Open CallPublikationsdatum 02.03.2026
Anfrage zum Forschungsprojekt
Seit der Etablierung der akademischen Kunstgeschichte im 19. Jahrhundert verwendet die grosse Mehrheit der Kunsthistoriker*innen das Zeichnen, um Kunstwerke zu beobachten, zu dokumentieren, zu klassifizieren und zu interpretieren. Trotz der umfangreichen Dokumentation, die von dieser Praxis zeugt, blieb der Gebrauch dieses Instruments bis anhin jedoch weitgehend unbekannt. Das SNF-Projekt «Kunstgeschichte beim Zeichnen. Die Zeichnung als epistemologisches Werkzeug in der Kunstgeschichte» von Prof. Dr. Jérémie Koering beabsichtigt, diese historiografische Lücke zu schliessen, indem es die epistemischen Funktionen des Zeichnens in der kunsthistorischen Praxis untersucht und Zeichnungen jenen Platz zurückgibt, den sie in der Kunstgeschichte verdienen.
Das Forschungsprojekt wird in zwei miteinander verflochtenen Richtungen entwickelt: Einerseits sollen Zeichnungen von Kunsthistoriker*innen aus Archiven und kunsthistorischen Instituten in der Schweiz, Europa und weltweit erschlossen werden. Andererseits sollen diese aus transdisziplinärer Perspektive kritisch analysiert werden. Die Sammlung soll zu einem frei zugänglichen Archivverzeichnis beitragen und künftigen Generationen einen umfassenden Überblick sowie ein unverzichtbares Arbeitsinstrument über ein bisher schwer zugängliches Erbe bieten. Die Dissertation, die im Rahmen dieses Forschungsprojektes verfasst wird, konzentriert sich dabei auf den Schweizer Korpus.
Um dieses Phänomen vollständiger abzubilden, ruft das Projekt die Kunsthistorikerinnen und Kunsthistoriker dazu auf, Beiträge einzureichen. Wir laden Forscher und Institutionen ein, alle Archivbestände – ob öffentlich oder privat, akademisch oder assoziativ – zu identifizieren und zu melden, die dazu beitragen können, diese Untersuchung auf zu informieren und zu bereichern. Eine wichtige Voraussetzung ist, dass diese Bestände grafische Aufzeichnungen jeglicher Art enthalten, unabhängig von ihrer Form oder ihrem Medium: Collagen, Pauszeichnungen, Skizzen, Diagramme, Kritzeleien und so weiter.
Alle wesentlichen Beiträge zu diesem Repertoire werden gewürdigt, und die genannten Personen werden auf einer speziellen Seite der Website des Repertoires (derzeit im Aufbau) prominent aufgeführt. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldung und bedanken uns herzlich für Ihre wertvolle Unterstützung.
