BA-Seminar: Introspektion und phänomenologische Reflektion (leh, eme)
UE-L01.02181

Enseignant(s): Nida-Rümelin Martine
Cursus: Bachelor
Type d'enseignement: Séminaire
ECTS: 3
Langue(s) du cours: Allemand
Semestre(s): SP-2022

Jeder, so jedenfalls scheint es, weiß über sein eigenes geistig-seelisches (mentales) Leben in anderer Weise und besser Bescheid als jeder andere. Wir sind in der Lage auf den eigenen gegenwärtigen mentalen Zustand zu reflektieren und so Wissen über uns selbst zu erlangen. Diese Art der Reflektion ist die so genannte Introspektion. Gibt es sie wirklich? Darüber sind sich Philosophen nicht einig.

 

Phänomenologische Reflektion ist eine geistige Tätigkeit, die das Ziel hat unter Verwendung introspektiver Einsichten allgemeines Wissen über das menschlich Erleben zu gewinnen oder sogar Einsichten in notwendige Merkmale von Erleben. In der gegenwärtigen Philosophie des Geistes hat phänomenologische Reflektion in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen. Sie spielt zum Beispiel eine zentrale Rolle in der Debatte um die folgenden Fragen: Was ist die Rolle des Handelnden im eigenen Tun? (Philosophie des Handelns). Was sind Farben? (Ontologie der Farben). In welchem Verhältnis steht das wahrnehmende Subjekt zum wahrgenommenen Gegenstand? (Wahrnehmungsphilosophie). Können Intuitionen Meinungen rechtfertigen? (Erkenntnistheorie). Während manche Philosophen phänomenologische Reflektion für ein wichtiges Werkzeug des Philosophierens halten, sind andere der Meinung, dass auf solche Weise keine theoretisch relevanten Einsichten gewonnen werden können.

In dem Seminar werden wir anhand neuer Texte zur Thematik die erwähnten Fragen diskutieren. Dabei werden wir uns auch Beispiele von Arbeiten genau ansehen, in denen phänomenologische Reflektion als Werkzeug des Philosophierens verwendet wird.