Bewegung an der Sprachgrenze: Der Einfluss von Sprachdominanz und Sprachmodus auf den Ausdruck der räumlichen Bewegung bei Bilingualen (Französisch-Deutsch)
Status: Abgeschlossen (01.10.2014 - 30.09.2017) | Finanzierung: SNF | Projektblatt öffnen
Die Forschung zum sprachlichen Ausdruck räumlicher Relationen hat in den vergangenen 30 Jahren systematische strukturelle und lexikalische Unterschiede zwischen Sprachen herausgearbeitet. Einer dieser Unterschiede betrifft die Art, wie in gewissen romanischen (z.B. Französisch) und germanischen (z.B. Deutsch) Sprachen sich bewegende Figuren im Raum beschrieben werden. Während in Sprachen wie dem Französischen der zurückgelegte Weg hauptsächlich im finiten Verb ausgedrückt wird, übernehmen diese Funktion im Deutschen unflektierbare Elemente wie Verbpräfixe, Adverbien oder Präpositionen. Obwohl dieser Unterschied nicht kategorisch, sondern graduell ist, scheint er weitreichende Konsequenzen zu haben: Die Art der Informationen, die in den beiden Sprachen normalerweise versprachlicht wird, unterscheidet sich grundsätzlich, wie verschiedene empirische Studien gezeigt haben.
Einige Studien haben sich vor diesem Hintergrund mit der Frage auseinandergesetzt, welche Konsequenzen diese raumsprachlichen Unterschiede auf das Lernen und Gebrauchen zweier typologisch unterschiedlicher Sprachen hat. In diesem Forschungsprojekt wird in diesem Zusammenhang zwei noch offenen, miteinander verknüpften Forschungsfragen nachgegangen: Erstens wird gefragt, wie sich verschiedene Dominanzverhältnisse zwischen Französisch und Deutsch in der zweisprachigen Kompetenz des Individuums auf die sprachliche Ausgestaltung von raumbezogenen Äusserungen auswirken. Es wird also erforscht, ob und wie genau die dominante Sprache in der dominierten Sprache Spuren hinterlässt (z.B. französische Muster im Deutschen bei dominant französischen Bilingualen), und ob sich allenfalls auch in der dominanten Sprache Spuren der dominierten Sprache nachweisen lassen. Diese Fragen nach allfälligem bidirektionalem Transfer werden mit einer zweiten Fragestellung kombiniert, derjenigen nach der Rolle des Aktivierungsgrades der Sprachen der Bilingualen im Moment der sprachlichen Handlung (Sprachmodus). Sind solche Konvergenzeffekte beeinflusst durch eine gleichzeitige Aktivierung beider Sprachen, und wenn ja, sind diese Effekte grösser in der dominierten oder in der dominanten Sprache?
Wir untersuchen diese Fragen mittels verschiedener Instrumente, einerseits Video-Stimuli mit Bewegungsszenen, die von bilingualen Individuen in zwei Konditionen und zwei Sprachen beschrieben werden (monolingualer vs. bilingualer Modus, Deutsch vs. Französisch). Eine Reihe von Frageitems und Tests erlaubt es, die aufgrund theoretischer Annahmen wichtigen individuellen Variablen der Versuchspersonen zu erheben und deren Einfluss auf die abhängigen sprachlichen Variablen statistisch zu modellieren.
