Häufige Fragen

  • Was sind Essanfälle?

    Unter Essanfällen versteht man den Verzehr grosser Nahrungsmengen in einem kurzen Zeitraum - z.B. während zwei Stunden. Die verspeiste Nahrungsmenge ist dabei wesentlich grösser, als andere in der gleichen Situation, mit dem gleichen körperlichen Umsatz verspeisen würden. Betroffene erleben, dass sie nicht mehr aufhören können zu essen. Das eindrückliche Gefühl, das Essen nicht stoppen zu können, nennt man das Gefühl des Kontrollverlusts. Das Erleben von Kontrollverlust kann sehr unangenehm sein. Nach einem Essanfall werden zudem oft Schuld- oder Schamgefühle berichtet.

  • Was ist eine Binge-Eating-Störung?

    Das Hauptmerkmal der Binge-Eating-Störung (BES) sind Essanfälle, bei denen Betroffene eine Nahrungsmenge essen, die grösser ist als diejenige, welche andere Menschen in vergleichbaren Situationen zu sich nehmen würden. Betroffene erleben bei den Essanfällen Kontrollverlust über das Essen. Weiter müssen mindestens drei der folgenden Merkmale vorliegen, damit die diagnostischen Kriterien einer BES erfüllt sind: Betroffenen essen während eines Essanfalls…

    … schneller als normal.

    …essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl.

    …essen ohne Hunger.

    …essen allein.

    …empfinden anschliessend Scham oder sind deprimiert wegen der Essanfälle.

    Betroffene leiden sehr unter den Essanfällen. Diese treten durchschnittlich an mindestens einem Tag pro Woche und über eine Zeitspanne von mindestens drei Monaten auf. Im Gegensatz zur sogenannten Bulimia Nervosa wird bei der Binge-Eating-Störung nach den Essanfällen normalerweise nicht das sogenannte Kompensationsverhalten gezeigt, mit welchem Betroffene der befürchteten Gewichtszunahme entgegenwirken möchten (d.h. beispielsweise kein Erbrechen nach den Essanfällen). Manchmal leiden aber auch Menschen mit einer Binge-Eating-Störung an seltenem Kompensationsverhalten.

    Eine weitere Anmerkung: Du solltest wissen, dass Essanfälle nichts mit Willens- oder gar Charakterschwäche zu tun haben. Sie sind Merkmal eines gestörten Essverhaltes und können Anzeichen für eine Binge-Eating-Störung sein.

  • Was kann ich gegen meine Essanfälle tun?

    Als erstes gilt: Dir kann geholfen werden und Du kannst Dir selbst helfen! Die Behandlungsforschung im Bereich der Binge-Eating-Störung hat gezeigt, dass insbesondere bei Essanfällen eine gut geplante und auf der Grundlage überprüfter therapeutischer Vorgehensweise aufgebaute «Hilfe zur Selbsthilfe» äusserst wirksam sein kann. Es gibt allerdings Situationen – etwa, wenn die Essanfälle sehr häufig und sehr schwer ausfallen, wenn weitere psychische Probleme oder schwerwiegende Lebensumstände dazu kommen – in denen Betroffene eine Fachperson (z.B. eine Psychotherapeutin/einen Psychotherapeuten) aufsuchen sollten.  Also nicht verzweifeln: sich mit den eigenen Problemen auseinanderzusetzen ist der erste und einer der wichtigsten Schritte!

  • Was ist Loss of Control-Eating?

    Loss of Control-Eating (LOC) beschreibt essen, welches mit einem Verlust der Kontrolle einhergehen. Das Erleben von Kontrollverlust kann sehr unangenehm sein. Nach dem Loss of Control-Eating werden zudem oft Schuld- oder Schamgefühle berichtet. Wenn Du Loss of Control-Eating erlebst, hast Du zwar das Gefühl die Kontrolle zu verlieren, die verspeiste Nahrungsmenge ist aber nicht so gross wie bei einem Essanfall.

  • Was ist der Unterschied zwischen Binge-Eating und einer Binge Eating Störung?

    Du leidest unter Binge Eating, wenn Du regelmässige Essanfälle hast und z.B. alleine vor dem Kühlschrank isst, ohne dass Du Dich stoppen kannst. Meist treten diese Anfälle unter Anspannung, Stress, bei schlechter Stimmung auf. Obwohl das Essen im ersten Moment die Stimmung verbessert sind solche Attacken meist von Schamgefühlen und Niedergeschlagenheit gefolgt.

    Wenn wir von Binge Eating sprechen, so meinen wir damit Verhaltensweisen und gestörtes Essverhalten, dass in die Richtung einer Binge Eating Störung geht, aber noch nicht die vollen Kriterien des psychische Störung erfüllt. Wie Du bei der Frage „Was ist eine Binge-Eating-Störung?“ nachlesen kannst, gibt es ganz besimmte Voraussetzungen, welche erfüllt sein müssen, um die Diagnose einer Binge Eating Störung zu erlauben. So muss z.B. wöchentlich mindestens ein Essanfall auftreten. Leidet jemand unter Essanfällen, diese Essanfälle treten aber im Mittel jede zweite Woche auf, spricht man von Binge Eating. Ein anderes Beispiel wäre, wenn jemand zwar wöchentliche Essanfälle hat, aber nicht drei sondern nur zwei der folgenden Vorrausetzungen erfüllt:

    … schneller essen als normal.

    …essen bis zu einem unangenehmen Völlegefühl.

    …essen ohne Hunger.

    … alleine essen.

    … ans essen anschliessendes empfinden von Scham oder Niedergeschlagenheit.

  • Was ist Emotionsregulation?

    Unter Emotionsregulation oder dem Umgang mit Gefühlen wird die Fähigkeit verstanden, positive und negative Emotionen sowie damit verbundene Verhaltensweisen (z.B. Gesichtsausdruck), körperliche Zustände (z.B. Herzklopfen) und Gedanken so zu kontrollieren, sodass anstehende Herausforderungen gemeistert werden können. Mit anderen Worten ist Emotionsregulation das, was Dir erlaubt, trotz Angst, Frust oder Zweifeln z.B. bei i-BEAT mitzumachen und dranzubleiben.

    Wenn Personen nicht dazu in der Lage sind, ihre Emotionen zu regulieren, kann das längerfristig zu ernsthaften Problemen führen. Probleme im Umgang mit Emotionen können sich darauf beziehen, dass Emotionen nicht richtig erkannt, nicht zugelassen, unterdrückt oder vorschnell in die Tat umgesetzt werden. Bei der Entwicklung von psychischen Problemen (z.B. bei Binge-Eating, Depressionen, Schlafstörungen, Ängsten) nehmen Schwierigkeiten bei der Emotionsregulation eine wichtige Rolle ein.

  • Warum ist es wichtig, dass sowohl der Umgang mit Essanfällen als auch der Umgang mit Emotionen trainiert wird?

    Essanfälle treten häufig als Folge von negativen Emotionen (wie z.B. Wut, Ärger, Traurigkeit) auf. Sie stellen damit eine Strategie dar, um diese negativen Emotionen zu reduzieren. Allerdings kann das dazu führen, dass ein Teufelskreis entsteht: die negativen Emotionen werden nämlich nur kurzfristig reduziert, denn durch Essanfälle entstehen weitere negative Emotionen (z.B. Schuld, Scham), die das Auftreten weiterer Essanfälle wahrscheinlicher machen. Es ist also sehr wichtig, alternative und hilfreiche Strategien zu erlernen, um mit diesen negativen Emotionen umgehen zu können. Auf diese Weise kann dann auch die Anzahl von Essanfällen reduziert werden.

  • Was zeichnet das i-BEAT aus?

    Dieses Online-Behandlungsprogramm wurde an der Universität Fribourg unter der Leitung von Prof. Dr. Munsch entwickelt. Es basiert auf Prinzipien der Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT-E) sowie Interpersonellen Psychotherapie (INTER-E) und stellt ein angeleitetes Selbsthilfeprogramm zur Bewältigung der Binge-Eating-Störung und damit einhergehenden Schwierigkeiten in der Emotionsregulation dar. Im Online-Behandlungsprogramm erfährst Du, was anfallartiges Essen ist und wie Du diese Essanfälle erkennen und reduzieren kannst. Ausserdem werden Dir wichtige Inputs zur Regulation von Emotionen (z.B. Wut, Frust) gegeben, sodass anstehende Herausforderungen besser gemeistert werden können.

  • Wie lange dauert das i-BEAT-Behandlungsprogramm?

    Das Online-Behandlungsprogramm umfasst 12 Wochen mit jeweils einer Sitzung pro Woche. Eine Sitzung dauert etwa 45-60 Minuten. Zu Beginn und zum Ende des Online-Behandlungsprogrammes findet jeweils ein diagnostisches Interview statt. Im Anschluss an die 12. Sitzung werden im Abstand von 3 und 6 Monaten zwei Auffrischungssitzungen durchgeführt.

  • Wie kann ich die Online-Sitzungen bearbeiten?

    Alle Sitzungen kannst Du an Deinem Laptop oder PC zu Hause bearbeiten.

  • Was kostet das i-BEAT-Behandlungsprogramm?

    Das Online-Behandlungsprogramm ist kostenlos. Durch deine Mitarbeit bei der Beantwortung von Online-Fragebögen und/ oder an den anderen Teilstudien (z.B. Online-Fragebogenstudie, App-basierte Tagebuchstudie, Virtual Reality Experiment) hilfst du uns jedoch, das i-BEAT-Programm immer weiter zu verbessern.

  • Kann ich mitmachen, obwohl ich noch minderjährig bin?

    Auf jeden Fall! Wir suchen Teilnehmerinnen und Teilnehmer zwischen 14 und 24 Jahren. Wenn Du also noch minderjährig, aber mindestens 14 Jahre alt bist, kannst Du an allen unseren Studien teilnehmen. Darüber hinaus ist es sogar so, dass die Studienmitarbeiter der Schweigepflicht gegenüber Dritten, auch gegenüber Deinen Eltern/ Erziehungsberechtigten unterstehen. Das heisst, dass ohne Dein Einverständnis keine Informationen zu den Ergebnissen des Interviews und zum Verlauf der Therapie weitergeleitet werden. Einzig bei akuter Selbstgefährdung (z.B. akute Suizidalität) oder Fremdgefährdung wird diese Schweigepflicht aufgehoben und Du sowie Deine Eltern/ Erziehungsberechtigten werden von uns informiert und ins Notfallprozedere miteinbezogen. Dabei muss erwähnt werden, dass für Dich als Teilnehmerin/Teilnehmer an dieser Studie kein Risiko besteht und nicht mit unerwünschten Nebenwirkungen zu rechnen ist.

    Nicht an der Studie teilnehmen kannst Du, wenn Du schwanger (mit Ausnahme der online  Fragebogenstudie) bist, wenn Du aktuell an Bulimia Nervosa oder Anorexia Nervosa leidest,  wenn Du aktuell an einer anderen psychischen Krankheit leidest, welche zuerst behandelt werden muss (z.B. eine Suchterkrankung), wenn Du aktuell eine Diät durchführst oder versuchst Dein Gewicht zu reduzieren, wenn Du aktuell an einer Psychotherapie zur Behandlung einer Essstörung teilnimmst oder wenn Du schon zuvor an der Studie teilgenommen hast (mit Ausnahme der online  Fragebogenstudie).