Mehrsprachigkeit28.01.2026
So beeinflussen digitale Übersetzungstools den Wortschatz
Digitale Übersetzungshilfen wie Google Translate, DeepL oder LEO gehören heute zum Alltag im Fremdsprachenunterricht. Eine Studie des Instituts für Mehrsprachigkeit zeigt: Online-Wörterbücher unterstützen den Wortschatzaufbau und die formelle Genauigkeit von Texten, haben jedoch kaum Einfluss auf die syntaktische Komplexität.
Das Forschungsprojekt beleuchtet den Einsatz digitaler Medien im Fremdsprachenunterricht aus verschiedenen Perspektiven. Untersucht wurde, wie Lernende und Lehrpersonen an Berufsschulen mit Berufsmaturität digitale Hilfsmittel nutzen und welchen Mehrwert sie darin sehen. Neben einer Befragung wurden drei empirische Studien durchgeführt. Diese analysierten,
– wie digitale Übersetzungstools und Online-Wörterbücher die Qualität fremdsprachlicher Texte beeinflussen,
– welchen Effekt Online-Wörterbücher auf das inzidentelle Wortschatzlernen haben,
– und welchen Einfluss digitale und analoge Lernkarten auf das intentionelle Wortschatzlernen ausüben.
Online-Wörterbücher fördern Wortschatz und Textgenauigkeit
Die Ergebnisse der Studie von Isabelle Udry und Raphael Berthele, Forschende der Universität Freiburg, zeigen ein differenziertes Bild: Online-Wörterbücher fördern das beiläufige Lernen neuer Vokabeln sowie die formelle Genauigkeit fremdsprachlicher Texte deutlich. Die syntaktische Komplexität bleibt hingegen weitgehend unverändert. Beim intentionellen Wortschatzlernen mit Lernkarten spielt das verwendete Medium – digital oder analog – keine entscheidende Rolle.
Übersetzungstools: sinnvoll einsetzen, kritisch reflektieren
Digitale Übersetzungsprogramme können bestimmte sprachliche Aufgaben übernehmen, insbesondere im Bereich der Schriftlichkeit, etwa beim Formulieren oder Überarbeiten von Texten, sowie bei planbarer Kommunikation wie der Vorbereitung von Präsentationen oder Reden. Ihre Grenzen zeigen sich jedoch in der spontanen mündlichen Interaktion und in der Förderung interkultureller Kompetenzen. Zentral ist daher die Fähigkeit, Ergebnisse digitaler Übersetzungstools kritisch zu bewerten und einzuordnen. Dies setzt grundlegendes sprachliches und metasprachliches Wissen voraus. Die Forschenden plädieren dafür, digitale Übersetzungstools gezielt in den Unterricht zu integrieren und dafür passende didaktische Konzepte zu entwickeln.
Praxisnahes Handout für Lehrpersonen
Ein ergänzendes Handout unterstützt Lehrpersonen konkret beim Wortschatzaufbau der Lernenden. Es beantwortet unter anderem Fragen dazu, wie viele Wörter pro Unterrichtsstunde sinnvoll sind, wie Wortschatz gespeichert und abgerufen wird und wie neues Vokabular nachhaltig vermittelt werden kann. Das Handout ist derzeit für Englisch als Fremdsprache verfügbar. Entsprechende Versionen für den deutsch- und französischsprachigen Unterricht sind in Vorbereitung.
Das Institut für Mehrsprachigkeit ist ein unabhängiges Forschungsinstitut der Universität Freiburg. Forschende aus Linguistik, Psycholinguistik, Soziolinguistik und Sprachlehr- und Sprachlernforschung betreiben Grundlagen- und angewandte Forschung zur Mehrsprachigkeit in Gesellschaft, Schule, Arbeitswelt und Politik und arbeiten eng mit nationalen und internationalen Partnern zusammen.
Die Studie und das Handout wurden im Rahmen des Forschungsprogramms 2021-2024 des Wissenschaftlichen Kompetenzzentrums für Mehrsprachigkeit erstellt. Sie wurden finanziert vom Bundesamt für Kultur.
Zur Studie
Forschungsbericht
Handout für Lehrpersonen (auf Englisch)
Projektwebseite
