Proseminar: Die Kunst des Gedächtnisses: Proust, Zweig, Nabokov, Kundera, Stepanova (ars, pmc)

  • Unterricht

    Details

    Fakultät Philosophische Fakultät
    Bereich Philosophie
    Code UE-L01.02890
    Sprachen Deutsch
    Art der Unterrichtseinheit Proseminar
    Kursus Bachelor
    Semester FS-2027

    Zeitplan und Räume

    Vorlesungszeiten Mittwoch 13:15 - 15:00, Wöchentlich, MIS 04, Raum 4118 (Frühlingssemester)

    Unterricht

    Verantwortliche
    • Flack Patrick
    Dozenten_innen
    • Flack Patrick
    Beschreibung

    Die griechische Mythologie liefert in Hesiods Theogonie eines der stärksten Bilder des Gedächtnisses: Mnemosyne, eine Titanin, Tochter von Himmel und Erde, Schwester des Kronos (Zeit) und der Themis (Gesetz), Mutter der neun Musen. Als Titanin gehört Mnemosyne also der ältesten, kosmogonischen Schicht an — das Gedächtnis ist hier nicht eine seelische Fähigkeit, die innerhalb einer schon gegebenen Zeit arbeitet, sondern eine Macht, die mit der Zeit selbst gleichursprünglich ist. Darum gründet Mnemosyne ein Doppeltes: das Dichterische der Erinnerung — dass Vergangenes überhaupt erzählbar wird — und ihr Historisches — dass es eine Vergangenheit gibt, die Anspruch erhebt und der Rede zugänglich ist. Vor jeder Trennung von treuem Bewahren und schöpferischem Erfinden, von Zeugnis und Erdichtung, benennt sie deren gemeinsamen Ursprung.

    Von dieser Figur ausgehend liest das Proseminar fünf Werke der Moderne als ebenso viele Erprobungen ihrer Doppelnatur. Bei Proust kehrt die Vergangenheit unwillkürlich im sinnlichen Detail wieder: das Ich als Archiv, das sich selbst erst im Erinnern hervorbringt. Nabokov (Erinnerung, sprich) verwandelt diese Wiederkehr in eine bewusste Kunst der Selbstvergegenwärtigung — Erinnerung als ästhetische Komposition gegen die Zeit. Mit Zweig (Die Welt von Gestern) verschiebt sich der Einsatz vom Privaten ins Kollektive: erinnert wird eine versunkene Welt, deren Untergang die Erinnerung zur Zeugenschaft macht. Kundera macht diese Spannung explizit politisch — Erinnern als Widerstand gegen das organisierte Vergessen. Stepanova schließlich (Nach dem Gedächtnis) legt beide Register ineinander: Familienarchiv und Jahrhundertkatastrophe, das Unvermögen, die Toten zu erzählen, ohne sie zu erfinden. Die leitende Frage kehrt dabei stets zu ihrem mythischen Grund zurück: Ist das Gedächtnis ein Vermögen, das eine wirkliche Vergangenheit bewahrt, oder ein Verfahren, das sie allererst hervorbringt — und lässt sich überhaupt erinnern, ohne zugleich zu dichten?

    Soft Skills Nein
    Ist online möglich Nein
    ausserhalb des Bereichs Ja
    BeNeFri Ja
    Mobilität Ja
    UniPop Nein
  • Einzeltermine und Räume
    Datum Zeit Art der Unterrichtseinheit Ort
    24.02.2027 13:15 - 15:00 Kurs MIS 04, Raum 4118
    03.03.2027 13:15 - 15:00 Kurs MIS 04, Raum 4118
    10.03.2027 13:15 - 15:00 Kurs MIS 04, Raum 4118
    17.03.2027 13:15 - 15:00 Kurs MIS 04, Raum 4118
    24.03.2027 13:15 - 15:00 Kurs MIS 04, Raum 4118
    07.04.2027 13:15 - 15:00 Kurs MIS 04, Raum 4118
    14.04.2027 13:15 - 15:00 Kurs MIS 04, Raum 4118
    21.04.2027 13:15 - 15:00 Kurs MIS 04, Raum 4118
    28.04.2027 13:15 - 15:00 Kurs MIS 04, Raum 4118
    05.05.2027 13:15 - 15:00 Kurs MIS 04, Raum 4118
    12.05.2027 13:15 - 15:00 Kurs MIS 04, Raum 4118
    19.05.2027 13:15 - 15:00 Kurs MIS 04, Raum 4118
    26.05.2027 13:15 - 15:00 Kurs MIS 04, Raum 4118
    02.06.2027 13:15 - 15:00 Kurs MIS 04, Raum 4118
  • Leistungskontrolle

    Seminar - Ausserhalb der Prüfungssession

    Bewertungsmodus Nach Note, Nach bestanden/nicht bestanden
    Beschreibung

    Die aktive Teilnahme (3 ECTS) bedingt regelmässige Anwesenheit, Vorbereitung jeder Sitzung, rege Teilnahme an der Diskussion und mindestens eine mündliche Präsentation oder eventuell einen schriftlichen Beitrag.

    Die schriftliche Arbeit (3 ECTS) besteht entweder aus einem einzelnen Text von ungefähr zehn A4-Seiten, oder aus mehreren kleinen Arbeiten. Die schriftlichen Arbeiten  müssen gemäss den Vorgaben der einzelnen Lehrpersonen aber spätestens zwei Semester nach dem Proseminar, abgegeben werden. Eine schriftliche Proseminararbeit kann nur bei ungenügenden Noten maximal einmal überarbeitet werden. 

  • Zuordnung
    Zählt für die folgenden Studienpläne:
    Slavistik 120
    Version: SA15_BA_slav_V01
    Wahlmodul > Moudul 4: Osteuropäische Philosophie/Kulturphilosophie

    Slavistik 120
    Version: SA15_BA_slav_V02
    Wahlmodul > Moudul 4: Osteuropäische Philosophie/Kulturphilosophie

    Slavistik 120
    Version: SA24_BA_slav_v01
    Wahlmodul: wissenschaftliches Modul > MODUL 4A: Ideengeschichte Mittel- und Osteuropas

    Slavistik 60
    Version: SA24_BA_slav_v01
    Wahlmodul: wissenschaftliches Modul > MODUL 3A: Ideengeschichte Mittel- und Osteuropas