MA-Seminar: Die Macht Gottes und die Dynamik des Seins. 'De potentia Dei' von Thomas von Aquin prozessphilosophisch gelesen und begriffsgeschichtlich untersucht (pme)
UE-L01.02121

Enseignant(s): Bayard Marc
Cursus: Master
Type d'enseignement: Séminaire
ECTS: 3
Langue(s) du cours: Allemand
Semestre(s): SA-2021

Der Begriff der potentia (Macht, Möglichkeit, Kraft, Vermögen) ist ein Schlüsselbegriff der Metaphysik. Er erhält jeweils besondere Bedeutung, wenn neues Denken festgefahrene Substanzphilosophie auf eine dynamische Sicht der Wirklichkeit aufbricht. So auch in "De potentia Dei" des Thomas von Aquin, der zu Unrecht als statischer Ordo-Metaphysiker angesehen wird. In seinem oft vernachlässigten Schlüsselwerk entwickelt Thomas ausgehend von der aristotelischen dynamis eine Theorie des prozessualen Seins, in der die Welt als eine eigenwirksame Macht erscheint. Dies nicht trotz, sondern gerade wegen ihrer Begründung und Begrenzung durch die göttliche Allmacht – ein Gedanke, der auch für gegenwärtige Prozessphilosophie von Bedeutung sein könnte.


Objectifs

Die Studierenden legen anhand der Analyse von ausgewählten Passagen aus "De potentia Dei" dar, inwiefern Thomas von Aquin darin eine dynamische Metaphysik entwickelt.

Die Studierenden zeichnen in groben Grundzügen über ausgewählte Etappen die philosophische Begriffsgeschichte der potentia nach.

Die Studierenden setzen über bestimmte Begriffe und Probleme das metaphysische Denken des Thomas von Aquin in Beziehung zur gegenwärtigen Prozessphilosophie.


Documentation

S. Thomae Aquinatis, Quaestiones disputatae, t. 2: Quaestiones disputatae de potentia, ed. P.M. Pession, 10. ed., Marietti, Taurini/Romae 1965, p. 1–276.

Thomas von Aquin, Quaestiones Disputatae, vollständige Ausgabe der Quaestionen in deutscher Übersetzung, hrsg. von Rolf Schönberger, Bd. 7-9: Über Gottes Vermögen, De potentia Dei, übers. und hrsg. von Stephan Grotz, Hamburg 2009–2019.