Publikationsdatum 21.10.2025

Würdigung von Titularprofessor Dr. Bruno Bürki († 11.10.2025)


Würdigung von Titularprofessor Dr. Bruno Bürki († 11.10.2025)

Der Verstorbene war seit den 1960er-Jahren auf verschiedene Weise mit der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg verbunden, zum einen auf dem Feld der Liturgiewissenschaft, in der er sich mit entsprechenden Studien qualifiziert hatte, zum anderen durch sein Engagement in der Ökumene.

Der am 11. Mai 1931 in Bern geborene Bruno Bürki wurde nach seinem Studium der evangelisch-reformierten Theologie in Bern, Heidelberg und Montpellier 1956 zum Verbi divini minister in der Evangelisch-reformierten Kirche des Kantons Bern ordiniert und übernahm bis 1969 eine Pfarrerstelle in St. Antoni (Kanton Freiburg). Zugleich promovierte er an der Universität Neuchâtel mit einer Dissertation zum Thema: „Im Herrn entschlafen. Eine historisch-pastoraltheologische Studie zur Liturgie des Sterbens und des Begräbnisses“. Bemerkenswert war nicht nur, dass er sich als Reformierter einem liturgiewissenschaftlichen Thema zuwandte, sondern dass neben Jean-Jacques von Allmen als Betreuer der Studie mit Anton Hänggi ein katholischer Liturgiewissenschaftler von der hiesigen Universität Freiburg Zweitbetreuer war. Als Bürki Ende 1968 seine Dissertation verteidigte, war Anton Hänggi inzwischen zum Bischof von Basel gewählt worden, was der wissenschaftlichen, aber auch kirchlichen Zusammenarbeit und freundschaftlichen Verbindung der beiden nochmals eine besondere Note verlieh. Damit zeugte schon das Promotionsstudium von der ökumenischen Gesinnung, die Bürkis gesamtes Leben und Wirken geprägt hat. Das Thema „Sterben und Tod“ sollte ihn noch häufiger in seinen wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigen.

1969 wurde er durch die Église Évangélique du Cameroun an die Faculté de théologie de Yaoundé (Kamerun) zum Professor für Praktische Theologie berufen und übte diese Tätigkeit mit einem liturgiewissenschaftlichen Schwerpunkt bis 1979 aus. In mehreren Veröffentlichungen befasste sich Bürki mit den Herausforderungen der Inkulturation beispielsweise beim Kirchenraum und auf anderen Feldern der Liturgie. Nach seiner Rückkehr in die Schweiz wirkte er für die Église Réformée Évangélique von Neuchâtel in der Pfarrer- und Diakonenausbildung in der Romandie (bis 1990) und zugleich als Pfarrer der deutschsprachigen Evangelisch-reformierten Pfarrei von Neuchâtel (bis 1996). 1991 wurde er zunächst Mitglied, später Vizepräsident des Schweizerischen Evangelischen Kirchenbundes (bis 1998).

Nach Ende der Lehrtätigkeit in Yaoundé bereitete er seine Habilitation vor, die 1981 an der Theologischen Fakultät der Universität Freiburg mit der Studie „Cène du Seigneur – eucharistie de l’Église. Le cheminement des Églises réformées depuis le 18e siècle, d’après leurs textes liturgiques“ erfolgte. Bürki erhielt die Lehrbefugnis für das Fach Liturgiewissenschaft. Dass ein reformierter Theologe an einer katholisch-theologischen Fakultät habilitiert wurde, war in jenen Jahren völlig außergewöhnlich – und ist es im Übrigen heute immer noch. Der akademi-sche Vorgang zeigte die hohe Wertschätzung seiner Person und seines theologisch-ökumenischen Wirkens. Ab 1982 nahm Bürki neben seinen kirchlichen Aufgaben regelmäßig einen Lehrauftrag in Liturgiewissenschaft an der Universität Freiburg unter der Verantwortung des damaligen Liturgiewissenschaftlers Jakob Baumgartner wahr, meistens zu liturgiegeschichtlichen Themen. Seit der Berufung von Martin Klöckener auf den Lehrstuhl (1994) wurde Bürkis Lehrtätigkeit ausgeweitet; er übte sie bis Anfang 2002 aus.

Darüber hinaus war er Mitglied des Instituts für Ökumenische Studien der Universität Freiburg, wo er sich mit Überzeugung einbrachte. Sein Wirken und seine theologische Gesinnung führten dazu, dass er von 1991–1993 zum Präsidenten der internationalen ökumenischen Vereinigung „Societas Liturgica“ gewählt wurde, eine hohe Anerkennung angesichts der Bedeutung dieser Vereinigung. 1993 fand unter Bürkis Leitung auch der zweijährliche Kongress der „Societas Liturgica“ an der Universität Freiburg statt. Kontakt mit der orthodoxen Theologie und Litur-giewissenschaft pflegte Bürki besonders über die jährlichen „Conférences Saint-Serge“ (Paris), an denen er bis 2023 mit eigenem Vortrag teilnahm. Im Freiburger Kontext trug er wesentlich zur ökumenischen Verwurzelung der Studientagungen des Instituts für Liturgiewissenschaft bei. Mehrere umfangreiche Tagungsbände sind aus dieser Zusammenarbeit mit M. Klöckener hervorgegangen. Genauso beteiligte er sich an der engen Kooperation in der Liturgiewissen-schaft mit dem Institut Catholique de Paris. Zur Würdigung seiner Verdienste verlieh ihm die Theologische Fakultät 1997 die Titularprofessur.

Zu den Themen, die Bürki besonders am Herzen lagen, gehörte die Sakramentalität des Abendmahls, aber auch der Ordination und des Trauungssegens in den Kirchen der Reformation. Das Eucharistiegebet als das große Lob- und Dankgebet der Kirche über die Gaben von Brot und Wein hat ihn weit über die Habilitationsschrift hinaus immer wieder beschäftigt. In mehreren bedeutenden Handbüchern und Fachzeitschriften der Liturgiewissenschaft hat Bürki mit hoher Kompetenz den reformierten Gottesdienst dargestellt, wobei er gegen theologische Positionen mancher Kollegen betonte, dass reformierter Gottesdienst Verkündigung und Sakrament umfasst. Bürki lag daran, dass gottesdienstliches Handeln sich nicht nur als Inszenierung ange-sichts der Fragen und der Kultur der Gegenwart versteht, sondern seine theologische Mitte im Pascha-Mysterium Jesu Christi hat – und dies in einem eschatologischen Horizont steht.

Bürki gehörte zu jenen Theologen, die als akademisch Gebildete jahrzehntelang einen pastoralen Dienst sowie kirchliche Leitungs- und Bildungsaufgaben ausgeübt haben und zugleich der wissenschaftlichen Theologie verbunden geblieben sind. So hat er die beiden vordergründig separaten, letztlich aber zutiefst verbundenen Welten von Theologie und Kirche fruchtbar miteinander verknüpft und darüber hinaus mit seiner Profilierung einer wesensmäßig ökumenisch ausgerichteten Liturgiewissenschaft die Theologie und das kirchliche Leben in der Schweiz wie auch auf internationaler Ebene bereichert. Engere Kontakte zur Brüdergemeinschaft von Taizé sowie zu damit verbundenen Kommunitäten wie etwa den Schwestern von Grandchamp NE gehörten ebenfalls zu diesem Engagement für eine kirchliche Erneuerung, die die Verständigung der Kirchen über die Liturgie einschließen sollte. Die Festschrift „Liturgia et Unitas“, die ihm zu seinem 70. Geburtstag gewidmet wurde, ist ein Zeugnis der vielen wissenschaftlichen und persönlichen Verbindungen und von Bürkis Wertschätzung in der Fachwelt. Charakteristisch für ihn waren seine generelle Offenheit, seine Aufrichtigkeit im menschlichen Miteinander, seine geistige Weite und sein geistliches Profil.

Diese Würdigung sei mit Worten aus der Feder von Bruno Bürki selbst beschlossen. Im Vorwort seiner Dissertation schreibt er: „Wenn ich heute diese Studie einer hoffentlich recht ökumenisch und überhaupt vielfältig zusammengesetzten Leserschaft übergebe, dann geschieht das in der Hoffnung, wir möchten miteinander das Sterben im Herrn immer mehr verstehen und begehen lernen als einen Teil der Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen, die bei Noah, Abraham und dem Volk des alten Bundes beginnt, um im kommenden Reich des auferstandenen Herrn Jesus Christus zu ihrem Ziel zu gelangen. Unser Sterben ein heilsgeschichtliches und kirchliches Ereignis!“ (S. 5) Möge sein eigenes Sterben in dieser Heilsgeschichte Gottes mit den Menschen und im Pascha-Mysterium Jesu Christi geborgen sein und bei der Wiederkunft Christi zu seiner letzten Erfüllung kommen!

Martin Klöckener

Professor em. für Liturgiewissenschaft an der Universität Freiburg