Publikationsdatum 22.09.2026

Verfassen Sie bessere Förderanträge, ohne Zeit zu verschwenden


Der Arbeitsaufwand für das Verfassen eines Antrags für ein grosses Förderinstrument (SNSF-Projektförderung, ERC Starting Grant usw.) wird oft auf einen ganzen Monat geschätzt – eine Einschätzung, die sich in der Praxis weitgehend bestätigt hat. Wichtig ist jedoch, dass ein grösserer Zeitaufwand für die Antragstellung die Erfolgschancen nicht automatisch erhöht. Sobald ein Antrag ein ausreichendes Qualitätsniveau erreicht hat, bringt zusätzlicher Aufwand immer weniger Ertrag.

Als Forschende können Sie den Zeitaufwand für die Erstellung eines Antrags nur begrenzt beeinflussen. Viele Faktoren, etwa die Anforderungen der Förderorganisation, liegen ausserhalb Ihrer Kontrolle. Bei den Aspekten, die Sie jedoch selbst steuern können, kann Ihnen der folgende siebenstufige Arbeitsablauf dabei helfen, unnötigen Aufwand zu vermeiden.

Der siebenstufiger Arbeitsablauf

1. Prüfen Sie die Förderfähigkeit, bevor Sie beginnen

Bevor Sie das Projekt ausarbeiten, vergewissern Sie sich, dass Sie für das gewählte Förderinstrument beitragsberechtigt sind. Prüfen Sie dabei nicht nur Ihre eigene Beitragsberechtigung, sondern auch jene der Gesuchstellenden, Partner und beteiligten Institutionen. Dies ist insbesondere bei internationalen Projekten wichtig, an denen  Förderorganisationen beteiligt sind, mit denen Sie nicht vertraut sind.

Sollte eine Regel unklar sein, wenden Sie sich an Ihr Grants Office. An der Unifr ist dies die Dienststelle Forschungsförderung.

2. Prüfen Sie die Eignung für das Förderinstrument

Eine weitere Frage, die Sie sich frühzeitig stellen sollten, ist, ob Ihr geplantes Forschungsprojekt zur Ausschreibung passt:

  • Ist die Ausschreibung für Grundlagenforschung oder für angewandte Forschung vorgesehen?
  • Unterstützt die Ausschreibung Projekte dieser Grösse und dieses Ambitionsniveaus?
  • Entspricht das Projekt den Zielen und Bewertungskriterien der Förderorganisation?

Zudem sollten Sie eine realistische erste Einschätzung Ihrer Wettbewerbsfähigkeit vornehmen. Um ein extremes Beispiel zu nennen: Wenn Sie einen ERC-Plus-Grant in Betracht ziehen, sollten Sie bedenken, dass jährlich nur rund 30 Projekte über alle Fachgebiete und Karrierestufen hinweg gefördert werden.

3. Klären Sie, was in der aktuellen Phase gefordert wird

Lesen Sie die Ausschreibungsunterlagen, Richtlinien, Vorlagen und Bewertungskriterien sorgfältig durch. Identifizieren Sie, was die Förderorganisation verlangt, und liefern Sie genau das.

Dies ist insbesondere bei mehrstufigen Ausschreibungen wichtig. Ist in der ersten Stufe lediglich eine kurze Absichtserklärung erforderlich, sollten Sie den vollständigen Antrag für die zweite Stufe nicht im Voraus ausarbeiten. Es kann zwar sinnvoll sein, vorauszudenken, sofern dies die aktuelle Einreichung stärkt. Detaillierte Arbeiten für spätere Stufen sollten jedoch erst dann erfolgen, wenn sie tatsächlich benötigt werden.

4. Erstellen Sie das Grundgerüst des Antrags

Bevor Sie ganze Abschnitte Ihres Antrags verfassen, legen Sie dessen Grundgerüst fest, indem Sie die folgenden Fragen beantworten.

  1. Was ist das zentrale Forschungsziel? Formulieren Sie klar, was das Projekt erreichen soll.
  2. Was sind die Forschungsfragen? Formulieren Sie das Ziel als fokussierte Fragen oder Hypothesen.
  3. Was ist die relevante Literatur bzw. der aktuelle Forschungsstand? Beziehen Sie, sofern relevant, Ihre eigenen Arbeiten ein und verdeutlichen Sie die Forschungslücke, die das Projekt schliessen soll.
  4. Welche Methodik wird angewendet? Bei empirischen Projekten können dies Daten, Methoden und Analysen betreffen. In Disziplinen wie Philosophie, Theologie oder Literatur können stattdessen die Auswahl von Quellen, die Interpretationsansätze oder die zugrunde liegenden Annahmen im Vordergrund stehen.
  5. Wie wird das Projekt durchgeführt? Skizzieren Sie die Arbeitspakete, Zuständigkeiten, den Zeitplan, die Ergebnisse sowie Risiken und Massnahmen zum Umgang mit unvorhergesehenen Ereignissen.
  6. Was wird das Projekt bewirken? Beschreiben Sie den erwarteten Beitrag zum jeweiligen Fachgebiet, zur Disziplin im weiteren Sinne, zur Wissenschaft und, sofern relevant, zur Gesellschaft im Allgemeinen.

Sobald das Grundgerüst des Projekts steht, prüfen Sie erneut, ob es zum gewählten Förderinstrument passt. Sollte sich dabei zeigen, dass die Übereinstimmung nicht ausreichend ist, seien Sie bereit, das Projekt grundlegend zu überarbeiten oder sogar zu verwerfen.

5. Verwandeln Sie das Grundgerüst in ein Antragsgerüst

Erstellen Sie anschliessend ein strukturiertes Dokument, das bereits alle erforderlichen Überschriften enthält. Gehen Sie dabei von der Vorlage der Förderorganisation oder von der empfohlenen Gliederung aus, sofern eine solche verfügbar ist. Ergänzen Sie diese danach bei Bedarf durch aussagekräftige Unterüberschriften.

Verwenden Sie die in Ihrem Textverarbeitungsprogramm integrierten Formatvorlagen für Überschriften, anstatt diese manuell zu formatieren. Dadurch wird die Hierarchie sichtbar, die Navigation erleichtert sowie eine effiziente Überarbeitung der Struktur ermöglicht.

Streben Sie eine Sanduhrstruktur an: Beginnen Sie breit genug, um den Kontext und die Bedeutung darzulegen. Verengen Sie anschliessend die Darstellung auf die spezifische Forschungslücke, die das Projekt schliessen soll. Erweitern Sie den Fokus danach wieder auf den erwarteten Beitrag und die Auswirkungen. Der Leser sollte stets wissen, in welche Richtung sich der Antrag entwickelt.

6. Den Antrag ausarbeiten

Erst jetzt sollten Sie mit dem zeitaufwändigsten Schritt beginnen: dem Ausarbeiten des Grundgerüsts und der Gliederung zu einem vollständigen Forschungsplan.

Da die zentralen Entscheidungen bereits getroffen wurden, geht es beim Verfassen weniger darum, das Projekt während des Schreibens zu entdecken, als vielmehr darum, ein bereits schlüssiges Konzept zu erläutern. Nutzen Sie die Inhalte des Grundgerüsts, um die Abschnitte der Gliederung auszuarbeiten, und fügen Sie bei Bedarf Belege, Details und Übergänge hinzu.

7. Erledigen Sie die administrativen Teile zuletzt

Bereiten Sie die administrativen Angaben und den detaillierten Budgetplan erst vor, nachdem der Forschungsplan weitgehend feststeht. So lässt sich die Konsistenz zwischen den wissenschaftlichen Aktivitäten, dem Personal, dem Zeitplan, den Ressourcen und den beantragten Mitteln leichter sicherstellen.

Geben Sie die Informationen nach Möglichkeit direkt im Einreichungsportal ein, anstatt sie zunächst in einem separaten Format zu entwerfen, das später kopiert und neu formatiert werden muss.

Planen Sie unbedingt genügend Zeit für institutionelle Prüfungen, Unterschriften und Genehmigungen ein. Mit «zuletzt» ist hier gemeint: nachdem der Forschungsplan fertiggestellt wurde und nicht unmittelbar vor Ablauf der Frist.

Wichtige Erkenntnisse

  • Achten Sie auf abnehmende Erträge. Beenden Sie die Feinarbeit, sobald weitere Überarbeitungen die Klarheit, die Konformität oder die Überzeugungskraft nicht mehr verbessern.
  • Seien Sie bereit, Ideen zu verwerfen und neu zu beginnen. Die bereits investierte Zeit ist kein Grund, an einer schlecht abgestimmten Idee festzuhalten. Lassen Sie sich nicht von dem Trugschluss der verlorenen Kosten täuschen.
  • Verwenden Sie einen strukturierten Arbeitsablauf. Unabhängig davon, ob Sie der hier vorgeschlagenen Vorgehensweise folgen oder diese anpassen – treffen Sie zentrale Entscheidungen, bevor Sie mit der ausführlichen Ausarbeitung des Antragsbeginnen.

Letztendlich trägt ein strukturierter Arbeitsablauf dazu bei, Zeit und Aufwand dort zu investieren, wo sie den grössten Beitrag zur Qualität des Gesuchs leisten.

Dieser Artikel basiert auf dem Vortrag «Submitting Grants with Minimal Effort», der am 22. Juni 2026 im Rahmen der Research & Cookies-Seminarreihe gehalten wurde.