GastvortragPublikationsdatum 13.04.2026
Gastvortrag von Prof. Helmuth Feilke
Am 26. März hat Prof. Helmuth Feilke von der Justus-Liebig-Universität Giessen im Rahmen von Prof. Schmidlins Vorlesung «Tendenzen der Gegenwartssprache» den Gastvortrag «Respekt und Sprachgebrauch. Beobachtungen zur Gegenwartssprache am Beispiel Gendern» gehalten.
„Respekt“ ist ein Thema der Stammtische ebenso wie heißlaufender Debatten im Internet; es provoziert kulturelle Spannungen und wissenschaftliche wie politische Kontroversen. Was hat das mit Sprache zu tun? Respekt ist einerseits etwas Nichtsprachliches, eine kulturelle Größe, die mit Werthaltungen, Einstellungen und Erziehung zu tun hat. Andererseits werden Werthaltungen, Einstellungen und soziale Unterscheidungen sprachlich zeichenhaft gefasst, werden lexikalisiert und grammatikalisiert. Respekt kann wie Tempus oder Modus auch zu einer grammatischen Kategorie werden, nur, dass er eben soziale Beziehungen regelt. Das betrifft z.B. das Duzen und das Anredeverhalten generell, aber auch die Formen der Bezugnahme auf Dritte und in der dritten Person. Beispiele sind etwa das sogenannte „N-Wort“ oder auch das generische Maskulinum in Formen wie Bürger, Lehrer usw.. Sprache kann soziale Unterscheidungen, Stereotype und Beziehungstypen konservieren. Können Wörter und grammatische Formen dann auch respektlos sein? Ein vieldiskutiertes Beispiel für diese Fragen ist das Gendern. Der Vortrag ging ein auf die aktuelle Respektkonjunktur, stellte ein Konzept zur Ordnung der Debatte vor und plädierte am Beispiel des Genderns für eine Sichtweise, die für Respektfragen nicht in erster Linie auf die verfestigten Formen der Sprache, sondern auf die Praktiken und Kontexte ihres Gebrauchs verweist.
Zum Nach- oder Vorlesen: Feilke, Helmuth. 2023. Gendern mit Grips statt Schreiben in Gips. Sechs Thesen – praktische Argumente für ein flexibles Gendern. In: Praxis Deutsch, 297, S. 60-62. Feilke, Helmuth. 2025. R – E – S – P – E – C – T. In: Praxis Deutsch 314, S.4-12.
Foto: Charlie Sarbach
