Aurélien Brunny
Masterstudent für den Unterricht auf der Sekundarstufe 1.
Das Wort «Nachhaltigkeit» begegnet uns im Alltag ständig. Doch was bedeutet das konkret?
Genau hier setzt die Mikrozertifizierung in «Sustainability in practice» an, die seit 2025 in Zusammenarbeit mit der Hochschule für Technik und Architektur Freiburg, HEIA-FR, angeboten wird. Studierende erhalten die Möglichkeit, Nachhaltigkeit nicht nur theoretisch zu verstehen, sondern aktiv zu erleben und mitzugestalten.
Im Herbstsemester geht es um die Grundlagen: Zentrale Konzepte werden kennengelernt, diskutiert und kritisch hinterfraget. Zudem werden Podcasts zu spezifischen Themen erarbeitet und einer breiteren Öffentlichkeit vermittelt. Im Frühlingssemester wird es konkreter: Gemeinsam mit Partner_innen sowie Mitarbeitenden der Universität und der HEIA-FR arbeiten die Teilnehmenden an realen Herausforderungen und entwickeln konkrete Lösungsansätze. Dabei werden sie von Expert_innen begleitet und unterstützt. Das Ziel? Eigene Ideen umsetzen, neue Perspektiven gewinnen und lernen, wie nachhaltige Veränderung tatsächlich entstehen kann.
Wie sieht das konkret aus? Dafür haben wir mit drei Teilnehmenden des aktuellen Jahrgangs gesprochen.
Masterstudent für den Unterricht auf der Sekundarstufe 1.
Bachelorstudentin in Geschichte und Anthropologie.
Bachelorstudentin in klassischer Philologie und Französisch.
Aurélien: Meine Masterbetreuerin hat mir vorgeschlagen, die Mikrozertifizierung zu besuchen, da sich meine Masterarbeit mit Biodiversität und Permakultur befasst. Die Zertifizierung bot eine gute Grundlage. Zusätzlich bin ich im Bildungsbereich tätig, wo Lehre und Nachhaltigkeit miteinander verbunden werden.
Zoé: Nachhaltigkeit ist für mich ein wichtiges Thema. Es ist unerlässlich, sich damit auseinanderzusetzen und aktiv zu werden. Zudem bietet das Programm konkrete Unterstützung. An der Universität ist vieles theoretisch und hier sammeln wir praktische Erfahrungen. Ich möchte den kommenden Generationen und dem Planeten helfen. Man muss aktiv für die Zukunft eintreten, und hier lernt man die wichtigsten Grundlagen.
Angeline: Ich habe mich für das Programm entschieden, weil mich nachhaltige Entwicklung interessiert. Ich fand, dass es eine hervorragende Gelegenheit war, einen Kurs zum Thema zu belegen und im universitären Rahmen mehr darüber zu lernen – mit verlässlichen, fundierten und belegten Informationen. Es handelt sich nicht um eine Webseite, deren Quellen man nicht kennt.
Nachhaltigkeit basiert auf ökologischen, sozialen und wirtschaftlichen Dimensionen. Als Vegetarierin interessiert mich vor allem der ökologische Aspekt.
Der Kurs war interessant, um Nachhaltigkeit anzugehen und meinen Horizont sowie mein Wissen zu erweitern. Ausserdem erhält man ein Zertifikat, was bei ähnlichen Kursen nicht der Fall ist.
Aurélien: Nachhaltigkeit betrifft nicht nur die Umwelt oder Natur sondern hat auch Auswirkungen auf den sozialen Sektor.
Zoé: Es ging vor allem um den praktischen Aspekt: Die Projekte waren komplex und enthielten interessante Ideen. Nachhaltigkeit ist ein grosses Wort, das mit dem Alltag verbunden ist, aber es gibt verschiedene Handlungsmöglichkeiten oder unterschiedliche Blickwinkel auf Nachhaltigkeit, deren man sich nicht immer bewusst ist.
Angeline: Nachhaltigkeit ist etwas viel globaleres und betrifft alles viel mehr, als ich gedacht hatte. Ich hatte vor allem den ökologischen Aspekt im Kopf, aber tatsächlich spielt sie in den meisten Bereichen unseres Lebens eine Rolle. Jetzt bin ich mir dessen bewusster und habe die Augen dafür, dies zu erkennen.
Die Gruppe von Aurélien sollte eine Lösung für die Hitzeinsel zwischen PER 21 und der HEIA-FR vorschlagen.
Angeline und Zoé’s Projekt befasste sich mit der Frage: Wie lässt sich Nachhaltigkeit auf positive, einfache und spielerische Weise vermitteln?
Aurélien: Die Idee ist es, eine Grünzone zwischen Pérolles 21 und der Hochschule für Technik und Architektur zu schaffen, um die bestehende Hitzeinsel zu bekämpfen. Das wird der Gesundheit und dem Wohlbefinden der Menschen zugutekommen, die diesen Platz nutzen.
Wir sind von dem ausgegangen, was wir im Unterricht gelernt haben, und hatten einen Experten für Design Thinking zur Verfügung. Zunächst mussten wir uns eine Lösung überlegen, die sinnvoll erschien, und uns fragen: «Funktioniert das oder nicht?». Es lief also so ab: Wir hatten eine Idee, haben sie ausprobiert, prüften, ob sie sinnvoll war, und wenn nicht, fingen wir erneut von vorne an.
Zoé: Wir haben eine Kunstausstellung gestaltet, um eine positive Kommunikation zum Thema Nachhaltigkeit zu erreichen. Unsere Frage lautete: Wie können wir kommunizieren, damit die Menschen Lust bekommen, aktiv zu werden? Deshalb haben wir uns für Kunst als Mittel entschieden.
Die Ausstellung hätte eine Mischung aus Kunst und Alltag gezeigt. Für die Umsetzung dieses Projekts werden jedoch Partner benötigt, die künstlerische oder finanzielle Unterstützung leisten.
Angeline: Oft wird die Kommunikation zum Thema Nachhaltigkeit als belehrend und negativ empfunden. Die Idee war gerade, einen positiveren Aspekt einzubringen und das Thema auf spielerische Weise zu vermitteln.
Unser Projekt bestand darin, gemeinsam mit Künstler_innen Mini-Ausstellungen an der Universität zu gestalten, um das Thema auf eine positivere Ebene zu heben.
Aurélien: Die grösste Herausforderung bestand vor allem darin, bei einem Projekt wie dem unseren, die verantwortlichen Personen zu kontaktieren, die direkt oder indirekt von dem Projekt betroffen waren.
Zoé: Leider konnten wir keine Partner überzeugen, die für die Weiterentwicklung und Umsetzung unseres Projekts notwendig gewesen wären. Für uns war es auch schwierig, motivierte Personen zu finden, die das Projekt bis zum Ende durchziehen würden. Daher wird es leider nicht fertiggestellt werden.
Angeline:Die grösste Herausforderung war für mich persönlicher Natur: Am Ende des Frühlingssemesters musste ich die Prüfungen bewältigen und das Projektes für die Mikrozertifizierung abschliessen.
Was das Projekt an sich betrifft, bestand die Herausforderung darin, von einer abstrakten Idee zu etwas Konkretem zu gelangen. Kommunikation ist weites Feld, daher war es nicht einfach eine Idee zu finden.
Aurélien: Als wir das Projekt ursprünglich konzipiert haben, dachte ich, es liesse sich übertragen. Doch nach reiflicher Überlegung und nachdem ich wissenschaftliche Artikel sowie die Klimapläne der Kantone gelesen hatte, wurde mir klar, dass jede Region ihre Besonderheiten hat. Daher wird es je nach Standort zwangsläufig unterschiedliche Vorgehensweisen und Ansätze geben. Man kann ein solches Projekt nicht einfach ohne Anpassungen an einen anderen Ort übertragen.
Zoé: Es ist möglich, das Konzept auf andere Themenbereiche zu übertragen. Man kann in anderen Regionen Ausstellungen organisieren, die Kunst und Spiel miteinander verbinden. Viele Museen tun dies bereits. Kunst ist ein gutes Mittel, um Wissen zu vermitteln und für ein neues Thema zu sensibilisieren.
Kommentar der Redaktion: Seit dem Gespräch hat sich die Umsetzung des Projekts weiterentwickelt: In diesem Jahr wird eine Gruppe die Durchführung des Projekts übernehmen. Wir freuen uns sehr, dass das Projekt weitergeführt wird, und sind gespannt darauf, die daraus entstehende Ausstellung im kommenden Jahr besuchen zu können.
Angeline: Kunst spricht jeden an, je nach der Sensibilität des Einzelnen. Sie ist eine Möglichkeit, die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, und dank dieser künstlerischen Dimension lässt sie sich an jedes Publikum anpassen.
Aurélien: Was den Kursplan angeht, war es tatsächlich die gesamte Projektarbeit. Im ersten Semester konnten wir Podcasts erstellen, und im zweiten Semester konnten wir uns dann wirklich einem Projekt widmen, für das wir selbst die Verantwortung übernahmen.
Zoé: Im ersten Semester war es der Podcast und all die Erläuterungen, die wir dazu erhielten. Der Schwerpunkt lag eher auf der Theorie: verschiedene Aspekte, Gesellschaft, Ziele der Nachhaltigkeit. Das war wirklich interessant und wichtig.
Im zweiten Semester konnten wir das konkrete Projekt umsetzen. Wir erhielten viele Erklärungen und konnten Nachhaltigkeit besser verstehen, sowohl konkret als auch ganzheitlich.
Angeline: Zwei Dinge haben mir besonders gut gefallen: die Erstellung einer Podcast-Folge im ersten Semester und all die theoretischen Vorlesungen, in denen wir genau die Grundlagen gelernt haben. Da Menschen aus verschiedenen Fachrichtungen dabei waren, waren die Diskussionen wirklich interessant.
Aurélien: Die Zertifikation liegt voll im Trend, denn Nachhaltigkeit ist ein Thema, das in allen Berufen berücksichtigt werden muss. Überall wird nachhaltig gedacht. Es gibt einen Mehrwert, ein echtes Interesse. Ich glaube nicht, dass es auch nur einen einzigen Beruf gibt, in dem man sagt: «Ach nein, Nachhaltigkeit bringt uns doch nichts.»
Zoé: Es ist vor allem eine gute Ergänzung, aber das hängt auch vom jeweiligen Beruf ab, den man ausüben möchte.
Angeline: Die Welt interessiert sich immer mehr für Nachhaltigkeit, daher glaube ich, dass es ein Vorteil ist. Ausserdem habe ich ein persönliches Interesse daran.
Aurélien: Ich würde sagen: eigentlich jedem, aber vor allem diejenigen, die sich nicht unbedingt mit Nachhaltigkeit betroffen fühlen.
Zoé: Allen, die sich für Nachhaltigkeit interessieren, aber auch denen, die gerne etwas Praktisches und Handfestes tun, jenseits der Theorie..
Angeline: An alle, die neugierig sind, mehr über das Thema zu erfahren, egal ob sie skeptisch sind oder nicht. Ich bin mir sicher, dass jeder etwas dabei lernt – es sei denn, die Person studiert gerade dieses Fach.
Sustainability in practice verbindet Theorie mit Praxis und verwandelt Ideen in echte Wirkung. Hier werden praxisorientiert Lösungen für reale Herausforderungen entwickelt, wobei wertvolle Erfahrungen in den Bereichen Projektarbeit, Teamkoordination und interdisziplinärem Denken gesammelt werden. Man kann sich auf Expert_innen verlassen, die «sehr motiviert und aufmerksam» sind und «mit denen die Zusammenarbeit Spass macht».
Lust, selbst was zu bewegen? Die Kurse finden jeweils montags von 17:15 bis 19:00 Uhr statt, ergänzt durch zwei Workshops an Samstagen und eine Abschlusspräsentation aller Projekte am Semesterende. Teilnehmen können alle Studierenden der Universität Freiburg und der HEIA-FR.
Hast du bereits das Qualit+ Programm «Nachhaltigkeit für Nicht-Wissenschaftler» oder das Seminar «Brennpunkte nachhaltiger Entwicklung I» besucht? Dann kannst du direkt im Frühlingssemester einsteigen und die Mikrozertifizierung ohne erwerben.
Anmeldung: Bis am 30. September via Online-Formular
Achtung: Es gibt begrenzte Plätze. Die Kurse fangen am Samstag, 10. Oktober 2026 um 09:30 Uhr.
Kontakt: sustainability-in-practice@unifr.ch oder an aurianne.stroude@unifr.ch
Vorhergesehener Stundenplan für die Mikrozertifizierung (Termine werden im September 2026 veröffentlicht):
Kontaktperson Unifr: Aurianne Stroude
Kontaktperson HEIA-FR: Sofia Marazzi