Sandra Daguet
ist Preisträgerin des Umweltforschungspreises der Universität Freiburg 2012

Die SAIDEF sowie die Preiskommission gratulieren Frau Daguet ganz herzlich zu ihrer ausgezeichneten Doktorarbeit "Environmental Taxes: Institutions, Implementation and the Use of Revenues".

Portrait von Sandra Daguet, (c) Olivier Chassot

  Bild: Olivier Chassot

 

Mit Sandra Daguet erhält dieses Jahr eine tief in Freiburg verwurzelte junge Ökonomin den mit 10'000 Franken dotierten Umweltforschungspreis: In Freiburg geboren, studierte sie an unserer Universität Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Nach ihrem Lizentiat im Jahre 2005 arbeitete sie in Genf in einem Büro für Umweltökonomie und Angewandte Ökonomie. Seit 2008 arbeitet sie am Lehrstuhl für Öffentliche Finanzen bei Prof. Dafflon, wo sie im Juni dieses Jahres den Doktortitel für die Arbeit "Environmental Taxes: Institutions, Implementation and the Use of Revenues" erhielt.

Der von SAIDEF (Société anonyme pour l'incinération des déchets du canton de Fribourg et de la Broye vaudoise) zur Verfügung gestellte Preis wurde Sandra Daguet feierlich am 14. November 2012 von Rektor Guido Vergauwen anlässlich des Dies Academicus überreicht.

Rektor Guido Vergauwen: Laudatio

(Originaler Wortlaut in Französisch)

L’Université de Fribourg a l’honneur et le plaisir de décerner aujourd’hui pour la quatrième fois son Prix de la recherché sur l’environnement, d’une valeur de 10'000 francs. Cette récompense, qui est attribuée tous les deux ans, est financée cette fois encore par la SAIDEF, un acronyme qui désigne la Société anonyme pour l'incinération des déchets du canton de Fribourg et de la Broye vaudoise. Je profite de l’occasion qui m’est donnée ici pour remercier son directeur, Monsieur Gabriel Nussbaumer, ainsi que son président Monsieur Albert Bachmann, qui est également président de l'association des communes fribourgeoises, pour leur engagement dans la recherche sur l’environnement.
La Commission en charge de son attribution a décidé cette année de décerner le Prix de la recherché sur l’environnement à Madame Sandra Daguet pour sa thèse de doctorat intitulée « Environmental Taxes: Institutions, Implementation and the Use of Revenues ».
Au centre de cette étude impressionnante par son volume et la richesse des précisions qu’elle contient, on trouve un sujet a priori très aride : les impôts environnementaux. Ils font partie de la panoplie d’outils à disposition de l’économie de l’environnement pour inciter les citoyens à modifier leurs comportements de manière à diminuer la pollution. Parmi ces impôts, on trouve par exemple la taxe d’incitation sur les composés organiques volatils (COV), la taxe sur le CO2 ou encore la taxe poids lourds.
Dans une première partie théorique, Madame Daguet explore la notion, la conception et le but de ces impôts environnementaux. Mais le cœur de son travail est constitué par une analyse empirique portant sur l’application de ces nouveaux impôts en Suisse et en Europe. Elle analyse en premier lieu la question de savoir si les émoluments atteignent les objectifs que le législateur leur a astreints et donc s’ils contribuent à diminuer la pollution. En second lieu, elle étudie la manière dont les revenus de ces impôts sont utilisés dans des cas réels. Plusieurs solutions sont ici envisageables, comme la diminution d’autres impôts, la redistribution forfaitaire à la population, la redistribution ciblée aux pollueurs etc. Ce faisant, l’auteure met en évidence la largeur du fossé qui sépare les théories économiques et les applications pratiques de cet instrument de droit fiscal. Elle arrive par ailleurs à la conclusion que seul un nombre réduit d’impôts environnementaux peut être considéré comme véritablement efficace.
Aujourd’hui, c’est un travail de grande valeur qui se voit récompensé, parce qu’il ne repose pas seulement sur une base théorique extrêmement solide, mais qu’il sait convaincre par la pertinence de sa dimension empirique.

 

Schlechte Noten für die Umweltsteuer

News-Artikel des Dienstes für Kommunikation und Medien der Universität Freiburg

Wie effizient sind Umweltsteuern? Mit dieser Frage setzte sich Sandra Daguet in ihrer Doktorarbeit an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität Freiburg auseinander und erhält dafür den im Rahmen des Dies Academicus verliehenen Umweltpreis 2012.
Die Umweltsteuer gehört zu den Instrumenten der Wirtschaft, die zur Reduktion der Umweltbelastung beitragen sollen. Charakteristisch für die Steuer ist, dass deren Bezahlung an den Staat an keine dafür geleistete Dienstleistung und keine spätere Rückerstattung gekoppelt ist und gerade dadurch einen Anreiz für eine umweltgerechtes Verhalten schaffen soll, wie beispielsweise die CO2-Abgabe. Sandra Daguet analysiert in ihrer Doktorarbeit Environmental Taxes: Institutions, Implementation and the Use of Revenues die Umsetzung von rund zehn verschiedenen Umweltsteuern und deren Effizienz auf dem europäischen Kontinent. Die Schlussfolgerung ist deutlich: Nur eine einzige Umweltsteuer kann als effizient bezeichnet werden – die Steuer auf Plastiksäcken in Irland. Diese scheint von der Bevölkerung gut akzeptiert zu sein, da sie dem Verbraucher die Möglichkeit lässt, entweder einen teuren Plastiksack zu kaufen oder als Alternative auf den Papier- oder Stoffsack auszuweichen. Gemäss Sandra Daguet soll die ernüchternde Schlussfolgerung aber keineswegs die Grundidee der Umweltsteuer in Frage stellen: «Die Schwierigkeit liegt in der Umsetzung eines theoretisch vielversprechenden Instruments der Wirtschaft im Rahmen eines sehr komplexen politischen Systems.»

Am Puls der Zeit

Die offensichtliche Divergenz zwischen Theorie und Praxis der Umweltsteuer hat Sandra Daguet dazu veranlasst, nach den Gründen zu suchen und dafür nicht nur die theoretischen Modelle zu analysieren. Daguets interdisziplinäre Doktorarbeit vereint Elemente aus der Ökonomie sowie aus den Rechts- und Politikwissenschaften und basiert auf einer Analyse konkreter Fälle. Die Forscherin konnte so belegen, dass die Theorie in der Praxis in erster Linie aufgrund starker institutioneller Einschränkungen nicht aufgeht – sowohl in der Schweiz wie auch im restlichen Europa. Das politische System, der Aktivismus bestimmter Gruppierungen, der Föderalismus sowie die Resistenz von Seiten der Bevölkerung und der betroffenen Unternehmen erklären zu einem grossen Teil den Misserfolg bei der Umsetzung der Umweltsteuer, die in der Praxis häufig ineffizient ist aufgrund der grossen Anzahl von Steuerbefreiungen und zu tief angelegten Steuersätzen. Die Doktorarbeit von Sandra Daguet trifft den Kern aktueller Debatten – man denke an das Kyoto-Protokoll – und liefert den Umweltpolitikern neue Denkansätze. Die Ökonomin ist überzeugt: «Entweder muss die Politik den Mut haben, eine ausreichend hoch angesetzte Umweltsteuer einzuführen, die eine breite Basis betrifft, damit die Steuer tatsächlich Auswirkungen zeigt – oder man muss sich alternative Instrumente zur Reduktion der Umweltbelastung überlegen».

Hommage an die Umweltwirtschaft

Zum ersten Mal überhaupt geht der Umweltpreis an eine Ökonomin. Für Sandra Daguet eine doppelte Freude: «Der Preis ist auch eine Anerkennung des Fachbereichs der Umweltwirtschaft, der seit seiner Gründung in den Siebzigerjahren stets an Wichtigkeit zugenommen hat.» Der Umweltpreis ist mit 10'000 Franken dotiert und wird alle zwei Jahre vergeben. Er wird finanziert von der Société anonyme pour l’incinération des déchets du Canton de Fribourg et de la Broye vaudoise (SAIDEF) und hat zum Ziel, die Forschung im Bereich der Umweltwissenschaften voranzutreiben. Mit dem Umweltpreis wird wissenschaftliche Exzellenz ausgezeichnet, insbesondere wenn eine Arbeit über die rein theoretischen Analysen hinausgeht und konkrete Lösungen vorschlägt.

Kontakt:
Sandra Daguet, sandra.daguet@unifr.ch, 078 642 69 33

André Strasser, Präsident der Kommission des Umweltpreises und assoziierter Professor am Departement für Geowissenschaften der Universität Freiburg, 026 300 89 78, andreas.strasser@unifr.ch

 

Umweltforschungspreis der Universität Freiburg

Der Umweltforschungspreis der Universität Freiburg wurde auf Initiative der Kommission Umweltwissenschaften im Jahr 2006 geschaffen und zum ersten Mal ausgeschrieben. Die Preissumme beträgt 10'000 Franken und wurde 2006 und 2008 durch Beiträge der Vereinigung Freiburger Industrie (VFI) und 2010 durch die SAIDEF ermöglicht.

 Logo Saidef

Der Umweltforschungspreis der Universität Freiburg wird in diesem Jahr zum vierten Mal ausgeschrieben. Die Preissumme beträgt 10'000 Franken und wird vollumfänglich von der SAIDEF (Société anonyme pour l'incinération des déchets du canton de Fribourg et de la Broye vaudoise) zur Verfügung gestellt. 

Der Preis bezweckt die Förderung der disziplinären und interdisziplinären Forschung im Bereich Umweltwissenschaften. Es sollen damit Nachwuchsforscher und Nachwuchsforscherinnen für eine innovative und hervorragende wissenschaftliche Arbeit ausgezeichnet werden, die einen gesellschaftlich relevanten Beitrag zum besseren Verständnis von Umweltproblemen bzw. zu deren Lösung leistet. 

Es werden vor allem solche Arbeiten prämiert, die über den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt hinaus Vorschläge für die praxisnahe Umsetzung unterbreiten. Besonders preiswürdig sind Lösungen, die weit reichend und konkret sind.

 

Koordinationsbüro Umweltwissenschaften - Ch. du Musée 4 - 1700 Fribourg - Tel +41 26 / 300 8825 - Fax +41 26 / 300 9686 -

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