Lehr- und Forschungsrat für Theologische Ethik

Lehre

Prüfungsmodalitäten

Richtlinien und Empfehlungen für Schlussexamina im Fach Theologische Ethik

 

Hauptvorlesung im HS 2018

Das kontrollierte Sterben. Vorstellungen vom guten Sterben in sozialethischer Perspektive

Die Sorge, das eigene Leben einmal gut zu beenden, beschäftigt viele Menschen. Patientenverfügungen, die rechtzeitige Planung des eigenen Sterbens (auch im Deutschen als Advance Care Planning bezeichnet), ehrenamtliches Engagement für Hospiz- und Palliative Care-Bewegung, die Normalisierung der Suizidhilfe in der Schweiz – das alles sind Anzeichen für ein zunehmendes Interesse für die letzte Lebensphase. Das Sterben soll nicht mehr unter allen Umständen verhindert, sondern kontrolliert werden, Selbstbestimmung und eine hohe Lebensqualität bis zuletzt sind dabei wichtige Orientierungspunkte. Während die Diskurse über das gute Sterben lange von den christlichen Kirchen geprägt wurden, werden heute unter dem Begriff der «Spiritual Care» auch andere Antworten auf Sinnfragen gegeben. Die damit verbundenen Entwicklungen, Suchprozesse und ethischen Herausforderungen werden in der Vorlesung aus theologisch-ethischer Sicht dargelegt, analysiert und diskutiert.

 

Hauptvorlesung im HS 2018

Die Vorlesungen «Fundamentalmoral I» (HS 2018) und «Fundamentalmoral II» (FS 2019) bieten eine Einführung in die Theologische Ethik für Theologiestudierende des Bachelorstudiums. Das Lektüreseminar «Texte zur Theologischen Ethik» (HS 2018) wird ergänzend dazu angeboten und bietet die Möglichkeit, einzelne Aspekte der Vorlesung zu besprechen und anhand der «Grundfragen theologischer Ethik» des Würzburger Moraltheologen Stephan Ernst zu vertiefen. Zur Erreichung der 4 ECTS-Punkte in Theologischer Ethik ist die Teilnahme sowohl an der Vorlesung als auch dem Lektüreseminar obgliatorisch. 

In der Bezeichnung «Theologische Ethik» kommt die inhaltliche Konzentration des Faches auf die Ethik zum Ausdruck; theologisch bestimmt ist dabei die Perspektive, in der über Moral nachgedacht und Ethik begründet wird. Der häufig verwendete Begriff «Moraltheologie» versteht das Fach hingegen stärker im Sinne einer theologischen Teildisziplin und fokussiert entsprechend auf die Abgrenzung zu anderen theologischen Disziplinen. 

Im Anschluss an eine Einführung in die Begriffs- und Denkwelt der Theologischen Ethik werden wichtige Elemente der Theologischen Ethik aus zeitgeschichtlicher Perspektive erörtert. Ausgehend von der naturrechtlichen oder seinsethischen Tradition, welche die Fundamentalmoral vor dem zweiten Vaticanum massgeblich prägte, bilden wesentliche Einschnitte das Vaticanum II, die nachkonziliaren Orientierungsversuche beispielsweise im Entwurf der «Autonomen Moral» von Alfons Auer oder der «Fundamentalmoral» von Franz Böckle, die Kritik der Suchprozesse durch das Lehramt in der Enzyklika «Veritatis Splendor» und die schliesslich neuere Suchprozesse, die bis heute die Theologische Ethik in katholischer und teilweise auch ökumenischer Sichtweise kennzeichnen.

Im Anschluss an die Fragen der Ethik- und Normenbegründung geht es sodann um Fragen der Umsetzbar- oder Realisierbarkeit des als richtig und gut Erkannten. Die menschliche Handlungsfreiheit, Beschränkung durch Schuld und Sünde, moralpsychologische Modelle der moralischen Entwicklung und Umgang mit Ideal und Wirklichkeit sind dabei zentrale Themen. 

Der christliche Glaube ist von Hoffnung und von der Zusage der Liebe Gottes geprägt. Der moralische Anspruch an das eigene Handeln ist dabei zwar nicht wegzudenken, bildet aber nicht das letzte Wort des Glaubens. Mit Dietmar Mieth formuliert: Nicht die Moralfähigkeit ist die Spitze unseres Menschseins, sondern unsere Heilsbedürftigkeit.


Lektüreseminar im HS 2018

«Die Renovierungsarbeiten am Gebäude der Moraltheologie nehmen offensichtlich kein Ende.» Mit dieser Aussage von Franz Böckle aus dem Jahr 1977 eröffnet der Würzburger Moraltheologe sein Lehrbuch zu den Grundfragen der theologischen Ethik. Er ergänzt: An dieser Situation, die Franz Böckle für die nachkonziliäre Situation beschrieben hat, habe sich auch dreissig Jahre später nichts geändert. Die christliche Moraltheologie ist nach wie vor im Umbau begriffen, wobei die gegenwärtige Situation geprägt ist von der Spannung zwischen der Verpflichtung gegenüber der biblischen und kirchlichen Tradition einerseits und der modernen Gesellschaft andererseits. Stephan Ernst klärt in seinem Lehrbuch grundlegende Fragen und versucht einen Brückenschlag zwischen Tradition und Gegenwart. 

Im Lektüreseminar befassen wir uns mit seinen Ausführungen im ersten Buchteil, in welchem der Autor der erkenntnistheoretischen Frage nachgeht, wie sich heute ethisch gutes und schlechtes Handeln identifizieren lässt: Ist Orientierung möglich am Willen Gottes, an der Bibel, am eigenen Gewissen, am natürlichen Sittengesetz, an der autonomen Vernunft, an der Verhältnismäßigkeit der Mittel? – Das Lektüreseminar wird in Ergänzung zur Hauptvorlesung Fundamentalmoral I angeboten.

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