Beziehungen und Interaktionen wahrnehmen; ergänzend liefern qualitative Interviews mit Fachpersonen und Caregivern mit regelmässiger Unterstützungserfahrung erfahrungsbasierte Perspektiven. Ziel ist es, Bedingungen für inklusivere und gesellschaftlich verantwortungsvolle Darstellungen von Neurodiversität in Unterhaltungsmedien herauszuarbeiten.

  • Click. Sleep. Repeat.
    • Projektteam: Andreas Fahr, Björn Rasch, Michal Frackowiak, Sandrine Baselgia, Shaila Caspanello
    • Laufzeit: 06/2026 – 12/2028
    • Förderung: Mobiliar Center for Resilience

     

    Das Projekt "Click. Sleep. Repeat." zielt darauf ab, ein fundiertes Verständnis der Rolle von Medienrezeption und -wirkung bei der Stabilisierung eines gesunden Schlaf- und Erholungsverhaltens zu erlangen. Im Gegensatz zu bisherigen, oft defizitorientierten Forschungsansätzen, die primär die Risiken der Digitalisierung (z. B. Schlafstörungen durch Screen-Time) thematisieren, untersuchen wir die Wirkweise von psychologischem Kapital (PsyCap) auf die Medienwahl. In Laborexperimenten messen wir mittels Polysomnographie (PSG) physiologische Reaktionen, um präzise Aufschlüsse über die emotionalen und kognitiven Prozesse während der Mediennutzung in der Einschlafphase und während der Nacht zu erhalten. Dabei berücksichtigen wir insbesondere das Potential adaptiver Nutzungsstrategien, die es resilienten Personen ermöglichen, Medien nicht als Stressor, sondern als Ressource für ihr Wohlbefinden und ihre nächtliche Regeneration zu nutzen. 

  • Smartphone-Verbote an Deutschschweizer Sekundarschulen
    • Projektteam: Andreas Fahr, Shaila Caspanello
    • Laufzeit: 09/2025 – 10/2026
    • Förderung: Stiftung Mercator Schweiz

     

    Dieses Forschungsprojekt untersucht die psychosozialen und schulischen Auswirkungen von Smartphone-Regelungen an Sekundarschulen. In einem Feldexperiment wird analysiert, wie unterschiedliche Grade der Regulierung – von liberalen Ansätzen bis hin zu strikten Verboten – das Wohlbefinden der Lernenden sowie das Schulklima beeinflussen. Die Studie kombiniert quantitative Schülerbefragungen mit qualitativen Interviews, um ein umfassendes Bild des Wohlbefindens, der Konzentrationsfähigkeit und des sozialen Miteinanders zu zeichnen. Das Ziel ist es, empirische Evidenz für künftige bildungspolitische Entscheidungen beizutragen.

  • Parasozialität: Beziehungen zwischen Medienfiguren und RezipientInnen
    • Projektteam: Andreas Fahr et al.
    • Laufzeit: andauernd

     

    Die Projekte untersuchen, wie Zuschauer:innen parasoziale Beziehungen und Interaktionen zu Medienfiguren aufbauen, welche Bindungs- und Beziehungsmuster dabei entstehen und welche Bedeutung diese für Erleben, Wohlbefinden und Anschlusskommunikation haben.

  • Unterhaltungsforschung
    • Projektteam: Andreas Fahr et al.
    • Laufzeit: andauernd

     

    Der Forschungsstrang analysiert, warum und mit welchem Erleben Menschen sich unterhaltsamen Medieninhalten zuwenden – von hedonischem Genuss bis zu eudaimonischen, sinnstiftenden Erfahrungen (z. B. Rührung, Nachdenklichkeit) – und welche Wirkungen daraus resultieren.

  • Rezeptionsprozesse
    • Projektteam: Andreas Fahr et al.
    • Laufzeit: andauernd

     

    Untersucht wird, wie Medieninhalte während der Nutzung verarbeitet werden – etwa durch Aufmerksamkeit, Transportation, narratives Engagement und Identifikation – und wie diese Prozesse Wahrnehmung, Emotion und nachgelagertes Verhalten prägen.

  • Emotionsforschung in der Medienrezeption
    • Projektteam: Andreas Fahr et al.
    • Laufzeit: andauernd

     

    Untersuchung, wie Medieninhalte spezifische Emotionen auslösen, regulieren oder verstärken (Mood Management, Emotionsregulation durch Medien) und welche Folgen dies für Befinden und Verhalten hat.

  • Digitale Mediennutzung und Wohlbefinden
    • Projektteam: Andreas Fahr, Shaila Caspanello
    • Laufzeit: andauernd

     

    Zusammenhänge zwischen (mobiler/sozialer) Mediennutzung, Nutzungsmustern und psychischem Wohlbefinden, inkl. Fragen zu Selbstregulation und problematischer Nutzung.

  • Psychophysiologische Medienrezeptionsforschung
    • Projektteam: Andreas Fahr et al.
    • Laufzeit: andauernd

     

    Mit psychophysiologischen Messverfahren (z. B. Herzrate, elektrodermale Aktivität, EMG, ggf. Eye-Tracking/EEG) werden emotionale und kognitive Reaktionen während der Mediennutzung in Echtzeit erfasst, um Rezeptionsprozesse jenseits reiner Selbstauskünfte valide abzubilden.

Abgeschlossene Projekte

  • News Consumption and Infotainment on Social Media: Effects of entertaining features in digital news stories on exposure, engagement, knowledge and attitudes
    • Projektteam: Dominique Stefanie Wirz
    • Laufzeit: 02/2022 - 01/2026
    • Förderung: Schweizerischer Nationalfonds

     

    Immer mehr Menschen nutzen Nachrichtenangebote auf sozialen Medien. Häufig tun sie das nicht aktiv, sondern sie stolpern über Nachrichten, während sie eigentlich in der Stimmung für Unterhaltung sind. Nachrichtenmedien passen sich dieser Entwicklung an, indem sie spezifische Inhalte für Plattformen wie Tiktok oder Instagram produzieren. Im Rahmen dieses Forschungsprojekts wird untersucht, wie viel Information in Nachrichten auf Tiktok und Instagram vermittelt wird, und mit welchen Unterhaltungselementen die Information kombiniert wird. Mit Befragungen und Experimenten wird zudem erforscht, wie sich verschiedene Unterhaltungsformen auf die Verarbeitung der Information auswirken. Wie sollten Nachrichtenangebote in sozialen Medien gestaltet sein, damit sie ein unterhaltungsorientiertes Publikum ansprechen, aber auch tatsächlich Information vermitteln?

  • Excessive Media Use in Times of Netflix - 'Binge watching': Motives, Experience, and its Effects on Sleep
    • Projektteam: Andreas Fahr, Björn Rasch, Dominique Wirz, Alexander Ort, Debora Castro-Mariño
    • Laufzeit: 12/2018 - 11/2020
    • Förderung: Schweizerischer Nationalfonds
     
    Das Projekt nimmt Bezug auf die zunehmende Digitalisierung der Alltagswelt mit besonderem Blick auf exzessive Mediennutzung. Es untersucht Motive, Erleben und Wirkungen des exzessiven Konsums von Serien. Dazu werden Beobachtungsverfahren, physiologische Messungen und Befragungen entwickelt, kombiniert und validiert. Genauer werden umgesetzt (1) Fokusgruppen zur Definition und Identifizierung von Bedeutung, Motivationen, Nutzungsstilen und Gratifikationen im Zusammenhang mit extensivem TV-Serienkonsum; (2) At-home-Studien zur Erforschung von Zuschauermotivationen, emotionalem Erleben und physiologischen Reaktionen in der natürlichen Umwelt; (3) Laborstudien zur Beobachtung des Stresserlebens über längere Zeiträume des Fernsehkonsums sowie (4) eine Studie zur Untersuchung der Auswirkungen von physiologischer und kognitiver Erregung vor dem Schlafengehen durch exzessiven Serienkonsum auf die Schlafqualität.
  • Analyse des Entstehens und der Folgen von Themenverdrossenheit: Eine longitudinale Multi-Methoden-Studie
    • Projektteam: Julia Metag, Gwendolin Gurr
    • Laufzeit: 2018 bis 2021
    • Förderung: Schweizerischer Nationalfonds (SNF)

     

    Das Projekt untersucht die Ursachen, zeitliche Entwicklung und Folgen von Themenverdrossenheit. Themenverdrossenheit stellt sich im Zeitverlauf ein, in dem in den Medien lang und intensiv über ein Thema berichtet wird. Auch Personen, die sich eigentlich für das Thema interessieren, können im Verlauf der Zeit davon überdrüssig werden. Eine Folge dieser Themenverdrossenheit kann sein, dass sie die Medienberichterstattung über das Thema vermeiden. Das Projekt untersucht Themenverdrossenheit bei Schweizer BürgerInnen anhand von zwei Themen, von welchen eines voraussichtlich der Brexit 2019 sein wird. Dabei werden drei Ziele verfolgt: Erstens wird untersucht, wie stark Themenverdrossenheit in der Schweizer Bevölkerung bei den zu untersuchenden Themen ausgeprägt ist. Zweitens analysieren wir, welche Faktoren dazu führen, dass jemand themenverdrossen wird. Wir überprüfen drittens, welche Wirkungen Themenverdrossenheit auf das weitere Informationsverhalten der BürgerInnen hat. Abschliessend untersuchen wir, ob es Unterschiede bei den verschiedenen Themen gibt.

  • Media, Health Communication, and Well-being in Switzerland
    • Projektteam: Andreas Fahr, Perina Siegenthaler, Alexander Ort, Tanja Aegerter
    • Laufzeit: 05/2017-02/2021
    • Förderung: Schweizerischer Nationalfonds (SNF)

     

    Durch dieses Projekt soll ein besseres Verständnis erlangt werden über die Rolle von (Rezeption und Wirkung von) Medien bei der Entstehung, Veränderung oder Stabilisierung von Gesundheitsverhalten. Wir erweitern bestehende Persuasionsmodelle der Gesundheitskommunikation (welche sich häufig mit sogenannten Furchtappellen beschäftigen) insofern, als dass wir die Wirkung von positiveren Emotionen untersuchen. In Laborexperimenten messen wir physiologische Reaktionen, um Aufschluss zu erhalten über emotionale und kognitive Prozesse während der Rezeption von gesundheitsrelevanten Botschaften. Des weiteren berücksichtigen wir das Potential von narrativen Medienformaten und untersuchen die Rolle von parasozialen Interaktionen mit Mediencharakteren.