Eine ambulante Klinik von Studierenden für Studierende
Zwei Abende pro Woche öffnet die CoSaMo-Klinik ihre Türen für Studierende, die eine primäre Gesundheitsversorgung benötigen – und das zu einem günstigen Preis. Dort werden sie von Studierenden der Krankenpflege, Osteopathie und Medizin empfangen, angehört und behandelt. Das Projekt ist eine Zusammenarbeit zwischen der Hochschule für Gesundheit Freiburg und der Universität Freiburg und stellt die Interprofessionalität in einer ambulanten primären Gesundheitsversorgungsstruktur in den Vordergrund.
CoSaMo (Consultation santé Mozaïk) ist eine Lehrklinik, in der Studierende der Pflege und Osteopathie der Hochschule für Gesundheit Freiburg (Heds-FR) sowie Medizinstudierende der Universität Freiburg (Unifr) zusammenarbeiten. Die 2020 eröffnete ambulante primäre Gesundheitsversorgungsklinik erfüllt mehrere Funktionen. Einerseits ermöglicht sie allen Studierenden den Zugang zu Gesundheitsberatungen für den bescheidenen Betrag von 15 Franken. Andererseits bietet sie den Studierenden, die diese Konsultationen durchführen, die Möglichkeit, sich in einer ambulanten und interprofessionellen Einrichtung weiterzubilden – zwei Merkmale, die in üblichen Praktikumsstellen nur selten gleichzeitig anzutreffen sind.
Das Projekt wurde konzipiert, um sowohl das Ausbildungsangebot der beiden Institutionen als auch die Leistungen des lokalen Gesundheitssystems zu ergänzen. «Wir haben festgestellt, dass es im Kanton Freiburg nur wenige spezifische Angebote für Patientinnen und Patienten zwischen 18 und 25 Jahren gibt», erklärt ausserordentliche Professorin Florence Carrea-Bassin, die leitende Pflegefachfrau von CoSaMo. Eine Lücke, die sich auch im Ausbildungsbereich der Studierenden widerspiegelte: «Sowohl im Spital als auch in Hausarztpraxen trifft man nur selten auf junge Erwachsene», berichtet Léo Spielmann, ein Medizinstudent, der 2025 an CoSaMo teilgenommen hat. Aus diesen beiden Gründen wurde die Patientengruppe dieser Altersklasse als Zielpopulation des Projekts definiert.
Von Sportverletzungen bis hin zu psychischen Problemen
Diese Bevölkerungsgruppe weist tatsächlich sehr spezifische Gesundheitsprobleme auf und eröffnet den Gesundheitsfachpersonen in Ausbildung dadurch besondere Lernmöglichkeiten. Dazu gehören insbesondere Präventionsthemen rund um Konsumverhalten und Sexualität, wodurch CoSaMo eine Stütze für das Freiburger Zentrum für sexuelle Gesundheit darstellt. Darüber hinaus sind die in der Lehrklinik angebotenen Leistungen vielfältig: von delegierten Massnahmen wie Fadenentfernungen oder Injektionen über präventive Gesundheitschecks mit Beratung zu Lebensgewohnheiten bis hin zu dermatologischen Behandlungen und Impfungen.
Und auch wenn unter allen Konsultationsgründen Gelenkbeschwerden statistisch gesehen an erster Stelle stehen, nehmen psychische Probleme bei CoSaMo in Wirklichkeit einen bedeutenden Platz ein. «Es ist einfacher zu sagen: ‚Ich habe Rückenschmerzen‘ als ‚Mir geht es nicht gut, ich bin zu gestresst‘», bemerkt ao. Prof. Carrea-Bassin mit einem Lächeln. Sie ergänzt: «Mit dem psychosozialen Anamneseansatz HEADSSS* gelingt es uns, ein gewisses Mass an Früherkennung im Bereich der psychischen Gesundheit zu erreichen.» In dieser Hinsicht ist es umso interessanter, dass die Konsultationen von Gleichaltrigen durchgeführt werden, denn oft fällt es leichter, mit jemandem im gleichen Alter über seine Sorgen zu sprechen, der möglicherweise ähnliche Erfahrungen macht.
Interprofessionalität einmal anders
Junge Ärztinnen und Ärzte, Pflegefachpersonen sowie Osteopathinnen und Osteopathen werden von Fachpersonen der jeweiligen Fachrichtung betreut. Diese begleiten sie bei klinischen Überlegungen und tragen zur Organisation der Zusammenarbeit bei, damit alle ihre Lernziele erreichen können. Während die Betreuungsteams durch die Heds-FR koordiniert werden, erfolgt die Einbindung der Medizinstudierenden über das Institut für Hausarztmedizin (IHM) der Unifr. «Für sie ist die Teilnahme an CoSaMo freiwillig und ehrenamtlich», erklärt Dr. Olivier Pasche, Vizedirektor des IHM, «wir unterstützen deshalb, dass sie ihren Praktikumsort vorzeitig verlassen dürfen, um daran teilzunehmen.» Das IHM ist stark in den Masterstudiengang Medizin der Unifr eingebunden und übernimmt den Grossteil der interprofessionellen Lehrveranstaltungen.
Gerade diese Interprofessionalität unterscheidet CoSaMo von klassischen Lehrkliniken. Zwar ist interprofessionelle Zusammenarbeit sowohl im Curriculum der Heds-FR als auch der medizinischen Fakultät verankert, doch wird sie nur selten im ambulanten Kontext trainiert. «Hier gelten nicht ganz dieselben Modalitäten der Zusammenarbeit wie im Spital», erklärt ao. Prof. Carrea-Bassin. Ebenso ungewöhnlich ist, dass diese Kompetenz unter Gleichaltrigen vermittelt wird. «Die Studierenden besuchen Vorlesungen bei verschiedenen Fachleuten aus dem Gesundheitswesen, aber es kommt selten vor, dass sie unter Gleichaltrigen in der Ausbildung an realen klinischen Situationen üben können – wie es bei CoSaMo der Fall ist», betont Dr. Pasche.
Voneinander lernen
Durch den Austausch auf Augenhöhe können sich Studierende gegenseitig mit dem spezifischen Fachwissen ihrer jeweiligen Fachrichtungen bereichern. «Die Osteopathinnen und Osteopathen verfügen beispielsweise über sehr praxisnahes Wissen zu Muskelbeschwerden und können direkt manuelle Techniken anwenden sowie den Patientinnen und Patienten Übungen zeigen», betont Léo Spielmann. «Muskuloskelettale Beschwerden kommen in der Grundversorgung sehr häufig vor», ergänzt ausserordentlicher Professor Marcel Paturel, Ausbilder für Osteopathie bei CoSaMo. «Deshalb ist es für die Patienten und Patientinnen von Vorteil, wenn ihre Ärztin oder ihr Arzt die Möglichkeit einer mechanischen Behandlung kennt, die oft geeigneter ist als die Einnahme von Schmerzmitteln.»
Und nicht nur die Studierenden lernen bei diesen interdisziplinären Konsultationen von ihren Kolleginnen und Kollegen: «Es ist faszinierend zu hören, wie Osteopathinnen und Osteopathen argumentieren», erzählt Dr. Eléonore Zurkinden, medizinische Supervisorin bei CoSaMo, «denn als Hausärztinnen und Hausärzte kennen wir wenig über ihren Beruf.» Ao. Prof. Paturel wiederum entdeckte durch CoSaMo einen Aspekt der Krankenpflege, den er zuvor kaum wahrgenommen hatte: «Pflegefachpersonen verfügen neben medizinischen und psychologischen Kompetenzen über ein sehr feines Gespür dafür, Patientinnen und Patienten in ihrem psychosozialen Umfeld einzuordnen, um sie besser zu verstehen.»
Für angehende Ärztinnen und Ärzte ist der Kontakt mit Pflegestudierenden im ambulanten Bereich umso bereichernder, da sie später auch im Spital zusammenarbeiten werden. «Hier gibt es keine Hierarchie und dadurch können wir sehen, wie sie lernen, sich zurechtzufinden, und erkennen, wie fortgeschritten ihre Kompetenzen in Bezug auf Anamnese und klinische Untersuchung bereits sind», bemerkt Léo Spielmann. Den Gesundheitsfachpersonen in Ausbildung ein besseres Verständnis für die anderen Berufe zu vermitteln, war genau die Absicht der Gründerinnen und Gründer von CoSaMo. «Wir hofften, dass dies ein Stück weit die Vorstellung prägen würde, die sie von den Praxen der Zukunft haben können», erklärt ao. Prof. Carrea-Bassin.
Wenn Kompetenzen zusammenkommen
«Man hört immer häufiger von Plänen für Gesundheitszentren oder andere interdisziplinäre Versorgungsstrukturen», sagt Dr. Pasche. Dahinter steht die Idee, unterschiedliche Kompetenzen rund um dieselbe Problematik zu bündeln, um dieses so umfassend und effizient wie möglich anzugehen. «Ich glaube, dass alle Gesundheitsberufe davon profitieren würden, sich besser kennenzulernen», ergänzt ao. Prof. Paturel, «denn wenn wir verstehen, was unsere Kolleginnen und Kollegen tun, haben wir mehr Vertrauen in die Zusammenarbeit, um den Patientinnen und Patienten eine Betreuung anzubieten, die ihren Bedürfnissen bestmöglich entspricht.»
Die Funktionsweise von CoSaMo ist übrigens auch darauf ausgelegt, die Studierenden auf eine mögliche spätere Tätigkeit im ambulanten Bereich vorzubereiten. «Das Ziel ist, dass im Laufe des Semesters jede und jeder alle Rollen durchläuft», kommentiert ao. Prof. Carrea-Bassin, «wenn sie später in einer Praxis arbeiten, müssen sie alle Schritte einer Behandlung beherrschen.» Dies führt zu einer grossen Eigenverantwortung der jungen Gesundheitsfachpersonen. «Ich bin immer wieder beeindruckt, wie motiviert die Medizinstudierenden sind, bei CoSaMo mitzumachen», sagt Dr. Zurkinden, «und vor allem, wie schnell sie selbstständig werden!»
*H.E.A.D.S.S.S.: Leitfaden für das psychosoziale Anamnesegespräch mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Akronym für: Wohnen (Home), Bildung (Education), Aktivitäten/Ernährung, Drogen, Sexualität, Sicherheit, Stress/Psychische Gesundheit/Suizid.
Text: Léa Chabaud
Übersetzung: Alicia Hayoz
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