Profil

Die Sozialanthropologie analysiert aktuelle soziale und kulturelle Phänomene auf der ganzen Welt, um diese in ihrer Vielfalt und Komplexität zu verstehen und zu erklären. Während sich die Disziplin in ihren Anfängen vor allem mit Gesellschaften und Kulturen ausserhalb der westlichen Industriestaaten befasste, untersucht die Sozialanthropologie bereits seit langem weltweit sozio-kulturelle Praktiken, Überzeugungen und Institutionen, die lokal, nationalstaatlich, regional und global auf vielfältige Weise miteinander verflochten sind. Im Hinblick auf ihre Methodologie ist die Sozialanthropologie durch ihre langandauernden ethnographischen Feldforschungen – bei Forschungen ab dem Doktorat meist ein Jahr – mit Erwerb der Lokalsprache und einer teilnehmenden Beobachtung des Alltagslebens gekennzeichnet.

 

Anders als andere Fächer befasst sich die Sozialanthropologie grundsätzlich mit der ganzen Bandbreite menschlichen Handelns in seinen politischen, rechtlichen, moralischen, religiösen, wirtschaftlichen, sozialen, materiellen (und vielen anderen) Dimensionen und betrachtet diese Phänomene aus einer holistischen Perspektive: menschliches Handeln und sozio-kulturelle Strukturen werden als potenziell mehrdeutige und vielschichtige Phänomene in ihren wechselseitigen Verschränkungen analysiert, so dass diese in ihrer ganzen Komplexität und gegenseitigen Beeinflussung verständlich werden. In diesem Prozess werden auch beständig die eigenen Analysekategorien kritisch reflektiert und hinterfragt: inwiefern sind diese angemessen für die Beschreibung anderer sozio-kultureller Kontexte und müssen ggf. angepasst, erweitert, neu verstanden oder durch andere ersetzt werden, um die ganze Vielfalt menschlichen Lebens überzeugend nachvollziehen zu können? Diese Reflexivität bezieht in der Sozialanthropologie immer auch zentral Fragen nach sozialer Ungleichheit mit ein: wer hat in den untersuchten sozio-kulturellen Kontexten die Macht darüber, Praktiken, Überzeugungen und Institutionen auf die angeblich „richtige“ Weise zu repräsentieren und welche Stellung kommt dabei der sozialanthropologischen Betrachtung selbst zu?

 

An der Universität Fribourg wird die Sozialanthropologie in ihrer ganzen Breite gelehrt, wobei Studierende aufgrund des Lehrangebots auf Deutsch, Französisch und vereinzelt Englisch von einer an anderen Universitäten äusserst selten erreichten Verbindung deutscher, französischer, angelsächsischer und italienischer Forschungstraditionen profitieren können. In der Forschung des Teams liegen die Schwerpunkte insbesondere in den Themenfeldern Politik, Recht, soziale Beziehungen und Wirtschaft. Das Bachelorstudium in Sozialanthropologie und der interdisziplinäre Masterstudiengang „Kultur, Politik und Religion in der pluralistischen Gesellschaft“ mit seiner sozialanthropologischen Vertiefungsoption „Politische und normative (Un)Ordnungen“ bieten den Studierenden zugleich eine fundierte Grundausbildung und Raum für Spezialisierungen. Auf Doktorats- und Post-Doc-Ebene können unter fachkundiger Forschungsbetreuung thematische Expertisen ausgebildet und weiter vertieft werden. Damit eröffnet ein Studium der Sozialanthropologie an der Universität Fribourg vielfältige Berufsfelder, in denen wichtige Beiträge zu den entscheidenden Themen unserer zunehmend globalisierten Welt gefragt sind.

 

Der erste Lehrstuhl für Ethnologie in der Schweiz – zur Geschichte