Lehr- und Forschungsrat für Theologische Ethik

Lehre

Prüfungsmodalitäten

Richtlinien und Empfehlungen für Schlussexamina im Fach Theologische Ethik

 

Hauptvorlesung im HS 2017

Christliche Sozialethik - Grundlagen, Selbstverständnis, Konkretionen

Als eine Teildisziplin der Theologischen Ethik zeichnet sich die Christliche Sozialethik da­durch aus, dass sie über-individuelle bzw. gesellschaftliche Aspekte thematisiert und daher die Spannung zwischen Subjekt und Gesellschaft reflektiert. Im Zentrum der Aufmerksamkeit stehen institutionelle, strukturelle und systemische Aspekte. Kennzeichnend ist der ‚gesellschaftliche Blick’ auf Lebenszusammenhänge, die sich beispielsweise im Zeichen der Globalisierung, der weltweiten Mobilität und der Migration gegenwärtig verändern. Als theologische Disziplin sucht sie den Dialog mit anderen theologischen Teildisziplinen, als ethisches Fachgebiet denjenigen mit der politischen Philosophie, als Orientierungs- und Handlungswissenschaft das Gespräch mit den Human- und Sozialwissenschaften.

Die Vorlesung versteht sich als eine Einführung in Grundbegriffe, Selbstverständnis und Grundlagen der Christlichen Sozialethik und bietet eine Basis zur Auseinandersetzung mit konkreten sozialethischen Themen beispielsweise der Wirtschafts-, Migrations-, Familien-, Medien- oder Gesundheitsethik. Die heterogene Landschaft der Lehrbücher und Einführungen indiziert gegenwärtig stattfindende Suchprozesse, welche in der Vorlesung dargestellt, reflektiert und diskutiert werden. Gefragt wird insbesondere nach biblischen Anknüpfungspunkten, nach der gegenwärtigen Bedeutung der traditionellen Katholischen Soziallehre, nach philosophischen Ansätzen, die heute Anknüpfungspunkte für die christliche Sozialethik bieten können.

 

Lektüreseminar im HS 2017

Christlich-ethische Orientierung in der Flüchtlingspolitik – Lektüre und Diskussion

Die aktuelle Flüchtlingskrise stellt viele europäische Länder, ihr Selbstverständnis, ihre Bereitschaft zur Gewährung von Asyl und die Gewährung von Grundrechten massiv in Frage. Haben alle Menschen ein Recht auf Migration? Haben Verfolgte ein Recht auf Aufnahme und ein besseres Leben? Wie gehen wir als Christinnen und Christen damit um, dass täglich Menschen auf der Flucht im Mittelmeer ertrinken? Sind Griechenland, Spanien und Italien besonders in der Pflicht, nur weil sie für viele flüchtende Menschen das Eingangstor nach Europa darstellen? Gibt es ein Menschenrecht auf ein besseres Leben?

Diese und ähnliche Fragen betreffen in erster Linie, wenn auch nicht ausschliesslich, sozialethische Überlegungen, betreffen also institutionelle, strukturelle und systemische Aspekte des menschlichen Zusammenlebens. Der in Fribourg gut bekannte Philosoph, Theologe und Ethiker Walter Lesch aus Louvain-la-Neuve beschäftigt sich mit diesen Herausforderungen auf dem Hintergrund der christlichen Sozialethik-Tradition. Seine These lautet, dass es moralisch plausibel sei, die Flucht von Menschen nach Europa als legitime Suche nach einem besseren Leben zu verstehen.

Auch wenn sein Buch im Stil eines Essays geschrieben ist, lenkt es die Aufmerksamkeit auf wesentliche Grundfragen der christlichen Sozialethik. Seine Beobachtungen und Überlegungen bieten ein geeignetes Arbeitsfeld, um die christliche Sozialethik, ihre Grundlagen, Prinzipien und Ansprüche angesichts einer konkreten Herausforderung neu zu durchdenken, zu erproben und zu begründen.

 

Departement für Moraltheologie und Ethik - Av. de l' Europe 20 - 1700 Freiburg Swiss University