Umwelt04.11.2026

«Back to Kathmandu» gibt der Bergbevölkerung eine Stimme


44 Jahre nach der Erklärung von Kathmandu untersucht das Wissenschaftskommunikationsprojekt «Back to Kathmandu», das vom Agora-Programm des Schweizerischen Nationalfonds (SNF) unterstützt und von der Universität Freiburg geleitet wird, was der Schutz von Bergregionen angesichts der Klimakrise heute bedeutet. Im Mittelpunkt stehen die Erfahrungen und das Wissen der lokalen Bevölkerung. Ein Dokumentarfilm und eine Wanderausstellung sollen ihre Perspektiven einem breiteren Publikum zugänglich machen.

Die 1982 verabschiedete Erklärung von Kathmandu forderte den Schutz der Bergwelt sowie die Achtung des kulturellen Erbes und der Würde der lokalen Bevölkerung. Mehr als vier Jahrzehnte später sind diese Anliegen angesichts der Klimakrise aktueller denn je. Das Projekt «Back to Kathmandu» greift die damaligen Forderungen auf und bringt die Erfahrungen und das Wissen von Menschen in einen Dialog, deren Leben eng mit den Bergen verbunden ist – in der Schweiz ebenso wie in Nepal.

Welche Veränderungen beobachten die Menschen in ihrer Umgebung? Wie erleben sie ihre Beziehung zur Bergwelt? Und wessen Wissen fliesst in Entscheidungen darüber ein, was geschützt werden soll? Diesen Fragen geht das Projekt nach, indem es die Erfahrungen der lokalen Bevölkerung in den Mittelpunkt stellt und den Austausch zwischen unterschiedlichen Perspektiven fördert.

Begegnungen in Nepals Bergregionen
In Pokhara hat das Projektteam erste Interviews geführt und Forschungsmaterial gesammelt, unter anderem im Internationalen Bergmuseum. Die Gespräche wurden in Kathmandu am Rande der Generalversammlung der Internationalen Union der Alpinismusverbände (UIAA) fortgesetzt. Dort wurde das Projekt am 29. Oktober 2026 vorgestellt. Parallel dazu führte die Feldforschung in der Khumbu-Region bis nach Namche.

Die Begegnungen dokumentieren, wie unterschiedlich Menschen die Bergwelt erleben, und ermöglichen es, die Bedeutung der 1982 formulierten Verpflichtungen aus heutiger Perspektive zu untersuchen.

«Mit der erneuten Auseinandersetzung mit der Erklärung von Kathmandu möchten wir erfahren, wie die Menschen die Berge erleben und was die damaligen Verpflichtungen angesichts der Klimakrise heute bedeuten. Durch Interviews, einen Dokumentarfilm und eine Ausstellung hoffen wir, ihren Stimmen in einer breiteren öffentlichen Diskussion Gehör verschaffen», erklärt Professor Claude Hauser, der das Projekt an der Universität Freiburg leitet.

Das Wissen der lokalen Bevölkerung im Mittelpunkt
Neben den ökologischen Herausforderungen untersucht «Back to Kathmandu» auch die gesellschaftlichen und kulturellen Dimensionen des Schutzes von Bergregionen.

«Die Berge sind nicht nur von natürlicher Schönheit. Sie sind auch geprägt von den Geschichten, dem Wissen und den Lebensweisen der Menschen, die dort leben. Indem wir ihnen zuhören, können wir die Herausforderungen der Klimakrise besser verstehen und erkennen, was wir für künftige Generationen bewahren müssen», betont Nirmala Neupane, Direktorin des Internationalen Bergmuseums.

Dokumentarfilm und Wanderausstellung machen Perspektiven sichtbar
Erste Erfahrungsberichte und Beobachtungen sind bereits in einem Feldtagebuch auf der Projektwebsite veröffentlicht. Weitere Interviews und thematische Beiträge werden die Onlineplattform im Laufe des Projekts ergänzen.

Parallel dazu entsteht ein Dokumentarfilm. Eine Wanderausstellung soll die unterschiedlichen Perspektiven mit Bildern, Tonaufnahmen und Begegnungen mit dem Publikum vermitteln. Ziel ist es, die Diskussion über den Schutz der Bergregionen über die Wissenschaft hinauszutragen und einen breiten gesellschaftlichen Dialog anzuregen.

Interdisziplinäres Projekt mit Unterstützung des Schweizerischen Nationalfonds
Unter der Leitung von Professor Claude Hauser von der Universität Freiburg vereint «Back to Kathmandu» Forschende der Universitäten Freiburg und Lausanne sowie der FernUni Schweiz, Fachpersonen aus Film und Wissenschaftskommunikation und Professor Binod Dawadi von der Tribhuvan-Universität in Nepal.

Unterstützt wird das Projekt durch das Agora-Programm des Schweizerischen Nationalfonds (SNF), das den Dialog zwischen Wissenschaft und Gesellschaft fördert.

Projekt und Feldtagebuch
Mediendossier und weitere Materialien (Bilder: © Johann Roduit)
Projektbeschreibung beim Schweizerischen Nationalfonds (SNF)