Vorlesung: Allmächtig sein, ohne alles tun zu können (pme, eme)
UE-L01.02894
| Dozenten-innen: Trego Kristell |
| Kursus: Bachelor |
| Art der Unterrichtseinheit: Vorlesung |
| ECTS: 3 |
| Sprache-n: Deutsch |
| Semester: FS-2027 |
Wer hat nicht schon einmal davon geträumt, allmächtig zu sein? Man mag sich Allmacht wünschen. Aber was bedeutet es? Der Mensch ist nicht allmächtig. Nur ein Gott kann allmächtig sein. Während das Christentum Gott als „allmächtigen Vater“ verkündet, stellt der Islam Gott als „mächtig über alle Dinge“ dar. Doch wie ist diese Allmacht zu verstehen, und wie weit reicht sie? Bedeutet Allmacht, lügen oder täuschen zu können? Die Vergangenheit verändern zu können? Zu bewirken, dass 2 + 2 = 5 ist? Hans Jonas fragt sich zudem, wie ein allmächtiger Gott Auschwitz zulassen konnte.
Ausgehend von theologischen Überlegungen zur Allmacht vom Mittelalter bis zur Moderne möchte dieser Kurs unser Streben nach Allmacht hinterfragen und aufzeigen, dass Allmacht nicht bedeutet, alles tun zu können. Zweifellos stellt die Anerkennung der Allmacht den natürlichen oder gewohnten Rahmen auf den Kopf. Gott könnte bewirken, dass aus einer Schildkröte ein Krokodil entsteht oder dass sich ein rosa Elefant hinter den Wolken versteckt. Zweifellos. Aber muss man nicht zumindest die Vernunft als Grenze anerkennen? Gott könnte zwar nichts Widersprüchliches tun, aber vielleicht würde er auch nichts tun wollen, was der Vernunft widerspricht. So dargestellt, ermöglicht uns die Debatte über die Allmacht Gottes, unser eigenes Handeln zu hinterfragen. Was bringt es denn, die Weltordnung auf den Kopf zu stellen?
Dokumentation
Divine Omniscience and Omnipotence in Medieval Philosophy. Islamic, Jewish and Christian Perspectives, hrsg : Tamar Rudavsky, Springer, 1994
