Methodenseminar: Das Ich in der Zeitgeschichte. Arbeiten mit Selbstzeugnissen und Ego-Dokumenten
UE-L15.01734

Dozenten-innen: Cottier Maurice
Kursus: Bachelor
Art der Unterrichtseinheit: Seminar
ECTS: 3
Sprache-n: Deutsch
Semester: SP-2022

Obwohl sich die Menschen seit jeher mit sich auseinandersetzten, wurde die Beschäftigung mit dem eigenen Selbst im 19. und 20. Jahrhundert zu einer weitverbreiteten Beschäftigung. Die Dokumente, die dabei produziert wurden – Tagebücher, Autobiografien, private Briefe oder gerichtliche Verhörprotokolle – lassen sich auf unterschiedliche Weise für die Geschichtswissenschaft fruchtbar machen. Zum einen erlauben sie interessante und teilweise intime Einblicke in die Empfindlichkeiten und Lebensumstände der historischen Akteure. Zum anderen bieten Autotexte die Möglichkeit zu untersuchen, wie sich historische Akteure selbst thematisierten und sich im Schreibprozess gewissermassen erfanden. Diese Selbstthematisierungen und -Stilisierungen waren jeweils stark durch historische Kontexte mitbedingt. Es zeigt sich, dass das Ich keine historische Konstante darstellt, sondern selbst ein Gegenstand der Geschichtswissenschaft ist. Der Kurs bietet eine Einführung in den theoretisch-methodischen Umgang mit sogenannten Selbstzeugnissen und Ego-Dokumente. Die Teilnehmenden werden ermuntert, nach Selbstzeugnissen aus ihren Interessensgebieten zu suchen und diese gemeinsam zu analysieren und interpretieren.