Besser um die Zukunft streiten

Besser um die Zukunft streiten

Wie diskutiert man klug über Klima und Umwelt? Besser um die Zukunft streiten versammelt fünf philosophische Stimmen, die zeigen, wie ökologische Konflikte fair, präzise und lösungsorientiert verhandelt werden können. Ein Buch für alle, die Umweltdebatten nicht eskalieren lassen, sondern voranbringen wollen.

Auszug
«Aus kosmischer Perspektive gibt es keine Klimakrise.»

Es stimmt: Es gehört zum normalen Lauf der Natur, dass sich das Klima verändert – manchmal aufgrund einzelner Lebewesen (etwa Algen oder Mikroben), manchmal aufgrund eines Vulkanausbruchs oder langfristiger Änderungen der Erdumlaufbahn und -rotation. Diese natürlichen Prozesse sind moralisch neutral, man kann niemanden für sie verantwortlich machen. Gilt nicht dasselbe für den jetzigen Klimawandel – schließlich sind auch wir Menschen Teil der Natur?

Dieses Argument überzeugt in dieser Kürze nicht. Dass auch wir Menschen Teil der Natur sind, heißt nicht, dass all unser Handeln gerechtfertigt ist. Denn im Unterschied zu anderen Lebewesen können wir unser Handeln bewusst steuern und es auf seine Richtigkeit hin befragen. Bakterien sind nicht kritisierbar, wenn sie Treibhausgase freisetzen, Menschen verdienen aber je nach Verhalten durchaus Kritik. Der Einwand basiert auf derselben Logik, wie wenn jemand sagte: «Auch Tiere töten manchmal ihren Nachwuchs, also ist eine menschliche Kindstötung nicht zu verurteilen» – was wohl niemand ernsthaft behaupten würde.

Vielleicht ist mit dem Verweis auf die kosmische Perspektive etwas anderes gemeint: nämlich, dass alles an Bedeutung verliert, wenn man sie erst einnimmt. Der Planet Erde ist viereinhalb Milliarden Jahre alt, und er wird wohl mindestens noch einmal so lange existieren, bevor die Sonne verglüht. Es gab bereits unzählige Lebensformen vor uns, und es wird unzählige nach uns geben. Und überhaupt ist die Erde nur ein Staubkorn in einem gigantisch großen Universum. Der Klimawandel ist zwar für viele jetzt lebende Lebewesen ein Problem – aber im großen Ganzen bleibt er doch eine Fußnote. Sollten wir ihn also nicht einfach etwas weniger wichtig nehmen?

Aus einer kosmischen Perspektive auf die Welt und unser Treiben in ihr zu blicken, kann zuweilen wirklich tröstlich sein. Unter dem Gesichtspunkt der Ewigkeit lässt sich etwas Ruhe bewahren – mit Blick auf alltägliche Ärgernisse, persönliche Krisen und selbst politische Brandherde. Vielleicht gibt es also tatsächlich eine entrückte Perspektive aus dem All, aus der unsere ökologische Krise nicht besonders zentral ist.

Doch dieser Effekt der Beruhigung tritt nur so lange ein, wie wir in der kosmischen Perspektive verharren. Aber das ist eben nicht die menschliche Perspektive, zumindest nicht dauerhaft.

Worum geht es in diesem Buch?
Konstruktiv über das Klima streiten? Dieses Buch zeigt: Es geht!

«Man wird sich wohl noch etwas gönnen dürfen.»
«Die Katastrophe lässt sich eh nicht mehr aufhalten.»
«Der Markt wird das schon regeln.»

Solche Pauschalaussagen zum Thema Klimawandel sind inzwischen ständig zu hören. Es muss besser gehen! Mit einem klugen Zwischenruf intervenieren fünf Philosophinnen und Philosophen in ein Stimmengewirr, das anderes braucht als populistische Empörung oder müdes Abwinken. Wer eine Position vertreten will, muss sie erst einmal begründen können. Wie schlüssig ist etwa eine Behauptung wie: «Allein kann ich eh nichts bewirken»? Dieses Buch ermutigt alle, die unsere Zukunft nicht den Lautesten überlassen wollen – und zeigt, wie nützlich die Philosophie für die großen Entscheidungen der Gegenwart ist.

Warum muss man dieses Buch gelesen haben?
In 20 kurzen Häppchen zu je fünf Seiten kann man entdecken, wie philosophische Reflexion nicht bloss eine Spielerei ist, sondern zur Lösung unserer grossen Herausforderungen beitragen kann.

  • Das Buch im Hanser Verlag

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Author

Lovis Noah Cassaris ist Wissenschaftler’in (Dr. in Deutscher Sprachwissenschaft), Schriftsteller’in und nach einem CAS am MAZ auch als freie’r Wissenschaftsjournalist’in tätig. Seit 2018 arbeitet Lovis in der Redaktion von Unicom Kommunikation & Medien der Universität Freiburg.

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