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Berührungen - eine klare Botschaft mit direkter Wirkung


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Paare können Berührungen als gemeinsame Sprache nutzen, um miteinander in Kontakt zu treten und sich wohl zu fühlen. Eine Studie der Universität Freiburg belegt, dass bereits flüchtige Berührungen eine grosse Bandbreite an Gefühlen und Signalen transportieren können und innerhalb einer Paarbeziehung eine Emotionsregulationsfunktion haben.


Bild: Thinkstock

Wie gehen wir mit Emotionen anderer um? Welche Rolle spielen dabei nonverbale Kommunikationsformen? Die Forschung beschäftigte sich in den letzten Jahren ausgiebig mit der Emotionsregulation. Dabei richtet sich der Fokus aber mehrheitlich auf das Individuum, obwohl fast alle Emotionen in interpersonellen Kontexten entstehen und reguliert werden. Eine Paarbeziehung eignet sich hervorragend um Emotionen zu studieren, da in diesem Kontext viele positive als auch negative Gefühle erzeugt werden können. In einem neuen Ansatz untersuchte Anik Debrot Paarbeziehungen und die Bedeutung von Berührungen im Rahmen ihrer Dissertation unter der Leitung von Prof. em. Meinrad Perrez und in Zusammenarbeit mit Prof. Dominik Schöbi vom Lehrstuhl für Klinische Psychologie der Universität Freiburg und mit Dr. Andrea Horn vom Lehrstuhl für Psychopathologie und Klinische Intervention der Universität Zürich.

Emotionen beschreiben, wenn es klingelt

An der Studie nahmen 102 Paare teil. Die Daten wurden mithilfe eines Taschencomputers (ähnlich einem Smartphone) erhoben. Während einer Woche klingelte das Gerät vier Mal pro Tag und die Probanden beantworteten Fragen etwa in Bezug auf ihre emotionalen Zustände oder die Emotionen dem Partner gegenüber. «Diese Befragungsmethode im Alltag ist vorteilhaft, denn damit konnte die Intimität oder die Emotionen und deren alltäglichen Schwankungen im natürlichen Umfeld erfasst werden, was bei Experimenten im künstlichen Rahmen (Labor) oder mit Fragebögen unmöglich gewesen wäre», schildert Anik Debrot.

Berührungen, eine «Win-Win-Situation»

Im Gegensatz zur verbalen Kommunikation erlauben Berührungen wie etwa die Hand geben, sich sanft liebevoll streicheln oder eine Umarmung, seine Verbundenheit dem Partner eindeutig zu kommunizieren. Anik Debrot kennt mögliche Erklärungen: Der Tastsinn ist eine fundamentale Weise um mit der Aussenwelt in Kontakt zu treten. Berührungen haben eine direkte Wirkung auf die körperliche und kognitive Verhaltensebene der Menschen. «In unserer Studie haben wir Berührungen untersucht, die Reaktionen auf das emotionale Befinden des Partners erzeugen und deutlich Anteilnahme und Zuneigung für den Partner kommunizieren. Wir konnten zeigen, dass einerseits die Qualität der Beziehung sowie die Stimmung sich mit solchen Berührungen verbessern. Im Alltag ist man zwar vielseitig beschäftigt und viele Faktoren können die Stimmung beeinflussen, dennoch üben sogar kleine Berührungen einen positiven Einfluss aus. Andererseits verbessert sich nicht nur die Stimmung des Empfängers der Berührung, sondern auch diejenige des Gebers», so die Psychologin.

Anhaltendes Wohlbefinden

Den Ergebnissen zufolge sind Berührungen eine Form von Interaktion: Beide Partner teilen eine Berührung und beide profitieren davon. Verbundenheit, Nähe und Intimität zwischen den Partnern nimmt zu. Berührungen spielen also bei der Regulation von Gefühlen im partnerschaftlichen Alltag eine wichtige Rolle. Dies wirkt sich langfristig aus und präsentiert sich in einem verbesserten Wohlbefinden beim Partner gemessen 6 Monate später. «Die Mehrheit der Studien und Therapien von Paaren fokussiert auf die verbale Kommunikation. Dennoch sind Berührungen ein bedeutender Teil der menschlichen Beziehungen. Diese Kommunikationsart geschieht schnell, direkt und drückt vieles ohne Worte aus. Unsere Studie zeigt, dass Berührungen eine effektive Weise ist, um die Stimmung des Partners zu verbessern, indem sie beide Partner einander näher bringen», betont Anik Debrot. Die Freiburger Studie ist Teilprojekt des National Center of Competence in Research „Affective Sciences – Emotions in Individual Behaviour and Social Processes“ (NCCR Affective Sciences), dem Forschungszentrum an der Universität Genf für Interdisziplinäre Studien der Emotionen und ihren Einfluss auf den Mensch und die Gesellschaft.


Die Ergebnisse der Studie Touch as an Interpersonal Emotion Regulation Process in Couples’ Daily Lives wurden in der Fachzeitschrift «Personality and Social Psychology Bulletin» veröffentlicht.

Kontakt: Anik Debrot, +41 76 466 62 29, anik.debrot@gmail.com

 


Infos & Anhänge

Publiziert am 22.10.2013


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