Es ist ihnen gelungen, Vanille zu produzieren !
Vanille anzubauen ist gar nicht so einfach. In ihrer Heimat, in Mittelamerika, wird die Pflanze (Vanilla planifolia) von einer dort heimischen Bienenart bestäubt. In anderen Regionen der Welt muss jede Blüte jedoch von Hand bestäubt werden – was ihren hohen Preis erklärt. Hauptproduzenten sind heute Mexiko, Puerto Rico, Madagaskar und die Insel La Réunion. Im Botanischen Garten haben die beiden Auszubildenden im 3. Lehrjahr zu Gärtner_in Fachrichtung Zierpflanzen das Experiment gewagt. Mit Erfolg: Nach einer langen Geduldsprobe haben Gaël Rey und Lison Chatagny etwa dreissig „Schoten“ mit köstlichem Duft geerntet. Schoten? Fast: In der Botanik werden diese langen, schwarzen, bohnenähnlichen Früchte eigentlich als „Kapseln“ bezeichnet.
„Wir haben einen Zahnstocher benutzt, um die Pollinien (kleine klebrige Pollenpakete) mit der Narbe in Kontakt zu bringen, dem Teil des Stempels (weibliches Blütenorgan), der den Pollen aufnimmt“, erzählt Gaël Rey. Im Botanischen Garten wird Vanille im Gewächshaus für tropische Nutzpflanzen angebaut, neben Kaffee, verschiedenen Pfeffersorten, Bananen oder Faserpflanzen. „Wir hatten es 2024 zum ersten Mal versucht und drei Kapseln erhalten“, ergänzt Lison Chatagny. Doch die kostbaren Früchte wurden vor der Reife gestohlen. Im April 2025 war es dann so weit: Unter der Aufsicht ihrer Ausbilderin Lisa Moser hielt das Trio jeden Tag Ausschau nach neuen Blüten. Wachsamkeit ist geboten: Die weissen bis gelbgrünen Blüten öffnen sich morgens, schliessen sich nachmittags und fallen abends ganz ab. Vanille gehört zur Familie der Orchideen und wächst als Liane. Manchmal muss man ein wenig klettern, um an die zu bestäubenden Blüten heranzukommen.
Dank ihrer Bemühungen konnten sie etwa dreissig schöne Schoten ernten. Aber es kam nicht in Frage, sie vorzeitig zu ernten: Die Früchte müssen 8 bis 9 Monate an der Pflanze reifen. „Wir haben sie kurz vor Weihnachten geerntet“, erklärt Gaël. „Wenn man zu lange wartet, platzen die Schoten auf und geben eine grosse Menge winziger Samen frei.“ Dann ist die Pflanze auf eine Symbiose angewiesen, um zu keimen und zu wachsen: Die Samen sind so klein, dass sie keine eigenen Nährstoffreserven mitführen. Um zu keimen, benötigen sie die Anwesenheit eines bestimmten Pilzes, von dem sie sich ernähren.
Nach der Ernte folgt einer lange Fermentierungsprozess. Die Vanilleschoten werden in kochendem Wasser blanchiert, dann 36 Stunden im Ofen gedämpft und schliesslich 2 bis 4 Wochen lang getrocknet. «Wir konnten die Schritte nicht genau einhalten», schränkt Gaël ein. «In tropischen Ländern erfolgt die Trocknung in der Sonne. Das ist in der Schweiz im Dezember schwierig!“ Nach dem Trocknen ist das köstliche Gewürz bereit zum Verzehr. Idealerweise sollte man es noch 5 bis 6 Monate lagern, erklärt Gaël, der ein Dossier für die zukünftigen Lernenden des Botanischen Gartens erarbeitet hat. «Die Vanille bekommt schliesslich einen ‚Frostüberzug‘, wenn der Zucker der Schote an ihrer Oberfläche kristallisiert. Man sagt, dass das Aroma dann seinen Höhepunkt erreicht.» Aber die kulinarische Pause darf nicht zu lange dauern: Im April wird es schon wieder Zeit, die neuen Blüten zu bestäuben!
