Quo vadis Europa?
Zeus Ringvorlesung im Herbstsemester 2026
Europa steht vor einer Vielzahl tiefgreifender Herausforderungen, die grundlegende Fragen nach der politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Zukunft aufwerfen. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat die europäische Sicherheitsordnung nachhaltig erschüttert und zwingt Staaten wie Institutionen dazu, ihre Rolle zwischen Abschreckung, Solidarität und Friedenssicherung neu zu definieren. Gleichzeitig rücken Fragen nach der strategischen Autonomie Europas, nach der Zukunft der europäischen Integration sowie nach den Grenzen und Möglichkeiten gemeinsamer Aussen- und Sicherheitspolitik verstärkt in den Fokus. Aus historischer Perspektive sind Europas politische Ordnungen Ergebnis langfristiger Aushandlungsprozesse, die von Kriegen, Friedensschlüssen, Integrationsbestrebungen und ideologischen sowie religiösen Konflikten geprägt wurden. Die Frage „Quo vadis Europa?“ ist daher auch eine historisch grundierte Frage nach Kontinuitäten und Brüchen im Umgang mit Gewalt, im Verständnis von Souveränität oder in der Idee eines gemeinsamen Europas.
Aktuell stellen sich grundlegende Fragen nach der Zukunft des europäischen Projekts: In welche Richtung entwickelt sich die Integration weiter? Welche Rolle spielen Recht und Institutionen in einem sich wandelnden geopolitischen Umfeld? Welche wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Modelle können zu Stabilität und Frieden beitragen? Zudem stellen innere Spannungen in der Europäischen Union Herausforderungen dar, die die Zukunft beschäftigen: Differenzen über Rechtsstaatlichkeit, migrationspolitische Herausforderungen, wirtschaftliche Ungleichgewichte, Fragen nach dem Verhältnis von Religion und Politik sowie divergierende Vorstellungen über die Ausgestaltung europäischer Zusammenarbeit prägen den politischen Diskurs.
Vor diesem Hintergrund widmet sich die Ringvorlesung „Quo vadis Europa?“ den aktuellen Unsicherheiten und Transformationsprozessen Europas. Ziel ist es, zentrale Entwicklungen aus unterschiedlichen disziplinären Perspektiven zu beleuchten und in einen gemeinsamen analytischen Rahmen zu stellen. Die Reihe nimmt insbesondere Wechselwirkungen zwischen Krieg und Frieden, politischer Ordnung, rechtlicher Integration sowie wirtschaftlicher Kooperation in den Blick und verankert diese zugleich in ihren historischen Tiefendimensionen und kulturell-religiösen Kontexten.
