Ein Seminarraum wird öffentlich – Adela Sophia Sabban über den Blog Lit:Seminar

Ein Seminarraum wird öffentlich – Adela Sophia Sabban über den Blog Lit:Seminar

Seit 2021 arbeitet Adela Sophia Sabban als Diplomassistentin am Departement für Germanistik. Neben Forschung und Lehre betreibt sie ein Herzensprojekt: den Blog Lit:Seminar, auf dem Lehrende und Studierende der Germanistik ihre Erfahrungen in den Seminaren teilen.

«Es gibt so viele spannende Einblicke in die Lehre, die auch ausserhalb der Universität relevant sind. Das möchte ich sichtbar machen», betont Sabban. Lit:Seminar richtet sich an alle, die sich für Literatur, Lehre und die Praxis des wissenschaftlichen Arbeitens interessieren.

«Es sind in letzter Zeit viele schöne und spannende Beiträge erschienen, die zeigen, was im Germanistikstudium alles passieren kann», sagt Sabban. «Viele davon sind germanistisch-literaturwissenschaftliche Seminare, aber nicht nur – es gibt auch romanistische und allgemein kulturwissenschaftliche Seminare. Ich finde, das zeigt sehr gut, was an den Unis alles gemacht wird – und zwar nicht nur auf Studierenden-, sondern auch auf Dozierenden-Seite.» Oft bleibe das, was in Seminaren tatsächlich entstehe, unsichtbar, obwohl es für eine breite Öffentlichkeit interessant wäre – genau das möchte Sabban mit ihrem Blog ändern.

Vom Diplomprojekt zum Blog
Entstanden ist die Idee für Lit:Seminar im Rahmen ihrer hochschuldidaktischen Weiterbildung: «Ich habe mich in meiner Diplomarbeit mit der Frage beschäftigt, welche Formen von Projektseminaren es in der germanistischen Literaturwissenschaft geben kann – also was man ausserhalb des klassischen Seminars machen kann.»

Während ihrer Ausbildung interviewte Sabban Dozierende zu innovativen Seminarformaten. «Diese Interviews waren zunächst für die Diplomarbeit gedacht, wurden dann aber der Startpunkt für den Blog. Ich fand es spannend, hochschuldidaktische Überlegungen öffentlich zu machen – und so entstand Lit:Seminar.» – Nun auch von der Deutschen Nationalbibliothek mit einer ISSN-Nummer versehen.

Vielfalt und Praxisbezug
Mittlerweile ist der Blog zu einer Plattform geworden, die Projekte aus ganz unterschiedlichen Universitäten versammelt, z. B. aus Paderborn: «Dort haben Studierende im Sommersemester in einem Seminar von Anna Maria Spener einen wissenschaftlichen Sammelband erstellt. Ein Jahr zuvor hatten sie bereits eine Tagung organisiert, und das Folgeseminar diente der Erarbeitung des Sammelbands. Ich finde das besonders schön, weil man daran sieht, wie viel Arbeit in so einem Projekt steckt – und das wird im Blog sichtbar gemacht.»

Besonders beeindruckt habe sie auch ein Seminar von Prof. Dr. Martina Wernli aus Frankfurt zu Kanonfragen: «Gender und Kanon – wer gehört dazu, wer nicht? Dort haben die Studierenden im Seminar gebloggt. Das fand ich grossartig.»

Die Vielfalt der Projekte, die sie auf dem Blog dokumentiert, zeigt, dass das Studium weit über den Seminarraum hinausgehen kann.

Vernetzung über Ländergrenzen hinweg
Lit:Seminar läuft auf Hypothèses, der Plattform für Geistes. Und Sozialwissenschaftler_innen. «Interessanterweise gibt es immer wieder Leser_innen aus den USA», sagt Sabben, die den Blog allein betreibt. «Ich sehe in den Insight, wie stark die Zugriffe steigen, wenn einer der Artikel auf der deutschen Startseite von Hypothèses vorgestellt wird», erzählt sie.

Ein Beispiel für die internationale Vernetzung ist der Germanist Dr. Ritwik Gajendragadkar aus Indien, der bisher zwei Beiträge beigesteuert hat. «Besonders sein erster Text, in dem er das Germanistikstudium in Indien und Deutschland verglichen hat, hat grosses Interesse geweckt – vor allem in seiner indischen Community. Das hat mich sehr gefreut.»

Schreiben und Lernen
Sabban lektoriert alle Texte selbst. «Das ist viel Arbeit, gerade wenn Studierende schreiben, die noch nicht so geübt sind. Ich bearbeite Sprache, Stil, Struktur – und kümmere mich auch um Dinge wie Bildbeschreibungen für Barrierefreiheit. Das sind kleine, aber wichtige Details.» Trotzdem überwiege für sie die Freude: «Gerade Studierende freuen sich, dass sie etwas veröffentlichen können – das passiert im Studium sonst selten. Viele sagen, dass sie es toll finden, dass ihre Texte wirklich erscheinen und gelesen werden.» Und natürlich sehe das im Lebenslauf der Studierenden auch gut aus.

Einige Dozierende integrieren das Bloggen inzwischen direkt in ihre Lehre. «In Paderborn hat die Dozentin das gleich zu einem Teil der Prüfungsleistung gemacht. Ich finde das toll – es ist eine andere, aber wertvolle Form des wissenschaftlichen Schreibens.»

Dass sie ihre Texte sorgfältig überarbeitet, versteht Sabban als Teil ihrer Verantwortung. «Ich lektoriere immer konstruktiv. Ich finde, man lernt am meisten durch kluges Feedback.»

Mitmachen erwünscht
Wer selbst über ein Seminar berichten, einen eigenen Beitrag verfassen oder ein spannendes Lehrprojekt sichtbar machen möchte, ist herzlich eingeladen, sich bei Adela Sophia Sabban zu melden. Der Blog Lit:Seminar lebt von neuen Perspektiven und der Vielfalt der Stimmen aus der germanistischen und kulturwissenschaftlichen Lehre.

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Author

Lovis Noah Cassaris ist Wissenschaftler’in (Dr. in Deutscher Sprachwissenschaft), Schriftsteller’in und nach einem CAS am MAZ auch als freie’r Wissenschaftsjournalist’in tätig. Seit 2018 arbeitet Lovis in der Redaktion von Unicom Kommunikation & Medien der Universität Freiburg.

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