Preisträgerin 2008: Dr. Martine Poffet

Dr. Martine Poffet, Preisträgerin des Umweltforschungspreises der Universität Fribourg 2008

Bild: Charly Rappo 

Die VFI (Vereinigung Freiburger Industrie), die Kommission des Umweltforschungspreises 2008 sowie das Team Umweltwissenschaften gratulieren Frau Martine Poffet ganz herzlich zum mit ihrer hervorragenden Dissertation wohlverdienten Preis.

Die Arbeit ist ein gutes Beispiel der wichtigen Zusammenarbeit von Industrie und Universität, von Wirtschaft und Wissenschaft, gerade im Bereich Umweltschutz.

Laudatio, gelesen von Rektor Guido Vergauwen am Dies Academicus 2008:


Die Universität Freiburg kann dieses Jahr zum zweiten Mal den Umweltforschungspreis in der Höhe von 10'000.- Franken verleihen. Die Preissumme wird alle zwei Jahre ausgerichtet und wurde gestiftet von der „Vereinigung der Freiburger Industrie" (GIF).

Ich möchte diese Gelegenheit benutzen, um Ihrem Präsidenten, Herrn Gabriel Nussbaumer, für die Realisierung dieses Preises recht herzlich zu danken. Dieser Dank gilt auch dem Vorstand und seinen Mitgliedern, die hier in dieser Aula anwesend sind. Es ist für die Universität Freiburg zudem eine symbolische Geste für das wachsende Zusammengehen mit der Freiburger Wirtschaft und Industrie.

Die Preisjury hat Frau Martine Poffet für diesen Preis nominiert. Sie erhält den Preis für ihre ausgezeichnete und wegweisende Doktorarbeit, die an der mathematisch-naturwissenschaftlichen Fakultät eingereicht und approbiert worden ist.

Die Arbeit trägt den Titel: Thermal runaway of the dried sewage sludge in the storage tanks: From molecular origins to technical measures of smouldering fire prevention.

Die Arbeit von Frau Poffet löst ein wichtiges Umweltproblem: Klärschlämme fallen in der Schweiz in grossen Mengen an (rund 200'000 Tonnen pro Jahr), dürfen aber wegen ihrer Belastung mit Schwermetallen und andern organischen Schadstoffen nicht mehr auf die Felder ausgebracht werden. Die einzige Alternative ist die Verbrennung in Kehrichtverbrennungsanlagen und Zementfabriken. Damit lassen sich die darin enthaltenen Schwermetalle rezyklieren und die für Mensch und Umwelt schädlichen organischen Stoffe neutralisieren. Getrocknete Klärschlämme haben jedoch eine gewisse Tendenz, sich selbständig zu erhitzen und zu entzünden. Frau Poffet ist diesem Problem nachgegangen und hat mit wissenschaftlicher Akribie die chemischen Prozesse geklärt, die zu dieser Entzündung führen, und Massnahmen vorgeschlagen und erprobt, um dies wirksam zu verhindern.

Die Arbeit ist sowohl methodisch gut aufgebaut und logisch strukturiert als auch sprachlich und in Bezug auf die graphischen Darstellungen hervorragend und überzeugend. Sie enthält nebst einer ausführlichen Analyse des Problems auch weitere, wertvolle Informationen, die über das eigentliche Thema hinausgehen aber aus der Sicht des Umweltschutzes nützlich sind. Schliesslich ist die Doktorarbeit von Frau Poffet auch ein herausragendes Beispiel für ein transdisziplinäres Projekt, das in fruchtbarer Zusammenarbeit zwischen der Universität, der Hochschule für Technik und Architektur sowie Industriebetrieben realisiert wurde.

Dies Academicus 2008, Universität Freiburg, Schweiz
Dr. Martine Poffet ganz rechts in der Reihe der PreisträgerInnen.                          
Bild: Charly Rappo

Pressetext vom Dienst für Kommunikation und Marketing der Universität Freiburg:


Am Dies Academicus 2008 wurde der Chemikerin Martine Poffet der Umweltforschungspreis für ihre Dissertation zum Thema der Wiederverwertung von Klärschlamm verliehen.

Der mit 10'000 Franken dotierte und alle zwei Jahre durch die Vereinigung Freiburger Industrie (VFI) gestiftete Umweltforschungspreis der Universität Freiburg ging am vergangenen Samstag anlässlich des Dies Academicus an Martine Poffet für ihre Dissertation mit dem Titel «Thermal runaway of the dried sewage sludge in the storage tanks : From molecular origins to technical measures of smouldering fire prevention».
Aus Martine Poffets Forschung resultiert eine Lösung zu einem gewichtigen Umweltproblem im Bereich der Wiederverwertung von Klärschlamm. In der Schweiz werden jährlich bis zu 200'000 Tonnen Klärschlamm produziert. Wegen dessen Gehalt an Schwermetallen und anderen organischen Schadstoffen ist die Verwendung von Klärschlamm als Dünger in der Landwirtschaft seit 2006 untersagt. Der Schlamm wird verbrennt, um so die Schwermetalle zu rezyklieren und die restlichen Schadstoffe zu neutralisieren. Diese Entsorgungsart ist aber mit Problemen behaftet, da getrocknetes Klärschlammgranulat in grösseren Lagerbehältern zur Selbstentzündung neigt. Als Ursachen für diese Selbsterwärmung hat das Forschungsprojekt von Martine Poffet eine Kaskade von chemischen Reaktionen eruiert, ausgelöst durch die Oxydation des enthaltenen Eisensulfids und anderer Eisenverbindungen sowie einer exothermen Hydratisierung des trockenen Granulats bei Luftzutritt.
Martine Poffet hat mit der Abwasserreinigungsanlage Bern, dem Bundesamt für Umwelt und dem Verband der Schweizerischen Zementindustrie cemsuisse zusammengearbeitet. An der Umsetzung des Forschungsprojekts beteiligt waren die Universität Freiburg und die Hochschule für Technik und Architektur Freiburg mit der Unterstützung der Förderagentur für Innovation KTI.

Umweltforschungspreis der Universität Freiburg

Der Umweltforschungspreis der Universität Freiburg wurde auf Initiative der Kommission Umweltwissenschaften im Jahr 2006 geschaffen und zum ersten Mal ausgeschrieben. Die Preissumme beträgt 10'000 Franken und wird insbesondere durch Beiträge der Vereinigung Freiburger Industrie (VFI) sowie anderer Sponsoren ermöglicht.

Im Jahr 2008 wird der Umweltforschungspreis der Universität Freiburg zum zweiten Mal ausgeschrieben.

Der Preis bezweckt die Förderung der disziplinären und interdisziplinären Forschung im Bereich Umweltwissenschaften. Es sollen damit Nachwuchsforscher und Nachwuchsforscherinnen für eine innovative und hervorragende wissenschaftliche Arbeit ausgezeichnet werden, die einen gesellschaftlich relevanten Beitrag zum besseren Verständnis von Umweltproblemen bzw. deren Lösung leistet.

Es werden vor allem solche Arbeiten prämiert, die über den wissenschaftlichen Erkenntnisfortschritt hinaus Vorschläge für die praxisnahe Umsetzung unterbreiten. Das kann in Form von wissenschaftlichen Beiträgen und anderen textlichen Darstellungen, z.B. durch Drehbücher, erfolgen. Es werden Projekte bevorzugt, die unsere Welt - wenn auch im Kleinen - bezüglich Umwelt positiv verändern. Besonders preiswürdig sind Lösungen, die weit reichend und konkret sind.

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