Ethik als Schwerpunkt an der Universität Freiburg


Dank einer Initiative des Hochschulrates kann das Rektorat den Studierenden der Universität Freiburg seit dem Herbstsemester 2008 ein erweitertes Angebot an Lehrveranstaltungen in Ethik an allen Fakultäten zur Verfügung stellen.

Warum Ethik?

Das Universitätsgesetz vom 19. November 1997 hält fest, die Universität Freiburg habe den Auftrag, bei den „Studierenden, Forschenden und Lehrenden das Verantwortungsbewusstsein gegenüber dem Menschen, der Gesellschaft und der Umwelt zu stärken" (Art. 1).

Der Universität kommt also nicht nur die Aufgabe zu, Wissen und Erkenntnisse zu vermitteln und Forschung zu betreiben, sondern sie soll gleichzeitig bei allen am Lehr- und Forschungsbetrieb Beteiligten eine Reflexion über die ethischen und politischen Voraussetzungen, Probleme und Konsequenzen des Erforschten und Gelehrten fördern.

Dies bedeutet, dass die Lehre nicht nur fachspezifisches Wissen vermitteln, sondern auch Zugang zu einer breiteren Allgemeinbildung verschaffen soll. Zur Erfüllung dieser Aufgabe gehört unter anderem die „Entwicklung eines methodischen, kritischen und ethischen Denkens" (Art. 2). Daraus lässt sich schliessen, dass zur Ausbildung, wie sie an der Universität Freiburg angeboten werden soll, ein Lehrangebot im Bereich der Ethik für Studierende aller Fakultäten gehört.

Welche Ethik?

Das Leitbild der Universität hält unter der Rubrik „Verantwortlichkeit" fest, dass die Universität sich für eine Gesellschaft engagiere, „die den ethischen Prinzipien und Anforderungen der sozialen Gerechtigkeit" verpflichtet ist. Es ist auch von einem „Klima intellektueller Offenheit" die Rede, das den Mitgliedern der Universitätsgemeinschaft die Möglichkeit bietet, „die Werte des christlichen Humanismus zu vertiefen". Dieses Stichwort verweist auf die Tradition und die Geschichte der Universität Freiburg als Ausbildungsstätte der Schweizer Katholiken. Heute stellt sich die Frage, wie dieses Erbe in einer Welt, die sich tiefgreifend gewandelt hat, neu artikuliert werden kann.

Ethik lässt sich allgemein als eine Reflexion verstehen, die menschliches Handeln im Blick auf moralische Werte und Normen untersucht. Diese befasst sich sowohl mit dem Subjekt und seinem Gewissen als auch mit seiner Beziehung zum anderen Subjekt und zur Gesellschaft. Jede ernsthafte ethische Reflexion ist mit dem Bemühen um allgemeine Gültigkeit und Verbindlichkeit verknüpft. Die ethische Reflexion der Gegenwart kann jedoch von der Pluralität der Standpunkte, die in der philosophischen und theologischen Ethik vertreten werden, nicht absehen. Ihr kommt deshalb die Aufgabe zu, diese Pluralität zu bedenken und das Faktum verschiedener ethischer Standpunkte ausdrücklich zu befragen und zu beurteilen. Nur unter dieser Voraussetzung kann auch die Besonderheit und Eigenart des „christlichen Humanismus" gewürdigt werden.

Die in diesem Sinn verstandene Ethik umfasst sowohl die Bereiche der ethischen Grundlegung (normative Ethik, Metaethik) als auch die verschiedenen Domänen der angewandten Ethik (wie Bioethik, Umweltethik, Wissenschaftsethik, Wirtschaftsethik, Medizinethik oder die Ethik der Menschenrechte).

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