Publikationsdatum 28.04.2026

„Wenn KI den Hörsaal auf den Kopf stellt“: Ein panoramischer Blick auf das Event 2026


Am 19. März fand gleichzeitig an den Universitäten der Westschweiz, in Zusammenarbeit mit der HES-SO, die Veranstaltung „Wenn KI den Hörsaal auf den Kopf stellt“ statt. Sie bot Studierenden und Lehrpersonen die Gelegenheit, sich über generative künstliche Intelligenz auszutauschen, diese zu erkunden und mehr darüber zu lernen.

Wir geben hier einen Einblick in die Workshops, die in Freiburg von Myriam Asadi Khiavi, Maya Dougoud, Emirhan Havanoud, Sandra Mooser, Nathalie Sarrasin, Giulia Vecchi und Olivier Samson (1) angeboten und geleitet wurden. Die Organisatoren der Veranstaltung planen, zu einem späteren Zeitpunkt ein umfassendes Dokument über sämtliche Programme zu veröffentlichen, die in Freiburg, Genf, Lausanne und Neuenburg stattfanden.

Der panoramische Blick, den uns die Veranstaltung vom 19. März ermöglicht, zeigt zunächst, dass die generative KI an den Hochschulen der Westschweiz allgegenwärtig ist. Dies wird durch die Nutzung der KI seitens der Studierenden und Lehrpersonen sichtbar, die uns die Veranstaltung noch einmal vor Augen führt. Diese Nutzungsmuster lassen uns erkennen, dass sich die Universitätsgemeinschaft intensiv mit den durch die KI geschaffenen Möglichkeiten und deren Grenzen auseinandersetzt. Durch die Teilnahme an der Veranstaltung konnten wir uns die allgemeinen Informationen und Reflexionen aus der Umfrage EduKIA2025 über KI an den Hochschulen wieder ins Gedächtnis rufen. Auch in der Universitätsgemeinschaft zeichnet sich, dreieinhalb Jahre nach dem offiziellen Start von ChatGPT, eine gewisse Distanzierung ab. Heute geht es darum, die Nutzenden je nach auszuführender Aufgabe auf die passenden KI-Tools hinzuweisen und dabei die Vorteile der zahlreichen mittlerweile existierenden Tools zu nutzen. Ebenso gilt es, kritisch zu handeln und sich der Schwachpunkte der KI bewusst zu sein (keine Ergebnisse, unvollständige Ergebnisse, Halluzinationen, mangelnde Transparenz usw.), selbst bei den besten Tools. Ausserdem wird deutlich, dass sich die globalen Herausforderungen der KI für die Hochschullehre auf mehreren Ebenen abspielen:

  • Achtung vor der digitalen Kluft. Entwicklung digitaler Kompetenzen, um mindestens das für Studium und Berufsleben notwendige Minimalniveau zu erreichen (institutionelle Ebene).
  • Die Bewertung des Lernens darf sich nicht länger auf das Endprodukt stützen, sondern muss den Prozess dorthin bewerten (pädagogische Ebene).
  • Abhängigkeit von den Tools, Intransparenz der Modelle und geschlechtsspezifische Ungleichheit im digitalen Bereich (ethische Ebene).

Ein gemeinsamer Nenner verbindet die im Programm 2026 enthaltenen Workshops: Sie alle können sich auf eine Felderfahrung stützen, die Ende 2022 noch nicht vorhanden war. Dies ist zweifellos ein entscheidender Wendepunkt für unser Verständnis der KI. Unsere dreijährige Erfahrung ist zwar weder perfekt noch vollständig, dennoch dient sie als Grundlage, um besser über generative KI-Tools nachzudenken und mit ihnen zu handeln, um die Unterstützung, die sie uns bieten, erfolgreich zu nutzen.

Diese Erfahrung betrifft zunächst die entwickelten Nutzungsweisen. Laut der Umfrage EduKIA2025 nutzen Studierende KI hauptsächlich für das fachliche Verständnis, die Überarbeitung von Texten, das Brainstorming, die Übersetzung und die Recherche. KI wird eher als Lern- und Verständniswerkzeug wahrgenommen und nicht als Ersatz für die eigene Produktion. Ihrerseits nutzen Lehrpersonen KI hauptsächlich für Übersetzungen, die Ideenfindung und das Brainstorming, die Literaturrecherche sowie die Kursplanung.

Darüber hinaus liefert uns diese Felderfahrung Hinweise auf Verbesserungen, die bei den sich entwickelnden KI-Nutzungen vorgenommen werden sollten. Zwei Beispiele aus den Workshops seien genannt:

  • Konkrete Beispiele für Situationen, die von Frauen erlebt wurden, ermöglichen es, der Notwendigkeit nachzukommen, die unsichtbaren Mechanismen sichtbar zu machen, die den Zugang von Frauen zu digitalen Kompetenzen erschweren.
  • Hinsichtlich der Risiken des KI-Einsatzes im Zusammenhang mit der Bewertung des Lernens muss dem Schutz von Daten und Quellen (Plagiat) grosse Aufmerksamkeit geschenkt werden, und es muss eine Transparenzpflicht bestehen (Nutzungsdeklaration).

Abschliessend lassen Veranstaltungen wie die vom 19. März erahnen, dass Studierende und Lehrpersonen insgesamt eine ähnliche Vision der KI teilen: Anerkennung ihres Potenzials, aber gemeinsame Bedenken hinsichtlich der kognitiven Delegation, der Ethik und der Integrität. Zu diesen Bedenken kommen zwei weitere Bedürfnisse hinzu:

  • Für beide Zielgruppen: Eine klare Haltung ihrer Universität sowie klare Nutzungsregeln.
  • Schulungsbedarf: Sie wünschen sich ausbildungsbezogene, flexible, praxisorientierte Fortbildungen, die auch die Ethik im Zusammenhang mit KI behandeln.

Weiterführende Informationen und Vertiefung:

  • Vollständiges Programm vom 19.03 in Freiburg: Link zum Padlet
  • In diesem Programm finden sich insbesondere Links zu den Dokumenten, die von den verschiedenen Referentinnen und Referenten des Tages geteilt wurden.
  • Das Programm enthält zudem Links zu den Programmen der anderen Veranstaltungsorte.

(1) Herzlichen Dank an Christiane, Hervé, Laura und Marie vom Didanum-Team für die Bereitstellung ihrer Berichte, die wir für diesen Rückblick genutzt haben.