RückblickPublikationsdatum 24.02.2026
Tagung «Kontextuelle Zugänge zur geistlichen Schriftauslegung»
50 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus sechs Ländern und vielen christlichen Denominationen versammelten sich zur hybrid angebotenen internationalen Tagung «Kontextuelle Zugänge zur geistlichen Schriftauslegung», die am 13./14. Februar an der Universität Freiburg stattgefunden hat.
Sie ist Teil eines bilateralen Forschungsprojekts zum Dialog zwischen geistlicher und historisch-kritischer Schriftauslegung, das von drei Forschern in Deutschland und Prof. Gudrun Nassauer von unserer Fakultät verantwortet wird. Unsere Fakultät war neben Gudrun Nassauer mit den Kolleginnen und Kollegen Talitha Cooreman-Guittin, Isabelle Jonveaux, Sr. Emmanuelle Borchardt und Gregor Emmenegger als Vortragende vertreten.
Schriftauslegung geschieht nie im luftleeren Raum. Die Person des Auslegenden, seine oder ihre persönliche Biographie, Erfahrung, Kultur, Sensibilitäten … bestimmen maßgeblich, was in der Auslegung ans Licht und zur Sprache kommt. Geistliche Schriftauslegung kann in diesem Sinn als doppelte Vermittlungsleistung verstanden werden: Gottes Wort, vermittelt im Menschenwort der Schrifttexte, die wiederum im und durch die Kontexte der Auslegenden vermittelt werden, diesen prägen und von diese geprägt werden. In der Auslegung kommen so verschiedene Perspektiven miteinander ins Gespräch: Wie sehen wir die Welt? Wie zeigen und wie verändern sich unsere Welt-Sichten durch die Texte der Schrift? Wie verändert sich unsere Schriftauslegung durch unsere Welt-Sichten? In der Tagung wurden die hermeneutischen Voraussetzungen und exemplarisch verschiedene Kontexte geistlicher Schriftauslegung erschlossen: Schriftauslegung wurde dabei sichtbar als existentieller Lernprozess, der das Potential hat, die Lesenden und die, mit denen sie in Beziehung stehen, nachhaltig zu verändern. Um uns auf diesen Lernprozess – individuell und kollektiv – einzulassen, können Kontexte massgeblich sein, die sich durch ihre Alterität auszeichnen. Das Gespräch und die positive Spannung zwischen wissenschaftlicher Exegese und Theologie sowie geistlicher Schriftauslegung hat Potential für beide Kontexte, für eine existentielle Erschliessung der Schrift, für ein kritisches Korrektiv der eigenen Sicht und für das gemeinsame Weitergehen in gegenseitiger Lernbereitschaft und Offenheit.
Der Tagungsband wird Ende des Jahres in der von der Forschungsgruppe Geistliche Schriftauslegung verantworteten Reihe «Sensus Plenior» im Echter-Verlag (Würzburg/D) erscheinen.
