Ein Departement stellt sich vor

Das Departement für Geschichte

Mit durchschnittlich rund 500 Studierenden pro Jahr und etwa zwanzig wissenschaftlichen und administrativen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern ist das Departement für Geschichte eine der grössten Lehr- und Forschungseinheiten der Philosophischen Fakultät. Es ist bestrebt, einen analytischen und kritischen Diskurs über die Funktionsweise menschlicher Gesellschaften zu führen, von den Zivilisationen des antiken Mittelmeerraums bis zur Gegenwart.

Studienangebot: 4000 Jahre Menschheitsgeschichte auf vier Kontinenten

In enger Zusammenarbeit mit dem Departement für Zeitgeschichte bietet das Departement für Geschichte ein Studium an, das die vier grossen Epochen abdeckt, die an europäischen Universitäten üblicherweise behandelt werden: die Antike (die griechische und römische Zivilisation sowie alle Kulturen, mit denen sie in Kontakt standen), das Mittelalter (das Jahrtausend von etwa 500 bis 1500), die Frühe Neuzeit (von der Renaissance bis zur Amerikanischen und Französischen Revolution) und die Zeitgeschichte (vom Beginn des 19. Jahrhunderts bis heute). Für die Zwecke der Lehre umfasst das Departement somit mehr als 4000 Jahre Geschichte menschlicher Gesellschaften auf vier Kontinenten, vom Beginn der Bronzezeit um 2000 v. Chr. bis hin zu unseren heutigen Gesellschaften zu Beginn des 21. Jahrhunderts. Der Schwerpunkt liegt nicht ausschliesslich auf der europäischen Geschichte, sondern je nach Themen und Epochen umfasst das Studium auch die Geschichte des Nahen und Mittleren Ostens, Nordafrikas, Nord- und Lateinamerikas, Zentralasiens und des indischen Subkontinents sowie des Fernen Ostens.

Neben den allgemeinen und themenbezogenen Lehrveranstaltungen, die den Studierenden einen Überblick über jede dieser Epochen vermitteln, ermöglicht ihnen eine ganze Reihe spezialisierter Lehrangebote – in Form von Vorlesungen, Seminaren, Studienreisen und Praktika –, sich mit den methodischen und konzeptionellen Werkzeugen der Geschichtswissenschaft vertraut zu machen. Dadurch erwerben die Studierenden die Kompetenzen, um das Rohmaterial des historischen Wissens, also die Quellen, unabhängig von ihrem Träger und ihrer Art (Texte, Bilder, Objekte, Münzen, Überreste usw.) zu untersuchen.

Neben dem Unterricht auf Französisch und Deutsch legt das Departement grossen Wert auf die Integration italienischsprachiger Studierender, und bestimmte Lehrveranstaltungen werden auch auf Englisch gehalten. Bedauerlicherweise besteht jedoch die Gefahr, dass die dem Departement zur Verfügung stehenden Mittel infolge der vom Rektorat getroffenen Massnahmen gekürzt werden, insbesondere im Hinblick auf Stellen von Dozierenden. Dies würde das Departement zwingen, dieses Angebot in naher Zukunft zu revidieren.

Die Forschung: Für eine Soziologie der Vergangenheit

Für Historikerinnen und Historiker ist jedes menschliche Handeln in dessen sozialen und kulturellen Kontext potenzieller Forschungsgegenstand. Auch wenn es nicht unbedingt das Ziel der Geschichte ist, die Gegenwart zu beleuchten und schon gar nicht, die Zukunft vorherzusagen – da es sich nicht um eine Wissenschaft handelt, die unveränderlichen und reproduzierbaren Gesetzen folgt –, kann dennoch jede Frage, die man sich über die heutige Gesellschaft stellen könnte, auch für Gesellschaften früherer Epochen relevant sein. Dies erklärt, warum das Forschungsfeld der Geschichtswissenschaft unendlich ist. Diese Vielfalt spiegelt sich in den Forschungsschwerpunkten der Mitglieder des Departements wider: Institutionsgeschichte, Geschichte politischer Praktiken und Mentalitäten, Sozialgeschichte, Kulturgeschichte, Ernährungsgeschichte, Umweltgeschichte – all dies sind Aspekte und Ansätze, die in ihren jüngsten Publikationen behandelt werden.

Das Departement bildet sogar ein Kompetenzzentrum für mehrere Fachgebiete, in denen seine Mitglieder internationale Anerkennung erhalten haben: Edition und Veröffentlichung literarischer Quellen, Münzen und Inschriften, Geschichte der Eliten und ihrer Darstellungen, Geschichte der griechischen Demokratiepraktiken und der Verwaltung des Römischen Reiches, Geschichte der frühen christlichen Gemeinschaften in der Antike; Diplomatie, europäische Stadtgeschichte, Geschichte des Körpers und kultureller Darstellungen, Geschichte des Heiligen Römischen Reiches im Mittelalter; Stadtgeschichte, Schweizer Geschichte, Geschichte der internationalen Beziehungen und der Migration in Europa, Geschichte der spanischen Eroberung Amerikas, Geschichte des Körpers und der Wissenschaftskultur in der Frühen Neuzeit. Zahlreiche der laufenden Forschungsprojekte werden zudem durch nationale (insbesondere durch den Schweizerischen Nationalfonds) und internationale Fördermittel unterstützt.

Die Herausforderung der menschlichen Intelligenz

So wie die Geschichtswissenschaft von den neuesten Konzepten der Sozialwissenschaften profitiert, um ihre Fragestellungen zu erneuern, nutzt das Departement seit vielen Jahren das Potenzial der digitalen Technologien in den Geisteswissenschaften. Neben theoretischem Unterricht und praktischen Arbeiten in diesem Bereich werden digitale Werkzeuge und Applikationen der künstlichen Intelligenz von den Mitgliedern des Departements häufig genutzt, um grosse Datensätze zu verarbeiten und zu ordnen oder sogar zu ihrer Entschlüsselung beizutragen –insbesondere bei der Untersuchung von Manuskripten, Münzen und Inschriften auf verschiedenen Trägern. Die Geschichtswissenschaft lässt sich jedoch nicht auf eine Summe von Wissen reduzieren, das kodiert werden kann, sondern es geht hier darum, originelles Wissen zu schaffen. Dafür wird die menschliche Intelligenz das wichtigste Werkzeug bleiben, das Historikerinnen und Historikern zur Verfügung steht.

Der Erwerb eines umfassenden Allgemeinwissens, die Schärfung des kritischen Blicks und das Erlernen schriftlicher und mündlicher Eloquenz sind somit die drei Säulen der historischen Ausbildung. In einer Zeit, in der die Begriffe Information und wissenschaftliche Autorität durch die ständige Flut undifferenzierter Daten in Frage gestellt werden und unsere demokratischen Gesellschaften durch technokratische und autoritäre Auswüchse bedroht sind, bietet das Geschichtsstudium den Studierenden – unabhängig davon, welchen Beruf sie später anstreben – das notwendige intellektuelle Rüstzeug, um objektiv zu urteilen und das Gemeinwohl wieder in den Mittelpunkt der zeitgenössischen Debatte zu rücken.

Perspektive: Historisches Bewusstsein an der Universität und in der Öffentlichkeit

Als eine Geisteswissenschaft par excellence pflegt das Departement für Geschichte in der Forschung enge Beziehungen zu zahlreichen benachbarten Disziplinen, insbesondere zu den Bereichen der antiken, mittelalterlichen und modernen Sprachen und Literaturen, der Kunstgeschichte und Archäologie, der Philosophie, der Soziologie und der Politikwissenschaften. All dies sind Partnerschaften, die das Departement für Geschichte mit den entsprechenden Departementen verbinden, etwa innerhalb des Instituts für Antike und Byzanz, des Mediävistischen Instituts und des Freiburger Institut zur Erforschung der Renaissance und der Frühen Neuzeit. Hinzu kommen zahlreiche Austauschbeziehungen mit anderen Disziplinen der Fakultäten für Rechtswissenschaften, Theologie sowie Natur- und Medizinwissenschaften, mit anderen Schweizer Universitäten sowie mit ausländischen Institutionen in Europa, Nord- und Lateinamerika, Afrika, Japan und Australien. Das Departement legt zudem grossen Wert auf die Wissensvermittlung über den rein akademischen Bereich hinaus sowie auf den Dialog mit der Gesellschaft.

Gemeinsam mit der Fachschaft Historia arbeiten die Mitglieder regelmässig mit Museen, Archiven, archäologischen Diensten, Schulen und Hochschulen zusammen – sowohl in Freiburg als auch in der ganzen Schweiz und im Ausland – und beteiligen sich häufig an Initiativen, die darauf abzielen, Diskussionen und Debatten in der breiten Öffentlichkeit anzuregen. Neben der Organisation öffentlicher Vorträge und Medienauftritten hat das Departement in diesem Jahr erstmals am Festival «Histoire et Cité» teilgenommen, dessen Ziel es ist, das Interesse der breiten Öffentlichkeit an den Geschichtswissenschaften zu wecken, und unterhält eine zweimonatliche Rubrik in den Freiburger Nachrichten (siehe unten). Historisches Bewusstsein ist keineswegs ein Wissen, das man eifersüchtig hüten müsste; vielmehr hat es die Aufgabe, sich zu verbreiten, indem es als Spiegel unserer heutigen Gesellschaft dient. Es ist eine der Aufgaben des Departements für Geschichte, diese Rolle als Vermittler in Freiburg und darüber hinaus aktiv wahrzunehmen.


Clio, dargestellt auf dem Medaillon eines Mosaiks, das eine um 240 n. Chr. in Vichten, Luxemburg, entdeckte römische Villa schmückt. Nationalmuseum für Geschichte und Kunst, Luxemburg.

Quelle: Wikimedia Commons

Serie «Zeitsprung» in den Freiburger Nachrichten

Anfang Februar 2026 startete eine neue Serie in den Freiburger Nachrichten, in der Historikerinnen und Historiker der Departemente Geschichte und Zeitgeschichte aktuelle Themen in historischer Tiefe beleuchten, von der Antike über das Mittelalter bis ins 21. Jahrhundert. Die Serie widmet sich in den ersten drei Staffeln (Laufzeit Februar bis Juli 2026) nacheinander der Demokratie, dem Klima und dem Sport: alle zwei Wochen erscheint montags auf der letzten Seite der Zeitung ein ausführlicher Artikel, der auf fachlicher Expertise ruht und zugleich für ein breites Freiburger Lesepublikum geschrieben ist. Ziel ist es, historisches Wissen verständlich zu vermitteln und Forschung aus dem Elfenbeinturm zu holen. Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler ordnen aktuelle Debatten historisch ein, zeigen Entwicklungslinien auf und laden dazu ein, scheinbar moderne Fragen eingebettet in ihre Geschichte zu betrachten.


Bisher erschienen sind:

Staffel Demokratie – damals und heute

«Wenn Räte kürzen …» (9.2.26, Thomas Lau)

«Politikverdrossenheit in der antiken Demokratie?» (23.2.26, Tanja Itgenshorst)

«Schwurrituale und Freiheiten der Bürger im Mittelalter» (9.3.26, Olivier Richard)

«Wie Demokratien retten?» (23.3.26, Siegfried Weichlein)

«Wie KI Demokratien gefährdet» (13.4.26, Vitus Huber und Bastian Grossenbacher)

Staffel Klima – damals und heute

«Wie die Menschen im Mittelalter sich an das Klima angepasst haben» (20.4.26, Olivier Richard)

«Antike Klimatheorien und ihr langer Schatten» (4.5.26, Tanja Itgenshorst)

«Der Eisbär und die Eisscholle» (18.5.26, Siegfried Weichlein) - Noch kein Link zum Online-Artikel