Die Wohlfahrtsregimeforschung hat sich lange Jahre hauptsächlich auf die Länder des Globalen Nordens konzentriert. Erst in den letzten zwei Dekaden hat sich die theoretische und empirische Auseinandersetzung mit Ländern des Globalen Südens intensiviert. Die verbreitete Vorstellung, dass die Staaten in ganzen Weltregionen nahezu nichts für die soziale Sicherung ihrer Bevölkerung unternehmen oder diese sogar aktiv gefährden, hat sich dabei relativiert: In den letzten Jahren ist in vielen Ländern eine bemerkenswerte sozialpolitische Dynamik feststellbar. Die verschiedenen wissenschaftlichen Wohlfahrtsregime-Typologien können diesen Entwicklungen nur zum Teil gerecht werden. Der erste Teil des Kurses widmet sich verschiedenen theoretischen Ansätzen, welche ver-suchen, die Einführung von Sozialpolitiken zu erklären. Diskutiert werden Einflüsse wie Kolonialismus, internationale Geldgeber, globale Sozialpolitik und Politiklernen. Hinzu kommen innerstaatliche Faktoren wie politische Prozesse, Machtressourcen, Parteiendifferenz und – konkurrenz. Die Aussagekraft dieser theoretischen Ansätze wird in einem zweiten Teil mit sozialpolitischen Beispielen aus Subsahara-Afrika diskutiert. Parallel dazu erarbeiten sich die Studierenden ein eigenes Fallbeispiel in einer anderen, gemeinsam ausgewählten Weltregion. Sie stellen dieses Beispiel in der Abschlusssitzung vor, in der ein regional vergleichendes theoretisches Fazit gezogen wird. Das Länderbeispiel wird anschliessend in schriftlicher Form abgegeben. Für ausgewählte Sozialpolitiken in Subsahara-Afrika wird zudem deren Implementation diskutiert, wobei die Sicht «von unten» (Nutzer:innen und verschiedene Arten von Street-Level-Bürokrat:innen) im Zentrum steht. Der Kurs befähigt so die Studierenden, die Entstehung und Dynamik von Sozialpolitiken im Globalen Süden theoriegeleitet zu analysieren und deren Implementierung kritisch zu reflektieren. |