17.10.2012

Erkenntnisse zum Gletschervolumen ermöglichen neue Perspektiven


Dank einer neuen, von Forschenden der Universität Freiburg und der ETH Zürich entwickelten Berechnungs-Methode ist es nun erstmals möglich, den globalen Daten zur Gletscherbedeckung die wichtige dritte Dimension hinzuzufügen: Das Gesamtvolumen der Gletscher unseres Planeten. Damit wird eine genauere Bestimmung des künftigen Meeresspiegelanstieges möglich.




Eisplatten vor dem Vatnajökull, Island (Foto: Matthias Huss)

Auf der Erde gibt es mehrere hunderttausend Gletscher, in denen eine beträchtliche Menge an Süsswasser gespeichert ist. Schmilzt dieses Eis, könnte der Meeresspiegel in einen kritischen Bereich ansteigen. Während man die Fläche der Gletscher weltweit mit Satellitendaten relativ einfach bestimmen kann, wurde das globale Gletscher-Eisvolumen bisher nur mit sehr einfachen Näherungsformeln berechnet. Entsprechend gross waren daher die Unsicherheiten was den möglichen Meeresspiegelanstieg betrifft. Matthias Huss der Universität Freiburg und Daniel Farinotti der ETH Zürich ist es nun gelungen, ein Computer-Modell zu entwickeln, das eine genauere Bestimmung des weltweiten Gletschereisvolumens ermöglicht. Ihre Studie dazu wurde eben in der amerikanischen Zeitschrift Journal of Geophysical Research publiziert.

Gross wie drei Länder

Gemäss der neuen Schätzung haben die Gletscher unseres Planeten ein Gesamt-Volumen von 170'000 Kubikkilometern Eis. Zu diesem Resultat kamen die Forschenden mit Hilfe ihrer neu entwickelten Berechnungs-Methode zur Bestimmung von Gletschervolumen. Das Computer-Modell verwendet dabei Daten der Oberflächentopographie, sowie den Umriss des Gletschers und berechnet mit Hilfe von theoretischen Grundlagen des Gletscher-Fliessens für jede Stelle des Gletschers die lokale Eisdicke. Die neue Methode zur Bestimmung des Eisvolumens wurde auf insgesamt fast 200’000 einzelne Gletscher auf allen Kontinenten angewendet und mit einer Vielzahl von Eisdickenmessungen abgeglichen. Der Datensatz deckt somit sämtliche Gletscher der Erde mit Ausnahme der Eisschilde von Grönland und der Antarktis ab. Die analysierten Gletscher bedecken eine Fläche, die insgesamt grösser ist als jene der Schweiz, Italiens und Deutschlands zusammen.

43 Zentimeter

Gemäss der neuen Abschätzung sind rund 170'000 Kubikkilometer Eis in Gletschern gespeichert. Dies entspricht einem möglichen Anstieg des Meeresspiegels um 43 Zentimeter. Im Vergleich zu den bestehenden Abschätzungen des Gletschervolumens ist dies rund ein Drittel weniger. Dieser Unterschied ist darauf zurückzuführen, dass erstmals ein vollständiger Datensatz der aktuellen Gletscherausdehnung zur Berechnung verwendet werden konnte und die Methodik die Charakteristik jedes einzelnen Gletschers berücksichtigt. Mehr als die Hälfte des globalen Gletschervolumens konzentriert sich dabei auf die Arktis. Bedeutende Eisreserven befinden sich auch in Alaska, Zentralasien und Südamerika. Während sich der Beitrag der Gletscher zum Meeresspiegel-Anstieg vor allem auf dieses Jahrhundert konzentrieren wird, könnte das Abschmelzen von Grönland und der Antarktis auf längere Frist noch viel dramatischere Konsequenzen haben und zu einem Anstieg der Ozeane um mehrere Meter führen.

Studie: Huss, M. and Farinotti, D., 2012. Distributed ice thickness and volume of all glaciers around the globe. Journal of Geophysical Research, 117, F04010, doi:10.1029/2012JF002523.
Link: http://www.agu.org/pubs/crossref/2012/2012JF002523.shtml

Kontakt: Dr. Matthias Huss, Studienleiter, Departement Geowissenschaften, Universität Freiburg, 026 300 90 29, matthias.huss@unifr.ch