(Gewalt-)Geschichte als Comic? Neue Möglichkeiten der Vermittlung

Geschichtswissenschaft orientiert sich bis heute in erster Linie an schriftlichen Texten, sowohl im Umgang mit Quellenübungen, als auch in der Forschungsliteratur. In Bezug auf epistemische und erlebte Gewalt stellt sich die Frage, wie diese in adäquater Form mit Schüler_innen, Studierenden und auch unter Fachkolleg_innen diskutiert werden kann. Seit einigen Jahren bieten Graphic Novels (in der Schweiz auch «Comic» genannt) einen neuen Zugang. Das heute als Ikone dieser Sparte zu bezeichnende Werk «Maus» von Art Spiegelman machte mit seiner Sichtbarmachung
von Geschichte über Bilder den Comic zu einem anerkannten Medium historischer Auseinandersetzung mit dem Holocaust. Seither verdichteten sich die möglichen Zugänge zur  (Gewalt-)Geschichte über Graphic Novels. Zu nennen sind hier etwa die Werke von Joe Sacco zum belagerten Sarajevo der 1990er Jahre oder von Jacques Tardi zum Ersten Weltkrieg.

In dieser Weiterbildung möchten wir einerseits Grundlagen erarbeiten, indem wir in einem ersten Teil einen Überblick zu Graphic Novels in der Geschichtswissenschaft bieten. Wir erläutern darin wichtige Werke, ihre Rezeptionsgeschichte und wie sich der Umgang mit dem Genre «Comic» in der Geschichtswissenschaft allmählich veränderte.

In einem zweiten Teil werden wir spezifisch auf unsere Herangehensweise im Grossprojekt «Survivor Centred Visual Narratives» eingehen. Einerseits um zu zeigen, wie sich dieser neue Zugang zu Gewaltgeschichte gestaltet, indem der oder die Überlebende nicht nur Interviewpartner_in ist, sondern von Anfang bis zum Schluss Teil des Projekts. In einer Zeit, in der auch Schüler_innen vermehrt mit der Methode der «Oral History» arbeiten und teilweise sogar selbst Interviews führen, gibt dieser zweite Teil Einblicke und zeigt Möglichkeiten auf, wie ein respektvoller Umgang mit
Menschen, die selbst Gewalt erlebt haben, in Projekten gewährleistet werden kann.

In einem dritten Teil werden wir auf die Vermittlung von (Gewalt-)Geschichte via Graphic Novels im Unterricht eingehen. Dabei sollen folgende Fragen im Zentrum stehen: Wie arbeiten Künstler_in, Zeitzeug_in sowie Historiker_in zusammen, wie wird das gesprochene Wort – die erzählte Erinnerung, aber auch das Nichtsichtbare epistemischer Gewalt – zu einem Narrativ in Bildern und Worten? Wie gelangt historische Fachkompetenz in diese Geschichte? Wie gelingt es dem/der Künstler_in, Biographisches so zu erzählen, dass die Lebenserinnerung sichtbar gemacht und
schlüssig in einen grösseren historischen Kontext eingebettet werden kann? Und wie kann Geschichte anhand eines Comics vermittelt werden?

In einem vierten und letzten Teil wird uns der Graphic Novelist Jared Muralt besuchen und gibt direkt Einblicke in sein Schaffen, bevor wir mit einer Feedbackrunde den Tag abschliessen.

Target audience

Gymnasiallehrerinnen und Gymnasiallehrer, Lehrkräfte der Sekundarstufe I und II

Responsibles and speakers

Responsibles

  • Zaugg Franziska Anna, Dr., Departement für Zeitgeschichte, Universität Freiburg

Speakers

  • Franziska Anna Zaugg, Dr., Departement für Zeitgeschichte, Universität Freiburg
  • Charlotte Schallié, Prof., University of Victoria, Kanada

Dates and locations

Period Location
18.11.2026 from 09:15 to 16:45 Weiterbildungszentrum, Rue de Rome 6, Freiburg

Essentials

Deadline 18.10.2026
Date(s)

18. November 2026

09.15–16.45 Uhr

Duration

1 Tag

Costs

CHF 250.–

Die Lehrpersonen der Gymnasien Kanton FR können auf dem üblichen Weg bei der Erziehungsdirektion für einen eintägigen Kurs maximal CHF 250.– Rückerstattung beantragen.

Type Seminar
Language German

Media and documents

Flyer

Location(s)

Weiterbildungszentrum, Rue de Rome 6, Freiburg

Contact

Weiterbildungsstelle, Universität Freiburg, Rue de Rome 6, 1700 Freiburg
 Email
 026 300 73 47