Bildung15.10.2026

Bildungssysteme in Europa gerechter gestalten


Wie lassen sich Bildungsungleichheiten wirksam bekämpfen? Das neue EU-Forschungsprojekt TRANSFER unter der Koordination der Universität Freiburg untersucht, wie bildungspolitische Massnahmen besser evaluiert und wissenschaftliche Erkenntnisse stärker in politische Entscheidungen eingebunden werden können.

Bildungserfolg hängt in Europa nach wie vor stark von der sozialen Herkunft und weiteren gesellschaftlichen Faktoren ab. Trotz zahlreicher bildungspolitischer Massnahmen bestehen erhebliche Ungleichheiten. Gleichzeitig wird deren Wirksamkeit oft nur unzureichend überprüft, und wissenschaftliche Erkenntnisse fliessen zu wenig in politische Entscheidungen und die Bildungspraxis ein.

Hier setzt das Forschungsprojekt TRANSFER an. Unter der Koordination der Universität Freiburg entwickelt ein internationales Forschungsteam neue Ansätze zur Evaluation bildungspolitischer Massnahmen und stärkt den Austausch zwischen Wissenschaft, Politik und Praxis.

Bildungspolitik umfassender evaluieren
TRANSFER untersucht den gesamten politischen Prozess: von der Entwicklung einer Massnahme über ihre Umsetzung bis zu ihren beabsichtigten und unbeabsichtigten Auswirkungen.

«Wir wollen besser verstehen, wie bildungspolitische Massnahmen in unterschiedlichen Kontexten und für verschiedene Bevölkerungsgruppen wirken. Eine systematischere Evaluation soll uns helfen, wirksame Ansätze zum Abbau von Bildungsungleichheiten zu identifizieren», erklärt Andreas Hadjar, Professor für Soziologie, Sozialpolitik und Sozialforschung an der Universität Freiburg und Koordinator des Projekts.

Untersucht werden Bildungsprogramme und politische Massnahmen in Finnland, Deutschland, Irland, Litauen, Norwegen, der Schweiz, Spanien und Ungarn. Eine gemeinsame Methodik ermöglicht länderübergreifende Vergleiche. Im Fokus stehen Ungleichheiten aufgrund von sozialer Herkunft, Migration, Geschlecht und Behinderungen.

Wissenschaft und Praxis stärker vernetzen
TRANSFER untersucht zudem, wie Forschungsergebnisse besser in politische Entscheidungen und den Bildungsalltag einfliessen können. Dabei werden auch die Erfahrungen von Entscheidungsträger_innen, Bildungsfachpersonen und Lernenden berücksichtigt.

«Wissenstransfer muss keine Einbahnstrasse von der Wissenschaft in die Politik und Praxis sein», betont Hadjar. «Vielmehr erscheint ein kontinuierlicher Austausch als sinnvoll und effektiv, bei dem wissenschaftliche Erkenntnisse und praktische Erfahrungen gleichermassen eine Rolle spielen.»

Aus dem Projekt sollen konkrete Instrumente hervorgehen, darunter methodische Leitlinien, politische Handlungsempfehlungen, eine interaktive Wissensplattform und ein KI-gestütztes Simulationsinstrument. Damit will TRANSFER zu einer wissenschaftlich fundierten Bildungspolitik und gerechteren Bildungssystemen in Europa beitragen.

Europäisches Forschungsprojekt unter Freiburger Leitung
TRANSFER wird von der Universität Freiburg unter der Koordination von Prof. Andreas Hadjar geleitet. Das Konsortium umfasst 13 Partnerinstitutionen aus acht europäischen Ländern. Das Projekt wird im Rahmen von Horizon Europe während drei Jahren mit rund 3,5 Millionen Euro von der EU gefördert.

LinkedIn: https://www.linkedin.com/showcase/transfer-eu-project