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Schöner und besser wachsen - Städtebau als Prozess


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Wer macht eigentlich Siedlungslandschaft und wie entsteht Qualität? Eine soeben veröffentlichte Studie hat die städtebaulichen Prozesse untersucht und zeigt auf, wie Städteplaner und Architekten effektiver an der Entwicklung von Siedlungslandschaft teilhaben können.


(Bild: Thinkstock)

Als gesichts- und konzeptlos wird sie verschrien: Stadtplaner und Architekten äussern oft ein Unbehagen gegenüber der neuen Siedlungslandschaft in peri- und suburbanen Gemeinden. Eine Abfolge von zufälligen Arealen sei sie, ohne inneren Bezug, mehr Unfall als Plan. Und: Sie lasse jegliche Urbanität vermissen. Solche Aussagen bringen die Situation nur vermeintlich auf den Punkt, kritisiert die eben erschienene Studie Prozess Städtebau.

Urbane Brüche


Die Forschergruppe unter der Leitung von Prof. tit. Joris Van Wezemael von der Lehr- und Forschungseinheit Geografie der Universität Freiburg will Städtebau nicht als ästhetisches Resultat, sondern als Praxis verstehen und fragt, wie eigentlich Siedlungslandschaft entsteht. Sie tut dies anhand von Beispielen, wo Städte aktuell gebaut werden, nämlich in Gemeinden, die grossen demographischen Veränderungen ausgesetzt sind: Visp etwa, das mit der Neat plötzlich zum Verkehrknotenpunkt wurde und auf Pendeldistanz zu Bern ging; Wetzikon und Uster, die dank der S-Bahn zum Metropolitanraum Zürich gehören und eine grosse Zuwanderung erfahren; oder St. Margrethen, welches nach dem wirtschaftlichen Niedergang eines grossen Holzverarbeitungsbetriebs neue Nutzungen für eine Industriebrache suchte.

Urbane Brüche nennt die Studie diese von aussen vorgegebenen Veränderungen und fragt nach den Strukturen, Dynamiken und Steuerungsmodi, welche den neuen Siedlungsbildern zu Grund liegen. Welche Akteure, ausser den Stadtplanern und Architekten, waren an diesem Prozess beteiligt? Wie wurde über Städtebau debattiert? Wie wurde das Siedlungsbild oder der Plan umgedeutet, ergänzt, erweitert? Wie wurde er gestärkt oder abgeschwächt, vertuscht, umgeleitet und ab und zu sogar aufgegeben?

Fragmentierter Raum

Van Wezemael kommt zum Schluss: «Eine Landschaft ist Abbild vergangener und aktueller Aktivitäten und somit ein Spiegel der Gesellschaft». Gemeinsam ist diesen Räumen, dass sie – unabhängig vom Prozess, den sie durchlaufen – in verschiedene städtebaulich in sich geschlossene Areale gegliedert und daher fragmentiert sind. «Das kann als eine durch und durch urbane Qualität gelesen werden», stellt Van Wezemael fest, «die wir auch in den historisch gewachsenen Kernstädten vorfinden.» Die Studie zeigte aber auch, dass diese Areale sehr verschieden gestaltet sind. Je stärker die politischen Behörden und ihre technischen Instanzen Einfluss in einzelnen Arealen ausüben konnten, desto urbaner war der Städtebau. Wo deren Einfluss fehlte, war er beliebiger. Ergebnis ist eine Abfolge von heterogenen Bausteinen der Stadtlandschaft.

«Sprawl better» – besser und schöner wachsen! folgert von Van Wezemael und lädt die Städtebauer und Architekten ein, diese neuen Siedlungslandschaften zunächst als gegeben zu akzeptieren. «Nur wenn wir die Siedlungslandschaft und die Kräfte, die bei ihrer Entstehung auf sie wirken, ernst nehmen, können wir in das Wirken gestaltend eingreifen und sie verbessern».

Stärker teilhaben

Die Empfehlungen der Studie zielen auf die stärkere Partizipation der Akteure. «Die Bevölkerung soll am Städtebau teilhaben können», fordert Van Wezemael und empfiehlt, dass die Kommunikation vereinfacht wird. Statt im planerischen Fachjargon sollen mit einfachen Bildern und Geschichten neue urbane Identitäten geschaffen werden. Weiter empfiehlt Van Wezemael, die Möglichkeiten der politischen Prozesse auszuschöpfen und zwar über alle Massstabsebenen hinweg, vom Richtplan über den Nutzungsplan bis hin zu den Detailplänen. Und schliesslich plädiert die Studie dafür, dass die Gemeinden und Regionen sich über die politischen Instrumente und ihre Kombinationen informieren und austauschen.

Die ETH Zürich (Departement Architektur) und die Universität Zürich (Institut für Politikwissenschaft) waren als Projektpartner an der Studie beteiligt. Sie dürfte in Hinblick auf die kommenden raumplanerischen Aufgaben, auf die Umsetzung des neuen Raumplanungsgesetzes und bezüglich des schonungsvollen Umgangs mit dem Boden wertvolle Hinweise geben. Die Studie ist Teil des Nationalen Forschungsprogramms NFP 65 Neue urbane Qualität.

Studie
http://issuu.com/processurbandesign/docs/schlussbericht_example_digit
http://vanwezemael.wordpress.com/

NFP 65
Das Nationale Forschungsprogramm "Neue urbane Qualität (NFP 65)" zielt auf die Entwicklung und Weiterentwicklung von Konzepten und Strategien für eine neue urbane Qualität sowie auf die Prüfung der Umsetzbarkeit der Forschungsergebnisse. Die Ergebnisse sollen mittel- und langfristig realisierbare, innovative Wege in der Stadtentwicklung, im Stadtumbau und Städtebau der Schweiz aufzeigen.


Kontakt
Prof. tit. Joris Ernest Van Wezemael, Lehr- und Forschungseinheit Geographie am Departement für Geowissenschaften der Universität Freiburg, joris.vanwezemael@unifr.ch, 078 764 39 81


Infos & Anhänge

Publiziert am 18.03.2014


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