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Gute Ausbildungskultur verhindert Lehrvertragsauflösungen


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In Betrieben mit einer guten Ausbildungskultur brechen die Lernenden nur selten ihre Lehre ab. Zu diesem Schluss kommt eine Studie der Universitäten Fribourg (CH) und Konstanz. Ein Teil dieser positiven Betriebskultur äussert sich in der Freude an der Lehrlingsausbildung.


Bild: Thinkstock

Rund jeder vierte Lernende steigt vorzeitig aus dem Lehrvertrag aus. Dies ist mit hohen Kosten verbunden sowohl für den Lehrbetrieb, die Jugendlichen und – besonders im Falle von Nichtwiedereintritten in eine Berufsausbildung – langfristig auch für die Gesellschaft. Was sind die Gründe dafür? Und wie kann ein Lehrbetrieb solchen Vertragsauflösungen zuvorkommen? Das in Kooperation zwischen den Universitäten Freiburg und Konstanz durchgeführte Forschungsprojekt «Stabile Lehrverträge – die Rolle des Ausbildungsbetriebs (STABIL)» hat sich unter anderem mit diesen Fragen auseinandergesetzt und ist zum Schluss gekommen, dass eine gute Ausbildungskultur im Lehrbetrieb der beste Garant ist, um Lehrvertragsauflösungen zu verhindern.

Qualität zahlt sich aus


Im Rahmen der Studie wurden im Winter 2012/13 Berufsbildnerinnen und -bildner sowie Betriebsverantwortliche aus rund 350 Lehrbetrieben der Deutschschweiz (18 Kantone) befragt, die Köche/Köchinnen oder Maler/Malerinnen ausbilden. Ein Hauptaugenmerk der Analysen galt der Qualität der Ausbildungsgestaltung, wie sie von Seiten der Ausbildungsstätten angegeben wurde. Relevant waren Fragen nach der Planung und Vorstrukturierung der täglichen Unterweisung, nach dem Aufzeigen von Zusammenhängen der Ausbildungsinhalte, nach der zunehmenden Gewährung von Handlungsspielräumen, nach der Vielfalt und Passgenauigkeit der gestellten Aufgaben sowie nach dem Geben von konstruktivem und lernförderlichem Feedback. Der Vergleich dieser Resultate mit den Daten zu den Lehrvertragsauflösungen hat folgende Gruppen ergeben:

  • eine Gruppe mit einer sehr guten Ausbildungsqualität und zumeist keinen oder nur wenigen Lehrvertragsauflösungen (Gruppe 1; ca. 35 - 45% der Betriebe),
  • eine Gruppe mit einer im Vergleich zu Gruppe 1 schlechteren Ausbildungsqualität, aber keinen oder nur wenigen Lehrvertragsauflösungen (Gruppe 2, ca. 25 - 40% der Betriebe),
  • eine Gruppe mit einer ebenfalls im Vergleich zu Cluster 1 niedrigeren Ausbildungsqualität und zugleich mit einer deutlich erhöhten Zahl an Lehrvertragsauflösungen (Gruppe 3, 25 - 35% der Betriebe).

Das Ergebnis ist auch deshalb bemerkenswert, weil sich keine Gruppe an Betrieben identifizieren lässt, die in der Vergangenheit eine erhöhte Zahl an Lehrvertragsauflösungen zu verzeichnen hatte und zugleich über eine sehr gute Ausbildungsqualität verfügt.

Das Geheimnis des Erfolgs

Ein weiteres Interesse der Forschung galt der Frage, wodurch sich die gefundene «Best-Practice»-Gruppe an Lehrbetrieben (Gruppe 1) besonders auszeichnet. Es hat sich gezeigt, dass (sich) diese Betriebe im Vergleich zu den beiden anderen Gruppen

  • stärker am Bildungsplan orientieren,
  • häufiger deshalb ausbilden, um Jugendliche eine Perspektive zu geben, um den Nachwuchs zu sichern und weil dies Teil der Personalpolitik ist,
  • die höchsten Werte im Bereich der intrinsischen Motivation, d.h. der Freude an der Lehrlingsausbildung ihrer Berufsbildner/in aufweisen,
  • durch mehr genutzte Weiterbildungstage ihrer Berufsbildner/in auszeichnen,
  • über die beste Kooperation mit der Berufsschule berichten.

Die vorliegenden Forschungsergebnisse lassen sich als Beleg dafür interpretieren, dass eine solche «gelebte hohe Ausbildungskultur» zur Verhinderung von vorzeitigen Lehrvertragsauflösungen beitragen kann und sollen sowohl diejenigen Betriebe ermutigen, die eine solche Kultur bereits pflegen wie auch jene, die der Ausbildung noch mehr Aufmerksamkeit schenken können.

Das Forschungsprojekt wurde vom Staatsekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI), dem «Schweizerischen Maler- und Gipserunternehmer-Verband» und «Hotel & Gastro formation» sowie von der Schweizerischen Berufsbildungsämter-Konferenz (SBBK) unterstützt.

Am Dienstag, 13. Mai 2014 werden die Ergebnisse in einem Workshop präsentiert und gemeinsam mit Vertretern der beruflichen Praxis, der Verbände (SMGV und Hotel & Gastro formation), der Berufsbildungspolitik und der Wissenschaft diskutiert.
Informationen: www.unifr.ch/pedg/stabil/de

Folgende Kontakte stehen am 13. Mai von 16.30 bis 17.30 Uhr den Medien zur Verfügung:

Stephan Schumann, Professor für Wirtschaftspädagogik an der Universität Konstanz (deutschsprachig), 026 300 75 83, stephan.schumann@uni-konstanz.de

Jean-Luc Gurtner, Professor für Pädagogik an der Universität Freiburg (französischsprachig), 026 300 75 42, jean-luc.gurtner@unifr.ch


Infos & Anhänge

Publiziert am 12.05.2014


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