Unsere GastforschendenPublikationsdatum 22.09.2026

Vorstellung der Gastforschenden des IFF: Dr Lingkai Kong


Dr Lingkai Kong ist für einen Monat Gastwissenschaftler am Institut. Im folgenden Text stellt er sein Forschungsvorhaben vor, das er in der Schweiz durchführen wird und das sich mit der Autonomie der Gemeinden in Portugal befasst.

Welchen Herausforderungen stellt sich Ihre Forschung?

Die meisten vergleichenden Studien klassifizieren politische Systeme weiterhin allein anhand ihrer Verfassungstexte als föderal oder unitarisch. In Portugal hat sich jedoch über Jahrzehnte hinweg durch gewöhnliche Gesetzgebung eine Struktur entwickelt, die dem Föderalismus ähnelt. Die interkommunalen Gemeinschaften fungieren als quasi-föderale Ebenen, Finanztransfers werden ausgehandelt statt verfassungsrechtlich verankert, und das Subsidiaritätsprinzip wird herangezogen, um Transfers zu rechtfertigen, nie jedoch, um die zentrale Aufsicht zu begrenzen. Die Herausforderung besteht darin zu erklären, wie ein Staat in der Praxis zunehmend föderale Züge annehmen kann, während sein verfassungsrechtlicher Kern unberührt bleibt.

Inwiefern prägt Ihr Hintergrund Ihre Forschung?

Ich habe meinen Masterabschluss in der Schweiz und meinen Doktortitel in der Türkei erworben und führe derzeit meine Postdoc-Forschung in Portugal durch. Meine Promotionsarbeit hat mich gelehrt, Dezentralisierung als ein normatives Problem der Legitimität und nicht nur der Effizienz zu betrachten. In Portugal werden die Funktionen des Föderalismus nachgeahmt, während die Anforderungen an seine demokratische Legitimität umgangen werden. Meine wirtschaftswissenschaftliche Ausbildung in Zürich veranlasst mich zudem, die finanzielle Abhängigkeit zu untersuchen, da sich hier die unitarische Logik am schwersten verschleiern lässt.

Persönliche Website von Lingkai Kong