In den MedienPublikationsdatum 28.04.2026
Jurastudentinnen gewinnen internationalen Wettbewerb
Ein Team der Universität Freiburg hat Anfang April beim internationalen Vis Moot Court den Werner Melis Award gewonnen. Ausgezeichnet wurde der beste Schriftsatz auf Beklagtenseite. Wie Véra Bykova, Lektorin an der Universität Freiburg und Betreuerin des Teams, auf Anfrage schreibt, gilt der Wettbewerb in der juristischen Welt als eine Art «Olympische Spiele der Jurastudierenden» im Bereich der internationalen Handelsschiedsgerichtsbarkeit.
Mehr als 400 Universitäten aus allen Kontinenten nahmen am diesjährigen Wettbewerb in Wien teil. Insgesamt waren über 2500 Studierende und mehr als 1000 Fachpersonen beteiligt. Die Konkurrenz ist entsprechend gross - regelmässig gehören auch Spitzenuniversitäten wie Harvard oder Cambridge zu den Teilnehmenden.
Sieben Monate Vorbereitung
Der Wettbewerb erstreckt sich über mehrere Monate und verlangt den Teilnehmenden viel ab. Bereits im Herbst beginnt die Vorbereitung: Die Teams bearbeiten einen komplexen, fiktiven Fall aus dem internationalen Wirtschaftsrecht. In diesem Jahr ging es unter anderem um einen Streit über einen millionenschweren Vertrag für seltene Orchideen, deren Import plötzlich
Die Studierenden verfassen dazu zwei umfangreiche Schriftsätze - einen für die Kläger- und einen für die Beklagtenseite. Jeder umfasst rund 100 Seiten und basiert auf intensiver juristischer Recherche und internationaler Rechtsprechung. «Die Studierenden bereiten sich nahezu wie Leistungssportlerinnen vor», schreibt Véra Bykova auf Anfrage. Der Aufwand liege bei biszu 30 Stunden pro Woche - parallel zum Studium. Ab Februar folgt die mündliche Phase:
In zahlreichen Vorbereitungsturnieren im In-und Ausland trainieren die Teams ihre Argumentation. Dabei verteidigen sie ihre Positionen vor Schiedsrichtern, die kritische Fragen stellen und schnelle Reaktionen verlangen.
Junges Team setzt sich durch
Die Nachfrage ist gross: Rund 35 bis 40 Bewerbungen gehen jeweils für nur vier Plätze ein. Durchsetzen konnten sich die vier Freiburger Studentinnen Ambre Riand, Lou-Anne Perruchoud, Julie Bolognini und Sofiya Mikhaylovskaya. Auffällig ist ihr vergleichsweise junges Studienniveau: Die meisten von ihnen befinden sich noch im Bachelor-studium.
Sie setzten sich gegen Teams durch, die häufig aus fortgeschrittenen Masterstudierenden bestanden. Der Erfolgist deshalb besonders bemerkenswert.
Der Gewinn des Werner Melis Award bringt nicht nur internationale Sichtbarkeit, sondern gilt auch als wichtiger Schritt für die berufliche Zukunft. «Der Wettbewerb geht weit über eine rein akademische Leistung hinaus», schreibt Bykova, die das Team seit mehreren Jahren betreut. Gerade in der Schweiz, einem wichtigen Standort der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit, geniesst der Wettbewerb hohes Ansehen. Entsprechend haben mehrere der Freiburger Studentinnen bereits Angebote fur Sommer- und Anwaltspraktika in führenden Kanzleien erhalten, bestätigt Bykova.
Für die Universität Freiburg ist der Erfolg ebenfalls von Bedeutung. Nach einem Preis für den besten Schriftsatz auf Klägerseite im Jahr 2025 konnte das Team nun auch auf Beklagtenseite gewinnen - eine Kombination, die auf diesem Niveau selten ist, wie Bykova erklärt. (cst)
Veröffentlicht in den Freiburger Nachrichten vom 22. April 2026, mit freundlicher Genehmigung
