| Description |
Dieses BA/MA-Seminar befasst sich mit zentralen anthropologischen Debatten zu Technologien, Wissen und Könnerschaft (skill). Ausgangspunkt ist die Beobachtung, dass Technologien – von alltäglichen Gegenständen wie Zahnbürsten, Kochutensilien, Schreibzeug und Fahrrädern bis hin zu Staubsaugerrobotern, Fitness- und Dating-Apps oder dem Internet – immer auch sozial sind. Sie sind nicht nur Werkzeuge, sondern prägen Wahrnehmungen, Körperpraktiken, Arbeitsformen und soziale Beziehungen. Zugleich gehen sie aus spezifischen Wissensformen, Fertigkeiten, Umweltgegebenheiten, sozialer Organisation und Machtverhältnissen hervor. Unter anderem untersuchen wir folgende Fragen: Wie wird Wissen erworben, verkörpert, weitergegeben und in technische Systeme eingeschrieben? Wie werden Wissen und Können in Bezug auf verschiedene geografische Regionen und soziale Gruppen bewertet und geschätzt? Was geschieht, wenn Wissen verloren geht, nicht wahrgenommen oder unterschätzt wird? Und wie wirken sich Prozesse der Migration, kolonialen Aneignung, des Klimawandels, der Automatisierung, Digitalisierung oder Standardisierung auf den Alltag und die Gesellschaft aus? Anhand klassischer und zeitgenössischer anthropologischer Kernwerke diskutieren wir, wie Technologien und Wissen in der Sozialanthropologie unterschiedlich wahrgenommen werden. Unter anderem befassen wir uns mit sozial-technischen Systemen, dem Stellenwert und der Sichtbarmachung von verkörpertem, implizitem Wissen, Fragen von Gender und Technologie, Beziehungen zwischen Menschen und Maschinen sowie der Transformation von Alltag und Arbeit. Dabei erkunden wir, wie analoge und digitale Technologien Zugehörigkeiten, soziale Interaktionen und Machtbeziehungen prägen und in diese eingebettet sind. Schliesslich untersuchen wir, welchen Einfluss Technologien (z. B. Stift und Notizblock, im Feld gesammelte Objekte, Foto- und Videokameras, Smartphones, Computer und das Internet) auf anthropologische Forschungsmethoden, Erkenntnisse und Wissensvermittlung haben. Zudem erörtern wir Methoden, um unausgesprochenes Wissen sichtbar zu machen. Ziel ist es, ein Grundverständnis für die soziale Bedeutung von Technologien und dem damit zusammenhängenden Wissen zu entwickeln. Dabei wird Technologie nicht als externer Faktor, sondern als zentraler Bestandteil sozialer Welten analysiert. Ergänzend zu der Lektüre werden kleine empirische Übungen dazu anregen, technologische Praktiken, Wissensformen und Könnerschaft im eigenen Umfeld ethnografisch zu beobachten und theoretisch zu reflektieren. |
| Objectifs de formation |
In diesem Kurs entwickeln die Studierenden die Fähigkeit, zentrale theoretische Debatten der Anthropologie zu Technologie, Wissen und Könnerschaft kritisch zu lesen, zu vergleichen und auf gegenwärtige gesellschaftliche Kontexte anzuwenden. Sie erweitern ihre Kenntnisse anthropologischer Konzepte, um komplexe sozio-technische Prozesse kompetent analysieren zu können, und lernen, theoretische Texte mit eigenen Beobachtungen und Fallbeispielen zu verbinden. Darüber hinaus vertiefen sie ihre Fähigkeit, komplexe gesellschaftliche Fragen argumentativ zu diskutieren, fundierte Fragen zu formulieren sowie konstruktives Feedback zu geben und aufzunehmen. |