Publikationsdatum 21.04.2026
Der Rabbiner und jüdische Theologe Mark S. Kinzer erhält einen Freiburger Ehrendoktortitel
Der Rabbiner und jüdische Theologe Mark S. Kinzer erhält einen Freiburger Ehrendoktortitel
Die Theologische Fakultät der Universität Freiburg (Schweiz) verleiht Dr. Mark S. Kinzer (*1952) den Titel eines Doctor honoris causa. Mit dieser Auszeichnung würdigt die Fakultät einen international anerkannten Theologen, Bibelwissenschaftler und messianisch-jüdischen Rabbiner, dessen akademisches Werk und dialogisches Engagement in besonderer Weise zur Vertiefung der Beziehungen zwischen Judentum und Christentum beigetragen haben.
Antijudaismuskritik, Dialog und Vermittlung
Mark S. Kinzer ist ehemaliger Präsident und Professor emeritus am Messianic Jewish Theological Institute (California, USA) und eine führende Stimme im Kontext messianisch-jüdischer Theologie. In diesem Rahmen macht er seine Selbstverortung im Schnittfeld von Judentum und Christentum nachdrücklich dazu fruchtbar, für eine antijudaismuskritische Haltung im Sinne der Konzilserklärung Nostra Aetate und für die wechselseitige Verständigung zwischen Judentum und Christentum zu werben. Diese Positionierung stellt im Kontext des messianisch-jüdischen Diskurses ein genuines und zwischenzeitlich vielfach rezipiertes Votum Mark S. Kinzers dar. Es ist wesentlich geprägt von der Tatsache, dass Kinzer im Gegensatz zu manchen anderen messianisch-jüdischen Stimmen eine strikte Zurückweisung all jener Theologien vertritt, die von judenmissionarischen Positionierungen, substitutionstheologischen (also die Kirche an die Stelle des ersterwählten Volkes setzenden) Motiven oder irgendeiner anderen Form christlicher Selbstüberhöhung geprägt sind. Damit hat Kinzer im Raum des messianisch-jüdischen Diskurses wichtige Impulse und bedeutungsvolle Gegenakzente gesetzt.
Auf Tuchfühlung mit der römisch-katholischen Tradition
Kinzers Theologie steht in einem intensiven Austausch mit der katholischen Theologie und spezifisch mit Vertretern der für Freiburg sehr prägenden dominikanischen Tradition. Besonders hervorzuheben ist sein langjähriges Engagement in verschiedenen Dialogformaten zwischen römisch-katholischer Kirche und messianischem Judentum. In diesem Rahmen hat Kinzer über viele Jahre hinweg zur Förderung eines differenzierten und vertrauensvollen Austauschs beigetragen. Darüber hinaus ist er Mitbegründer bedeutender internationaler Forschungsinitiativen, die sich mit der theologischen Rezeption von Nostra Aetate befassen.
Mit der Verleihung der Ehrendoktorwürde an Mark S. Kinzer ehrt die Freiburger Theologische Fakultät ein wissenschaftliches Werk, das sich durch intellektuelle Redlichkeit, dialogische Offenheit und den ernsthaften Willen zur interreligiösen Verständigung auszeichnet, und eine Persönlichkeit, die in herausragender Weise wissenschaftliche Exzellenz mit einem nachhaltigen Einsatz gegen jede Form von Antijudaismus und Substitutions- bzw. Ablösungstheologie verbindet.
Die Auszeichnung erfolgt am Montag, den 16. November 2026 im Rahmen des Dies academicus.
