«Es fühlt sich an, als würde ich Geschenke von einer Wunschliste streichen»

«Es fühlt sich an, als würde ich Geschenke von einer Wunschliste streichen»

Die Bibliothek für Soziologie, Sozialpolitik und Sozialarbeit (STS) ist für Salomé Voirol ein ganz besonderer Ort. Warum das so ist und wie das Bibliotheksleben in Zeiten von Corona aussieht, erzählt sie uns in ihrem Bericht.

Ich heisse Salomé Voirol und bin seit einem Jahr Hilfsbibliothekarin in der Bibliothek für Soziologie, Sozialpolitik und Sozialarbeit (STS). Die Bibliothek ist am gleichnamigen Institut angehängt, wo ich derzeit auch meinen Master absolviere. Sie befindet sich im Untergeschoss des Institutsgebäudes Ste Agnès. Dieses liegt am Stadtrand, etwas ausserhalb des universitären Hauptgebäudes.

Unsere Bibliothek
Beim Eintritt in die Bibliothek steht man zunächst in einem schmalen Korridor. Links sind die Neuheiten aufgereiht. Rechts befinden sich die aktuellen Zeitschriften und der Eingang zu unserem Büro, das gleichzeitig der Ausleihe und Rückgabe dient. Unsere Tür ist immer offen. Mit einem Team aus vier Frauen unter der Leitung von Iris Thaler unterstützen wir Besucher_innen beim Navigieren durch den Bibliotheksbestand. Dieser umfasst ca. 20‘000 Medien. Darunter verfügt die Bibliothek über zahlreiche Zeitschriften, von denen die ältesten ins ausgehende 19. Jahrhundert zurückreichen. Die Zeitschriften, die in gelbe Einbände gebunden sind, fallen beim Betreten der Bibliothek denn auch gleich ins Auge. Links im Zeitschriftenkorridor gibt es drei Computerarbeitsplätze.

Weitere Arbeitsplätze befinden sich im Lesesaal zu Rechten des Korridors. Dort stehen den Besucher_innen drei weitere Computer zur Arbeit und Recherche sowie einige zusätzliche Tische zum Lesen, Lernen und Verweilen zur Verfügung. Üblicherweise sind es ca. zwölf Arbeitsplätze. Derzeit ist die Anzahl Besucher_innen im Lesesaal jedoch auf fünf beschränkt. Da sich die Bibliothek im Untergeschoss befindet, ist es auch bei heissem Wetter angenehm kühl. Die vielen Fenster bringen frische Luft und Tageslicht in die Bibliotheksräume. Auf der einen Seite bieten die Fenster ausserdem einen schönen Blick ins Grüne, wo sich ein Park befindet.

Vom Lesesaal gelangt man direkt zu den Bücherregalen, die nach einer eigenen Klassifikation sortiert sind. Thematisch ist der Bestand im Bereich Soziologie, Sozialpolitik und Sozialarbeit sowohl auf Deutsch wie auf Französisch und teils Englisch breit gefächert. Darunter fallen auch Beiträge zu sozialen Problemen und Problemstellungen, Gender Studies, Armut, Migration, Gesundheit und Strafvollzug. Dabei bietet die Liste der Klassifikation Bibliotheksbesucher_innen eine gute Orientierung anhand derer die Bücherbestände durchstöbert werden können. Zusätzlich führt die Bibliothek eine Liste sämtlicher, auch archivierter Zeitschriften, sowie aller Lizentiats- und Masterarbeiten.

Mein Arbeitsalltag, meine Perspektive
Auch unser Team steht den Besucher_innen natürlich bei der Recherche und ganz grundsätzlich bei Fragen zur Seite. Als Hilfsbibliothekarin bin ich an 3 Halbtagen in der Bibliothek. Von meinem Arbeitsplatz aus sehe ich neuerdings zunächst die Glasscheibe, die uns in Coronazeiten vor Ansteckungen schützt. Durch die Scheibe sehe ich die Neuerscheinungen und die frisch eintretenden Bibliotheksbesucher_innen.

Neben Ausleihen und Rücknahmen bin ich dabei vor allem für die Pflege unseres Zeitschriftenbestandes verantwortlich. Ich überprüfe, ob alle Bestellungen angekommen sind und integriere die neuen Zeitschriften in unser Sortiment. Besonders Spass macht das Auspacken der neu zugestellten Zeitschriften. Wenn ich die neuen Nummern dann auf dem virtuellen Bibliothekskatalog abhake, fühlt es sich an, als würde ich Geschenke von einer Wunschliste streichen. Sind die Zeitschriften Ende Jahr komplett, bin ich dafür verantwortlich, sie bei einer Buchbinderei einzusenden. Sie kommen dann als Bücher mit einem frischen gelben Einband zurück und werden von mir im Zeitschriftenkorridor einsortiert. Auch bei den zurückgebrachten Büchern bin ich dafür zuständig, sie wieder in unseren Bestand einzuordnen. Des Weiteren tätige ich Bestellungen und Rücknahmen aus der Zentrale (BCU) und stelle Reservationen für die Abholung bereit. Bei älteren Büchern nehme ich teilweise leichte Flickarbeiten vor. Ich mag solche manuellen Arbeiten, auch einfache Sachen wie das Wiederankleben einer Etikette. Grundsätzlich

empfinde ich die Arbeit in der Bibliothek als befriedigend, da ich für mich kleine «Tasks» setzen und relativ schnell erfolgreich erledigen kann.  Besonders schätze ich auch den sozialen Kontakt. Einerseits im Team, andererseits im Kontakt mit den Bibliotheksbesucher_innen, bei dem ich merke, dass unsere Dienstleistung geschätzt wird. Das macht die Arbeit zu einer sinnstiftenden Tätigkeit. Spannend ist es, wenn ich miterleben kann, wie Studierende beim Anfang einer Arbeit einen Stapel Bücher ausleihen und diesen dann nach viel Mühe und Arbeit wieder in die Bibliothek zurückbringen. Häufig ist dieser Bücheraustausch von einem persönlichen Austausch begleitet und da ich mich häufig in ähnlichen Prozessen befinde, kann dies sehr wertvoll sein.

Besondere Werke
Meine Lieblingsbücher in der Bibliothek sind die Marx-Engels-Werke. Sie bieten mir ein Stückchen politische Heimat in der Bibliothek. Erwähnenswerte Werke von Institutsseite sind die hauseigenen Publikationen. Darunter fällt die Seismo-Reihe «Differenzen» und die «Res socialis», welche von Schwabe herausgegeben werden. Das älteste Werk ist wahrscheinlich die erste Nummer der «Caritas» aus dem Jahr 1896.

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Webseite der Bibliothek für Soziologie, Sozialpolitik und Sozialarbeit (STS)

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Author

Lovis A. Hoppmann ist Germanist_in, Philosoph_in und Autor_in, seit 2018 zudem Redaktor_in und Social-Media-Expert_in im Team Unicom. Lovis bezeichnet sich selbst als Textarchitekt_in und verfasst in der Freizeit Romane und Kurzgeschichten.

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