SchlafforschungPublikationsdatum 06.02.2026
Wir nehmen musikalische Harmonie im Schlaf wahr
Musik kann starke Emotionen hervorrufen, und musikalische Akkorde sind die kleinsten musikalischen Einheiten, die emotionale Informationen transportieren. Wenn wir wach sind, werden Dur-Akkorde in der Regel mit positiven Emotionen assoziiert, während Moll-Akkorde eher negative Emotionen hervorrufen. Doch unterscheidet das menschliche Gehirn auch im Schlaf zwischen musikalischen Akkorden? Forschende der Universität Freiburg gehen dieser weitgehend unerforschten Frage nach.
Auch während des Schlafs schaltet das Gehirn nicht einfach ab, sondern verarbeitet weiterhin externe Reize – wenn auch in reduziertem Umfang. Das Hören von Musik kann starke emotionale Reaktionen auslösen, doch ob dies auch während des Schlafs der Fall ist, war bislang unklar. Forschende haben nun einen wichtigen ersten Schritt getan und gezeigt, dass das schlafende Gehirn tatsächlich zwischen verschiedenen musikalischen Akkorden unterscheiden kann.
Im Schlaflabor
Professor Björn Rasch und sein Team an der Universität Freiburg untersuchten diese Frage in einer kürzlich veröffentlichten, vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) finanzierten Studie in der Fachzeitschrift Sleep Advances. In dieser sogenannten Proof-of-Concept-Studie prüften die Forschenden, ob das schlafende Gehirn zwischen verschiedenen Kategorien von Musikakkorden unterscheiden kann.
47 junge Erwachsene nahmen an der Studie teil und verbrachten eine Nacht im Schlaflabor der Universität Freiburg. Während sie schliefen, spielte das Forschungsteam Dur-, Moll- und dissonante Akkorde vor, während ein EEG die elektrische Gehirnaktivität der Teilnehmenden aufzeichnete.
Musikalische Akkorde werden im Schlaf unterschiedlich wahrgenommen
Die Analyse der Gehirnreaktionen auf die Akkorde (event-related potentials; ERPs) ergab deutliche und signifikante Unterschiede zwischen den drei Akkordkategorien. Dur-Akkorde erzeugten rund 800 Millisekunden nach Beginn des Akkords die stärksten Amplituden. Moll-Akkorde lösten mittlere Amplituden aus, während dissonante Akkorde die niedrigsten Amplituden erzeugten. Bemerkenswert ist, dass Personen mit Erfahrung im Spielen eines Musikinstruments im Schlaf eine stärkere Unterscheidung zwischen den Akkordkategorien zeigten als Teilnehmende ohne musikalische Ausbildung.
Die Forschenden kommen zu dem Schluss, dass die unterschiedliche Verarbeitung einzelner Musikakkorde während des Schlafs erhalten bleibt und sowohl von harmonischen Eigenschaften als auch von der musikalischen Fachkenntnis einer Person im Rahmen westlicher Musikkonventionen geprägt ist. Zukünftige Studien sollen untersuchen, ob längere und komplexere harmonische Strukturen – wie Akkordfolgen oder ganze Musikstücke – vom schlafenden Gehirn ähnlich differenziert verarbeitet werden und ob die Präsentation emotional positiver musikalischer Elemente während des Schlafs zur Verbesserung der Schlafqualität beitragen kann.
HarmonicSleep-Projekt
Diese Studie ist Teil des vom SNF finanzierten Projekts «HarmonicSleep» (Projektnummer 10.002.583). Das Projekt untersucht, ob das schlafende Gehirn Musik und andere Geräusche verarbeiten kann. Zudem wird erforscht, ob diese nächtliche Verarbeitung die Schlafqualität und die geistige Erholung positiv beeinflusst.
Studie
Anna Zoé Wick, Björn Rasch, Musical harmony is processed during sleep: a proof-of-concept study, SLEEP Advances, Volume 6, Issue 4, 2025, zpaf085, https://doi.org/10.1093/sleepadvances/zpaf085
