Neue Wege gehen – Jobsharing

Neue Wege gehen – Jobsharing

Alke Fink und Barbara Rothen teilen sich eine Professur am Adolphe-Merkle-Institut. Wie sieht Jobsharing im Alltag konkret aus und warum schwärmen die beiden für das Modell? Ein Interview.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie gemeinsam ein alternatives Arbeitsmodell vorleben? 
Alke Fink: Wir hatten beide eigenständige Arbeitsgruppen, kannten uns aber von einem Forschungsprojekt. Unabhängig voneinander haben wir von diesem Jobsharing-Modell in Freiburg von zwei Kollegen im Magazin «Horizonte» gelesen. Die Jobannonce «Professur BioNanomaterialien» traf auf uns beide, also Biologie & Nanomaterialien zu.

Barbara Rothen: Wir haben uns im Sommer 2010 auf die Professur in BioNanomaterialen aus verschiedenen Gründen gemeinsam beworben. Einerseits, weil wir beide komplementäre Fachwissen haben, die sich hervorragend ergänzen. Andererseits hatten wir beide zu diesem Zeitpunkt noch kleine Kinder und das Institut war im Aufbau begriffen. Uns war klar, dass es sich nicht nur um ein 100%-Pensum handeln würde.

Was heisst Jobsharing in Ihrem Alltag konkret?  
Barbara Rothen: Wir haben zum Beispiel die Hauptverantwortung für die Doktorierenden je nach Thema klar aufgeteilt, aber wenn eine von uns einmal nicht da ist, dann steht die Kollegin für wichtige Entscheidungen zur Verfügung. Und je nach Thema und Fragestellung können wir unterschiedliche Ansichten einbringen.

Alke Fink: Projekte bearbeiten wir mit den Mitarbeitenden oft gemeinsam und bekommen so beide Disziplinen in das Projekt bzw. bilden wir die Mitarbeitenden parallel im anderen Fach aus. Administrative Aufgaben übernimmt mal die Eine, mal die Andere. E-Mails beantwortet mal die Eine, mal die Andere etc.

Worin sehen Sie die Vorteile eines solchen Modells? 
Barbara Rothen: Eine Führungsaufgabe beinhaltet auch schwierige Entscheidungen wie zum Beispiel die strategische Ausrichtung der Forschung oder die Mitarbeiterführung. Da ist es unglaublich wertvoll, wenn man sich austauschen kann und auch auf die Erfahrungen der Kollegin zählen kann. Auch können wir uns gegenseitig aufbauen und unterstützen, wenn bei einer von uns einmal die Motivation für eine Aufgabe fehlt.

Alke Fink: Es hilft in einer solchen Position, sich und seine Entscheidungen manchmal zu hinterfragen. Das ist nicht immer möglich oder einfach, und da hilft oft der «Reality Check» einer zweiten Person, der man vertraut. Barbara hat wahrscheinlich von geteilter Verantwortung bei dieser Frage gesprochen, was sicher ein sehr wichtiger Punkt ist.

Alke Fink (links) und Barbara Rothen (rechts), Bild: Sven Bachmann

Es ist Ihnen selbst ein grosses Anliegen, ob Jobsharing zu sprechen. Warum ist es so wichtig, darüber zu reden?
Barbara Rothen: Wir haben erst letzthin im Gespräch mit jungen Forschenden bemerkt, wie wenig dieses Modell über Freiburg hinaus bekannt ist und es doch bei vielen Forschenden mit Familie auf grosses Interesse stösst. Wir möchten Nachwuchsforschende anregen, neue Wege zu gehen und weitere Ideen vorzuschlagen, und dann ist es wichtig, dass Entscheidungsträger_innen den Mut haben, sich auf diese Ideen einlassen.

Alke Fink: a) Weil viele es mit Teilzeitarbeit verwechseln. b) Das Modell passt nicht für jede_n und für alle Positionen, aber vielleicht doch öfter, als man sich vorstellen kann. Aber es scheint vielen noch nicht klar zu sein, dass und wie diese Symbiose funktioniert und unter welchen Voraussetzungen.

Gehen Sie sich manchmal gegenseitig auf die Nerven? Wie lösen Sie das?
Barbara Rothen: Ja, klar, vor allem wenn Alke wieder einmal erst kurz vor einer Deadline ihren Input gibt. 😊 Mittlerweile kennen wir uns aber so gut, dass wir gelernt haben, damit umzugehen und sprechen sehr offen und ehrlich miteinander.

Alke Fink: Barbara motzt sicher grad über meine Einstellung zu Deadlines … dafür macht sie mich schon zwei Wochen vor der  Deadline ganz kribbelig … Macht nix, dann tritt mir jemand in den Hintern und ich krieg’ nicht zwei Stunden vor der Deadline einen Herzkasper.

Dass sich zwei Frauen eine Professur teilen – und dann auch noch in einem MINT-Fach – sorgt auch heute noch für Aufsehen. Wie sind die Reaktionen in Ihrem Umfeld?
Barbara Rothen: Viele sind immer noch erstaunt, dass es diese Möglichkeit auf der Stufe einer Professur gibt und fragen uns dann nach Details, wie genau wir das angegangen sind.

Alke Fink: Gemischt. Von begeistert zu ablehnend. Vor allem aber oft wenig informiert, auf beiden Seiten, was möglich ist und was eben nicht.

Zum Schluss: Welche Qualität(en) sollte ihre Kollegin unbedingt beibehalten?
Barbara Rothen: Alke ist eine kreative Forscherin mit vielen fantastischen Ideen, auch schätze ich ihre direkte Persönlichkeit und natürlich, dass ich mich zu 100% auf sie verlassen kann.

Alke Fink: Ihr Optimismus und ihre strukturierte Arbeitsweise. Ihr Glas ist halb voll, meins halb leer, aber wir haben ein Glas und da ist was drin!

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Author

Lovis A. Hoppmann ist Germanist_in, Philosoph_in und Autor_in, seit 2018 zudem Redaktor_in und Social-Media-Expert_in im Team Unicom. Lovis bezeichnet sich selbst als Textarchitekt_in und verfasst in der Freizeit Romane und Kurzgeschichten.

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