Nachhaltigkeit


Alle sprechen von Nachhaltigkeit; wenige sind sich jedoch bewusst, dass eine nachhaltige Ent­wicklung wohl die grösste Herausforderung des 21. Jahrhunderts ist und was ihr per­sönlicher Beitrag dazu sein könnte. Ebenso ist wohl vielen nicht klar, was Nachhaltigkeit eigentlich bedeutet. Unbestritten erscheint dagegen, dass sich die Menschheit heute und morgen mit globalen Problemen und Ver­änderungen auseinandersetzen muss, wie Klimawandel und dessen Folgen, Verknappung der natürlichen Ressourcen, Energie­krise, Wasser-, Boden und Luftver­schmutz­ung, Rückgang der Bio­diver­sität, Über­fischung und Verschmutzung der Meere, Hunger und Armut.Der Weg vom Erkennen eines Hand­lungsbedarfs bis zum konkreten Handeln und dessen Erfolg ist lang. Er führt vom Be­schluss etwas zu tun, über die Auseinandersetzung betreffend der Wahl von geeigneten Massnahmen bis zu deren Durchführung und letztlich soll auch deren Wirksamkeitin einem iterativen Prozess überprüft werden.

Das Überleben der Menschheit wie auch die Le­bensqualität ­künftiger Generationen hängen wesentlich davon ab, ob wir diese Ver­antwortung jetzt wahr­nehmen und unser Handeln umgehend danach ausrichten. Die Reserven an Rohstoffen, Energie und Energieträgern der Erde sind begrenzt, ebenso deren Kapazität zur Ernährung einer immer schneller wachsenden Weltbevölkerung, aber auch zur Absorption anthropogener Schadstoffe und Abfälle. Der Klimawandel, den mit grosser Wahrscheinlichkeit der Mensch ausgelöst hat, ist ein irreversibler Prozess und wird zu nachhaltigen Veränderungen führen, an welche sich die Menschheit anpassen muss. Ein Umdenken und ein Ändern der Art, wie wir mit dieser Erde umgehen, sind daher dringend und unumgänglich. 

Den Universitäten kommt in diesem Bereich eine Führungsrolle zu und sie sollten einer nachhaltigen Entwicklung in Lehre, Forschung und in der Verwaltung («Green Campus») oberste Priorität einräumen, sowie die Studierenden hierfür sensibilisieren und ihnen die nötigen Kompetenzen für ihr späteres Berufsleben mitgeben.

 

Definition der Nachhaltigkeit 

Es gibt mehrere Definitionen der Nachhaltigkeit. Ursprünglich kommt der Begriff aus der Forstwirtschaft und verlangt, dass nicht mehr Holz aus dem Wald herausgeholt werden soll, als auf natürliche Weise nachwächst. Die bekannteste Definition ist jene aus dem Brundtland-Report: 

«Sustainable development is development that meets the needs of the present without compromising the ability of future generations to meet their own needs. It contains two key concepts: 

1) The concept of «needs», in particular the essential needs of the world's poor, to which overriding priority should be given; and,

2) The idea of limitations imposed by the state of technology and social organization on the environment's ability to meet present and future needs.»

Eine knappere Formulierung findet man beim Philosophen Peter Sloterdijk: 
«Handle so, dass die, die nach Dir kommen, noch eine Zukunft haben!»

Der Boom des von der früheren norwegischen Ministerpräsidentin Gro Brundtland und der Rio-Konferenz 1992 po­pulär gemachten Nachhaltigkeits-Begriffs verstellt allerdings den Blick auf sein tieferes Verständnis: Es geht nicht alleine darum, die Chancen der zukünftigen Generationen zu wahren: Nachhaltigkeit richtet sich bereits grundlegend an jede Generation und alle Einzelnen um ihrer selbst willen. Bereits in der Antike werden Konzepte der «Sorge um sich selbst» entwickelt, die in Opposition zu einem destruktiven Lebensstil stehen, wie er die westliche Zivilisation seit der Industrialisierung prägt. Der beispielsweise von Sloterdijk eingeforderte Altruismus bleibt somit in der Luft hängen, wenn es uns nicht gelingt, ein Selbstkonzept und Selbstverständnis zu entwerfen, das den eigenen Reich­tum und Fortschritt nicht an materiellen Parametern misst, also nach andern Dimensionen der Lebensqualität sucht. Die heute nicht länger bestrittene Notwendigkeit eines neuen Wohlstandskonzepts findet hier ihre Grundlage. Das bedeutet auch, dass die mit viel Engagement vertretenen Vor­schläge von Entschleunigung und Veränderung des Konsumverhaltens werden so lange als Zumutung begriffen und mithin unrealisierbar bleiben, wie die Arbeit am Selbst und die Regeneration eines ausgehöhlten und rudimentären Selbstbegriffs, wie er in der Vorstellung des Homo Oeconomicus Politik und Ökonomie beherrscht, aufgeschoben werden.

Erst eine solche Kritik des Nachhaltigkeitsgedankens, der die Konzepte von Brundtland und Rio als zwar gut ge­meint, aber als in keiner Weise revolutionär ausweist, bietet die Chance einer Schubumkehr: Bleibt sie aus, so haben nicht nur die kommenden Generationen keine Zukunft, die Gegenwartsgeneration verspielt auch ihre Gegenwart, da sie in der Zukunft ihres materiellen Wohlstands verbissen bleibt, ohne sich Gedanken über den Sinn des Hier und Jetzt zu machen.

 

Seminar "Brennpunkte nachhaltiger Entwicklung"

Seit 2002 bieten wir den Studierenden, sowie den freien HörerInnen, ein Seminar an, welches das Thema Nachhaltigkeit in den verschiedenen Anwendungsbereichen durch Experten-Vorträge beleuchtet. 

Für mehr Information konsultieren Sie bitte die Rubrik "Studium" und/oder die Moodle-Seite des Seminars.

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