Resilienz in Organisationen, Arbeit und Gesellschaft 

Die Rolle von Berufsverbänden

Dieses interdisziplinäre Forschungsprojekt verbindet Management, Politikwissenschaft und Soziologie, um zu untersuchen, wie Schweizer Berufsverbände auf kollektiver und individueller Ebene zur wirtschaftlichen und sozialen Resilienz beitragen. Als wichtige Akteure der Zivilgesellschaft und der Wirtschaft regulieren sie Berufe, bieten Weiterbildung an, vermitteln Wissen, vertreten kollektive Interessen und fördern den sozialen Zusammenhalt. Heute stehen sie vor grossen Herausforderungen im Zusammenhang mit der Digitalisierung, der ökologischen Transformation und veränderten Formen des Engagements. Diese Entwicklungen können ihre Funktionsweise erschweren, eröffnen zugleich aber auch neue Möglichkeiten der Erneuerung.

Das Projekt versteht Mitgliederbeteiligung und Organisationsstrategien als Mittel zur Stärkung zweier übergeordneter Formen von Resilienz: jener von Berufstätigen und Berufsgruppen einerseits sowie jener der Schweizer Wirtschaft und Gesellschaft insgesamt andererseits. Es geht von der Arbeitshypothese aus, dass diese Fähigkeit dann gestärkt wird, wenn Verbände:

  • fördern Innovation, Autonomie und kollektive Mobilisierung durch eine proaktive, unternehmerische Orientierung;
  • passen ihr zentrales Wissen an und erneuern es, auch in Zusammenarbeit mit neuen Partnern;
  • sichern stabile und zugleich flexible Ressourcen, um ihre organisationale Handlungsfähigkeit zu erhalten;
  • gewinnen vielfältige Mitglieder, indem sie auf generationelle und berufliche Bedürfnisse eingehen;
  • ermöglichen eine wirksame Beteiligung der Mitglieder an Entscheidungen, Strategien und Dienstleistungen;

vermitteln zwischen Berufen, Institutionen und Gesellschaft, um ihre Legitimität zu stärken.

Obwohl das Projekt empirisch in der Schweiz verankert ist, greift es allgemeinere Fragen zur Rolle von Berufsverbänden in Zeiten des Wandels auf. Im Mittelpunkt stehen dabei insbesondere zwei Sektoren: (1) der Kultur- und Kreativsektor, der durch hybride Berufsverläufe und Digitalisierung geprägt ist, und (2) Berufe im Bereich Umwelt und Management natürlicher Ressourcen, die für gegenwärtige ökologische Transformationen von zentraler Bedeutung sind. Dieser Vergleich macht es möglich, sowohl sektorspezifische Dynamiken als auch übertragbare Erkenntnisse über verschiedene Berufsfelder hinweg zu identifizieren.

 

Forschungsschwerpunkte

Das Projekt untersucht drei zentrale Fragestellungen:

  • Partizipation:Wie binden Verbände ihre Mitglieder in das kollektive Leben, in Entscheidungsprozesse und in die Erbringung von Dienstleistungen ein, und wie verändern digitale Werkzeuge die Formen des Engagements?
  • Transformation:Wie unterstützen Verbände Berufe dabei, auf digitalen und ökologischen Wandel zu reagieren?
  • Vergleich:Wie gehen unterschiedliche Sektoren und Organisationsmodelle mit ähnlichen Herausforderungen um, und welche Erkenntnisse lassen sich zwischen den verschiedenen Feldern übertragen?

Methodik

Wir arbeiten mit einem Mixed-Methods-Ansatz, der folgende Zugänge kombiniert:

  • Quantitativ:Befragungen und statistische Modellierung zur Analyse von Wahrnehmungen der Mitglieder und organisationalen Strategien; 
  • Qualitativ:Interviews, digitale Ethnografie und Dokumentenanalyse zur Untersuchung von Erfahrungen und Diskursen;
  • Partizipativ:Junior/Young Professionals Labs und Futures Workshops zur gemeinsamen Entwicklung von Szenarien resilienter Berufe.

Projektteam


Mitwirken
Wir freuen uns über die Zusammenarbeit mit Berufsverbänden, Forschenden und politischen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern. Gestalten Sie mit uns die Zukunft resilienter Berufe!

Kontakt: diana.betzler@unifr.ch (Deutsch, Englisch); lucien.delley@unifr.ch (Französisch, Englisch)

Referenzen :

  • Betzler, D. (2023a). Von Kunst leben. Demokratischer Pluralismus und politische Interessenvermittlung in Kunst und Kultur. Bundesverband Freie Darstellende Künste.
  • Betzler, D. (2023b). Kreativ, innovativ, sozial und nachhaltig. In P. Erpf & M. Gmür (Eds.), Unternehmerische Führung und Kultur in Non-Profit-Organisationen. Springer.
  • Betzler, D., & Haselbach, D. (2025). The sound of work: Types of mixed professional profiles and hybrid employment in the music sector. Association of Cultural Economics International (ACEI) Conference 2025.
  • Betzler, D., Loots, E., & Prokůpek, M. (2024). Arts and culture in transformation: A critical analysis of the national plans for the European Recovery and Resilience Facility. European Policy Analysis, 10(1), 101–127.
  • Delley, L. (2022). Le dehors de toute fête: Une sociologie urbaine de la sécurité au Montreux Jazz Festival. Thèse de doctorat, EPFL.
  • Drevon, G., Pattaroni, L., Delley, L., Jacot-Descombes, F., & Hamel, N. (2020). Rhythmanalysis of Urban Events: Empirical Elements from the Montreux Jazz Festival. Urban Planning, 5(2), 280-295. https://doi.org/10.17645/up.v5i2.2940
  • Surdez, M. (2025). La constitution des rapports au politique au sein des groupes professionnels : l’apport de la sociologie des professions (pp. 265-293). In Collectif ALCoV (eds.) Les contextes du vote. L'ancrage social des pratiques électoral. Presses universitaires du Septentrion. https://www.septentrion.com/FR/book/?GCOI=27574100000120
  • Surdez, M., Balsiger, P., & Jammet, T. (2024). When platforms challenge professions: A clash between models of professionalism among Swiss hoteliers? Professions and Professionalism, 14(1).
  • Stock, D., & Gmür, M. (2024). Entrepreneurial orientation in business and professional associations. Working Paper, Universität Freiburg/CH.
  • Stock, D., Gmür, M. & Erpf, P. : Entrepreneurial Orientation and Performance in Nonprofit-Organisations: A Meta-Analysis. Nonprofit Management & Leadership 35/1 (2024): S. 107-131.

Das Zentrum ist eine Zusammenarbeit mit dem Gesellschaftsengagement unseres Projektpartners: