Philosophie des Mittelalters (pme)
Sich mit mittelalterlicher Philosophie zu beschäftigen bedeutet, die Wurzeln der europäischen Kultur zu verstehen, aber auch zu lernen, sich selbst zu relativieren, um andere Denkweisen zu entdecken.
Das Mittelalter ist nicht nur eine Übergangsphase zwischen Altertum und Moderne; das mittelalterliche Denken war nicht bloss ein Lager für die philosophische Tradition des griechischen oder lateinischen Altertums; es war auch ein philosophisches Labor, in dem neue Themen wie originelle Konzeptualitäten entstanden sind, die das moderne Denken nachhaltig geprägt haben, weil sie grundlegend waren.
An den im 13. und 14. Jahrhundert gegründeten Universitäten werden die Disputationen zum Ort, an dem lebendiges Denken entsteht: Man wiederholt nicht nur Aristoteles, sondern untersucht die grossen philosophischen Fragen genaustens aufs Neue, indem man den Argumenten auf den Grund geht: Was ist das Sein? Was ist der Mensch? Was heisst denken? Wie kann ich meine Handlungen frei wählen?
In einem weiteren Sinne entstanden über das gesamte Mittelalter hinweg sowohl im lateinischen Christentum als auch in der islamischen Welt mächtige Denkrichtungen, die nicht nur versuchten, den Text der Offenbarung zu erklären, sondern auch die Art und Weise zu beschreiben, wie der Mensch in der Welt existiert.
Die Lehre der mittelalterlichen Philosophie in Freiburg bietet eine Einführung sowohl in die klassische lateinische Philosophie als insbesondere auch in das in der islamischen Welt entwickelte Denken. Die Autoren und Texte werden sowohl aus thematischer Perspektive (Erkenntnistheorien, Metaphysik, Naturphilosophie, Ethik) wie auch historischer Perspektive (Beachtung des Kontextes, soweit er zur Erläuterung der Texte beiträgt) behandelt.
Im Allgemeinen möchte der Freiburger Lehrstuhl für mittelalterliche Philosophie ein Ort der Offenheit für orientalisches Denken sein.
