Publikationsdatum 05.12.2019

Das Wort des Dekans Mariano Delgado


Et homo factus est...

Liebe Freunde, liebe Freundinnen und liebe Mitglieder der Theologischen Fakultät!

Nie werde ich das Gefühl vergessen, das mich im Frühjahr 2003 bei einer Sonntagsmesse mit Mozartmusik in der schönen Salzburger Franziskanerkirche ergriff, als die Sequenz „Et incarnatus est de Spiritu Sancto ex Maria Virgine, et homo factus est gesungen und dabei der letzte Satz mehrfach wiederholt wurde. Ja, mit dem Geheimnis der Menschwerdung steht und fällt die Singularität des Christentums in der Religionsgeschichte: Es ist der Angelpunkt des christlichen Glaubens. Die Beantwortung des „Cur deus homo“ (warum ist Gott Mensch geworden) gehört daher seit den Anfängen zu den zentralen Fragen christlicher Theologie. Die Antwortversuche sind vielfältig, wie etwa die vom germanischen Ehrenkodex geprägte Satisfaktionslehre des Anselm von Canterbury (†1109), wonach nur der Sohn als stellvertretendes Opfer dem Vater Satisfaktion (Genugtuung) für die Sünde Adams leisten konnte; oder die Theorie von René Girard (†2015), wonach nur Jesus, das freiwillige und absolut unschuldige Opferlamm, die auf dem Sündenbockmechanismus ruhende Spirale der Gewalt offenbaren und zugleich diese sakrifizielle Logik durchbrechen konnte. Den Artikel weiter lesen